Mittwoch, 16. Dezember 2009

Eine erzieherische Lektion

In Saratow freundete ich mich besonders mit dem Kinderpublikum an und bekam ein sicheres Gefühl für die hohe erzieherische Verantwortung, die ein Komiker jugendlichen Zuschauern gegenüber trägt.

Eines Tages kamen einige Lehrer der Saratower Mittelschule mit der Bitte zu mir, die Kinder nicht negativ zu beeinflussen und in der Manege nichts zu tun, was die Erziehung erschweren und sich ungünstig auf die Schuldisziplin auswirken könnte. (...)

Mir wurde klar, welche große erzieherische Bedeutung das hat, was wir Kindern in der Zirkusarena zeigen, und wie sehr es auch darauf ankommt, wie etwas dargestellt wird. Ich begriff, daß gerade Komiker und Clowns in ihren Darbietung die Möglichkeit haben, die Interessen der Kinder zu lenken, indem sie jedes ungezogene, schlechte Benehmen deutlich machen und verurteilen, indem sie es so schildern, daß den Kindern verständlich wird, warum man sich nicht so betragen darf.

Karandasch, Melone und Hütchen, in: Das Leben großer Clowns, Henschelverlag Berlin 1972, S. 433
Der Clown Karandasch war der berühmteste sowjetische Clown des 20. Jahrhunderts. Lesen Sie seine Geschichte in der Moskauer Zeitung:
http://www.mdz-moskau.eu/index.php?date=1048234176

Sonntag, 29. November 2009

Ist der Clown ein produktiver Arbeiter?


„Ein Schauspieler z. B., selbst ein Clown, ist hiernach ein produktiver Arbeiter, wenn er im Dienst eines Kapitalisten arbeitet, dem er mehr Arbeit zurückgibt, als er in der Form des Lohns von ihm erhält, während ein Flickschneider, der zu dem Kapitalisten ins Haus kommt und ihm seine Hosen flickt, ... ein unproduktiver Arbeiter ist. Die Arbeit des ersteren tauscht sich gegen Kapital aus, die des zweiten gegen Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum). Die erstere schafft Mehrwert; in der zweiten verzehrt sich eine Revenue.“

K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, S.127.

Samstag, 28. November 2009

Die Kunst der Kommunikation

"Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist." *
(Johann Wolfgang Goethe)

Recht hat er - der alte Goethe. Doch wenn es bei Kommunikation nur um "Wahrheit oder Irrtum" ginge, wäre das nicht weiter schlimm. Denn der Irrtum läßt sich im Laufe der Zeit, mit fortschreitender Erkenntnis korrigieren, wobei die Wahrheit allmählich zutage tritt. Irrtümer sind allenfalls auf Sinnestäuschungen oder auf Denkfehler zurückzuführen; ihre Korrektur erfolgt durch die Praxis und auf der Basis gesicherter Erkenntnisse. Schlimmer ist es dagegen mit der Lüge. Daß mit Lüge und Betrug heute recht einträgliche Geschäfte zu machen sind, lag wohl auch außerhalb der Vorstellung des Herrn Geheimrats.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation muß man den Irrtum sehr deutlich von der Lüge unterscheiden. Eine Lüge besteht darin, daß jemand eine Aussage als "wahr" behauptet, von der er aber überzeugt ist, daß diese Aussage falsch ist. Da aber der Lügner
unter allen Umständen vermeiden will, daß die Wahrheit ans Licht kommt, wird es mit zunehmender Weiterverbreitung der Information immer schwieriger, Wahres von Falschem zu unterscheiden. Zumal sich die Lüge nicht als solche zu erkennen gibt. Darin liegt auch das Dilemma der Kommunikation.

Ständig empfängt der Mensch
neue Informationen. Er ist somit bei der Fülle seiner Wahrnehmungen ständig gezwungen, diejenigen auszuwählen, die seinen Bedürfnissen und Interessen am ehesten entsprechen und die er auch imstande ist, zu verarbeiten. So hat man beispielsweise festgestellt, daß eine Wochentagsausgabe der New York Times mehr Informationen enthält, als einem gewöhnlichen Engländer des 17. Jahrhundert in seinem ganzen Leben zur Verfügung standen. Doch was davon ist nun wichtig und was ist unwichtig? - und schließlich: Was ist wahr, und was ist falsch? Um auf diese Fragen eine einigermaßen klare Antwort geben zu können, ist es erforderlich, die theoretischen Grundlagen zu betrachten.

Was ist eigentlich Kommunikation?

Zunächst ist Kommunikation - allgemein gesagt - der durch den Austausch von Informationen vermittelte Zusammenhang zwischen dynamischen Systemen. Dieser Austausch funktioniert nur dann, wenn es einen gemeinsamen Zeichenvorrat gibt, über den sich der Sender (S1) und der Empfänger (S2) miteinander verständigen.

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist eine spezifische Form dieses Informationsaustauschs, die sich notwendigerweise daraus ergibt, daß die Menschen viele Dinge nicht allein bewerkstelligen können, d.h. sie ergibt sich zwangsläufig aus der gemeinsamen Produktion, aus dem Zusammenwirken der Menschen. Die Kommunikation hat also einen ganz praktischen Grund.

Im Verlaufe des Informationsprozesses gewinnt nun der Empfänger der Information (S2) eine Erkenntnis, die er in der Praxis auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen kann, und welche ihn zu einer bestimmten Reaktion, zu einem bestimmten Verhalten veranlaßt. Dabei gilt es festzustellen, ob und inwieweit die gesammelten, gespeicherten und verallgemeinerten Informationen mit den tatsächlichen Verhältnissen übereinstimmen oder nicht. Denn natürlich schließt das durch viele einzelne Informationen beim Empfänger entstandene Abbild der Wirklichkeit stets auch Irrtümer und falsche Denkweisen mit ein. Doch nur die richtige, eine adäquate Widerspiegelung der objektiven Realität, und erst die Kenntnis der Gesetze der Natur und der Gesellschaft ermöglichen dem Menschen ein sinnvolles, zielgerichtetes und erfolgreiches Handeln. Hat der Mensch seine Lage einmal erkannt, wie soll er aufzuhalten sein...

Worin besteht nun die Kunst der zwischenmenschlichen Kommunikation?

Die Kunst der Kommunikation besteht genau darin, die richtigen Informationen auszuwählen und sie so zu vermitteln, daß auf der Grundlage einer gemeinsamen Sprache (eines "gemeinsamen Zeichenvorrates") eine Informations-übertragung, und beim Empfänger (S2) ein Erkenntnisgewinn möglich sind. Das setzt freilich auch eine gewisse Lernbereitschaft und die aktive Mitwirkung des Empfängers voraus. Die entscheidende Rolle spielt dabei jedoch die Persönlichkeit des Senders (S1). Nicht nur seine Überzeugungskraft, sein rhetorisches Talent und seine Begeisterung sind hier von besonderem Gewicht, sondern auch seine Integrität, seine Aufrichtigkeit und seine moralische Grundüberzeugung. Nicht immer ist das leicht zu erkennen, denn es geht dabei nicht nur um die Vermittlung von Bildung und Wissen, sondern vor allem um den Einfluß auf Entscheidungen und somit auf das Handeln der Informationsempfänger. Wozu läßt sich das Publikum bewegen - sind es eigene Wünsche, Träume oder Ziele, die geweckt werden, oder ist es gar die Angst von drohenden Nachteilen? Auch der Einfluß von Kunst und Literatur, sowie die Einwirkung der Massenmedien ist nicht zu unterschätzen! Sie beeinflussen die Gefühlswelt, und sie können sich motivierend und mobilisierend auf das Bewußtsein auswirken. Je besser es gelingt, Gemeinsamkeiten von Sender und Empfänger zu entdecken, zu thematisieren, zu erweitern, und sie bestenfalls um einige neue Erkenntnisse zu bereichern, desto größer ist der Grad der Beeinflußung. Wer Informationen übermittelt, hat freilich auch die Möglichkeit, Meinungen zu manipulieren. Das darf man nicht vergessen! So setzt der Mensch sich erfolgreich mit seiner Umwelt auseinander, indem er die Voraussetzungen, seine eigenen Möglichkeiten, den voraussichtlichen Ablauf und die Konsequenzen seines Tuns überprüft, durchdenkt und schließlich danach handelt. Gedankenloses oder nicht genügend durchdachtes Handeln bringt Mißerfolge mit sich. Dabei lernt er schließlich, Wahres von Falschem zu unterscheiden: In der Praxis zeigt sich, was am Ende richtig war.

Und wie ist das mit der Wahrheit?

Wie schon Goethe richtig feststellte, muß man "das Wahre immer wiederholen". Hier hat die Wiederholung einen erzieherischen Zweck: Auch wenn die Tatsachen noch so verfälscht werden, wenn Manipulationen und Täuschungen mitunter nahezu erdrückende Ausmaße anzunehmen scheinen, wird sich die Wahrheit im Laufe der Zeit allmählich durchsetzen. Und es ist - nebenbei bemerkt - schon eine etwas seltsame Moralvorstellung, wenn beispielsweise die Verbreitung von Falschaussagen zum Zwecke des Machterhalts oder die Fälschung von Werbeaussagen zum Zwecke der Umsatzsteigerung in der bürgerlichen Öffentlichkeit als Kavalierdelikt behandelt werden, um recht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten, so daß ein Unrechtsbewußtsein über die wissentliche Irreführung gar nicht erst aufkommt. Von einer potentiellen Übereinstimmung der objektiven Realitäten mit der proklamierten öffentlichen Meinung kann also vorerst keineswegs die Rede sein. Die jeweiligen Meinungen sind allenfalls eine billige Massenware - eben gebraucht und schon verschlissen.

Schließlich ist es eine philosophische Frage, ob es in den menschlichen Vorstellungen einen Inhalt geben kann, der vom Subjekt unabhängig ist, der also weder vom Menschen noch von der Menschheit abhängt, und wenn ja, ob es in der menschlichen Vorstellung möglich ist, diese objektive Wahrheit auf einmal, vollständig, unbedingt, absolut, oder eben nur annähernd, relativ auszudrücken.** Letzteres führt uns zu der Relativität jeglicher Erkenntnis - damit muß man rechnen. Wer jedoch die Objektivität des Erkenntnisprozesses bezweifelt, der gesellt sich ganz unbestritten auf die Seite jener Traumtänzer, denen eine Veränderung der Welt allein durch eine Änderung ihrer Gedanken möglich erscheint. Es ist klar, daß auch eine solche Denkweise ihre sozialen Wurzeln hat, und nur denen recht sein kann, die an einer Veränderung der bestehenden Verhältnisse im Grunde genommen nicht interessiert sind, da sie keinesfalls bereit sind, ihre eigene Behaglichkeit dafür aufzugeben...

(G.J.)

* J.P.Eckermann, Gespräche mit Goethe, Max Hesse's Verlag Leipzig, o.D. (1902), S.240.
** vgl. W.I.Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Berlin 1973, Werke Bd.14, S.116.

Dienstag, 10. November 2009

Clown Kokha - Moskau

Mein Freund Kokha Lysanow arbeitet als Clown in Moskau. Zuletzt trafen wir uns in Tjumén/Sibirien.
Sein neues Programm ist jetzt zu sehen im Kleinen Theater "Ryshik & Co." in der ul.Rogowa, 1
in Moskau.








Коха пишет: "...я готовлюсь сделать ещё одну атаку, чтобы заметили. Вот здесь можно почитать и посмотреть.
http://www.ruscircus.ru/forum/index.php?showtopic=12691
Ездил в Белоруссию клоуном в программе цирка на сцене. Там очень здорово!"

Und hier kann man das Video sehen:
http://www.ruscircus.ru/video?act=play&vid=678

Samstag, 7. November 2009

Man muß freilich lernen...

Uczyć się jednak trzeba, oglądanie telewizji nie wystarczy. Wprawdzie improwizował nawet Adam Mickiewicz, ale co wolno wojewodzie, to nie tobie, dziecko!

Man muß freilich lernen, das Fernsehen reicht nicht aus. Sicher hat auch Adam Mickiewicz schon improvisiert, aber was dem Wojewoden zusteht, ist dir nicht erlaubt, mein Kind!
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Der Redakteur der einflußreichen "Kreuzzeitung", Freiherr von Hammerstein schrieb vor etwa 100 Jahren: "Die Kinder sollen lesen, schreiben und rechnen lernen, für weitergehende Dinge aber sehe ich kein dringendes Bedürfnis." ...Das zentrale Unterrichtsfach in den Volksschulen war noch immer der Religionsunterricht. Die Stundentafel in Oldenburg enthielt sogar neun Religionsstunden in der Woche. In den sächsischen Volksschulen mußten vor dem ersten Weltkrieg 150 Bibelsprüche, 168 Gesangbuchstrophen, 140 biblische Geschichten, 35 Choralmelodien und die fünf Hauptstücke auswendig gelernt werden. Diese Anzahl, so schrieb ein sozialdemokratischer Schulpolitiker, "reicht gerade hin, um den Geist der Kinder stumpf zu machen, ihre Intelligenz zu verblöden und ihre gesunde Vernunft zu verwüsten". (O.Rühle: Das sächsische Volksschulwesen. Leipzig 1904, S.14)

Amerikanische Verhältnisse...

Ein dummes Volk läßt sich eben leichter regieren...)))))

Mittwoch, 28. Oktober 2009

100 Millionen Bücher

Nach Schätzungen landeten zwischen 1990 und 2000 in der Bundesrepublik Deutschland rund 100 Millionen in DDR-Verlagen gedruckter Bücher auf der Müllhalde.

Schon 1960 gab es im "Leseland DDR" rund 18 000 staatliche Allgemein- und Gewerkschaftsbibliotheken – mit einem Buchbestand von 18 Millionen Büchern und mit 50 Millionen Entleihungen jährlich. (Bis 1986 hat sich die Zahl der Entleihungen sogar mehr als verdoppelt!) Die Ausleihe war generell kostenlos; Bücher waren im Vergleich zur damaligen Bundesrepublik spottbillig. Ferner existierten 33 wissenschaftliche Bibliotheken. 80 Verlage stellten in der DDR Bücher her. So wurden in den Jahren von 1949-89 rund 350 000 Titel verlegt. Nach dem Anschluß an die BRD wurden die Bestände der großen Bibliotheken in den ehemaligen Bezirks- und Kreisstädten "bereinigt". Unzählige kleine Büchereien in Gemeinden, FDGB-Ferienheimen, Altersheimen, Betrieben und Einrichtungen wurden liquidiert.
Die vorhandenen Bücherbestände wurden "entsorgt" und verschwanden in Mülltonnen und Containern, landeten auf Müllhalden oder sie kamen zum Altpapier und wurden geschreddert. Darunter waren auch massenweise Bücher folgender Autoren:

Heinrich Heine, Thomas Mann, Carl von Ossietzky, Bertolt Brecht, Ernest Hemingway, George Grosz, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Kurt Tucholsky, Pablo Neruda, Egon Erwin Kisch, Lion Feuchtwanger, Martin Andersen Nexö, Anton Makarenko, Ingmar Bergmann, Arkadi Gaidar, Nikolai Ostrowski, PeterHacks, Johannes R.Becher, Ludwig Renn, Erik Neutsch, Bruno Apitz, Kurt Barthel, Herrmann Kant, Dieter Noll, Stefan Hermlin...

Doch es gab auch andere Beispiele. Allein der Schauspieler Peter Sodann rettete als Intendant des "Neuen Theaters" in Halle/Sa. über eine Millionen Bücher (Peter-Sodann-Bibliothek Staucha) seiner Heimatstadt vor der Müllhalde. Der evangelische Theologe Peter Franz sammelte in seinem Haus in Taubach bei Weimar etwa 7 500 Bücher, die dort auch kostenlos ausgeliehen werden können. (G.J.)

Und noch etwas: am 21.09.1990 schrieb "Die Zeit"unter der Schlagzeile "Bücher vereinigt euch!" zu diesem unvergleichlichen Vorgang der Büchervernichtung: "Na endlich. Auf der ersten Seite fast aller Zeitungen dürfen wir lesen: 'Guter Gipfel beim Kanzler.' Helmut Kohl versichert, 'daß alle Ansprüche, rund hundert Millionen, erfüllt werden'. Schließlich wolle er nicht als 'Totengräber' der Kultur in die Geschichte eingehen."
Wußten Sie schon, daß die BRD ein Kulturstaat ist?

P.S. in der DDR (1986) gab es 14 384 Staatliche Allgemeinbibliotheken mit 46,6 Millionern Büchern, außerdem 3 884 Gewerkschaftsbibliotheken mit 5,4 Millionen Büchern. Zum Vergleich: heute gibt es im "Land der Dichter und Denker" (BRD) lediglich 8 393 Öffentliche Bibliotheken. (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2009)

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Selber Denken!

Immanuel Kant - jeden z największych filozofów wszech czasów. Przez większość swojego życia był tylko drugorzędnym nauczycielem akademickim wykładającym filozofię w ujęciu niemieckiego racjonalizmu stworzonego przez Leibniza, Wolffa i Baumgartena.

Racjonaliści twierdzili, że czysty rozum, nieskażony przesądami czy emocjami, jest ostatecznym źródłem poznania. Kant wykładał ich poglądy, coraz bardziej się z nimi nie zgadzając. W końcu w wieku 57 lat opublikował Krytykę czystego rozumu - dzieło, które dokonało w filozofii przełomu porównywalnego z kopernikowskim.

Postulował w nim nowy rodzaj filozofii - filozofię krytyczną, w której centralnym pytaniem nie będzie już: jak znaleźć idealne źródło poznania?, lecz: jak wobec oczywistej niedoskonałości wszystkich dostępnych człowiekowi źródeł poznania mimo wszystko móc filozofować?

Wystarczy zasada, którą Kant nazwał imperatywem kategorycznym: Postępuj tylko według takiej zasady, jaką chciałbyś widzieć jako prawo powszechne, ale uzupełniona o zasadę człowieczeństwa: każdy człowiek z osobna musi stanowić cel, a nigdy środek.

"Oświecenie to wyjście człowieka z zawinionej przez niego niedojrzałości. Niedojrzałość jest nieumiejętnością w posługiwaniu się własnym rozumem bez przewodnictwa innych. Niedojrzałość ta jest zawiniona przez człowieka, jeśli jej powód tkwi nie w braku rozumu, ale zdecydowania i odwagi, by swym rozumem posługiwać się bez zwierzchnictwa innych. Sapere aude! — Odważ posługiwać się własnym rozumem! - stanowi maksymę przewodnią oświecenia.

Lenistwo i tchórzostwo to przyczyny, dla których tak wielka cz
ęść łudzi, mimo wyzwołenia ich przez naturę z obcego kierownictwa (naturaliter maiorennes), pozostaje chętnie niedojrzałymi przez całe swoje życie. Te same przyczyny sprawiają, że inni mogą tak łatwo narzucić się im jako opiekunowie. To bardzo wygodnie być niedojrzałym."

I. Kant, Odpowiedź na pytanie: czym jest Oświecenie? Rozprawy z filozofii historii, przeł. T. Kupś, Kęty 2005, s. 44. (własnie przeł., G.J.)
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Einer der größten Philosophen aller Zeiten war Immanuel Kant. In seiner Schrift "Was ist Aufklärung?" schrieb er:

AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. S. 481-494

...Recht hat er, der alte Kant: Es ist so bequem, unmündig
zu sein!
d.h. fremdgesteuert und manipuliert -
Also selber denken!
Und danach handeln!

Samstag, 17. Oktober 2009

Wahrhaftigkeit in der Kunst

Diese Lebensäußerung eines Politikers mag unerwartet sein, sie ist aber eben auch eine zutiefst menschliche. Gerade aus diesem Grund wird sie hier wiedergegeben, denn Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind auch Eigenschaften, die ein Clown sich zu eigen machen muß, will er denn über den eigentlichen Zeitgeist hinaus bedeutsam bleiben...

J
e tiefer der Künstler selbst in die wunderbaren Geheimnisse der Realität in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit eindringt, je leidenschaftlicher er um ihre Erkenntnis ringt, je einfacher, deutlicher, klarer und ungekünstelter er sie zum Ausdruck bringt, um so strahlender wird das Licht sein, das er für das geistige Auge seiner Nation über die Gefilde ihre Zukunft breitet. Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind daher erster und letzter Prüfstein echten künstlerischen Wertes. "Was nicht wahr ist, das baut nicht!"

Allem zersetzenden Nihilismus gegenüber, der uns, weil er in Wirklichkeit an keine Wahrheit glaubt, einreden möchte, daß es ebenso viele Wahrheiten wie Menschen gäbe, wollen wir deutlich und vernehmlich unsere Meinung aussprechen: Die Wahrheit ist unteilbar. Es gibt nur eine Realität, und so kann es auch nur eine Wahrheit geben. Mannigfaltig sind die Wege, auf denen wir alle uns ihr nähern, anders der Weg des Künstlers, anders der Weg des Wissenschaftlers oder des Politikers und wieder anders der des Menschen im praktischen Leben. Auf welchem Weg immer auch der einzelne zu ihr gelangen mag, eines steht unverrückbar fest: Die Welt, das ist kein Schein, das ist eine objektive Realität, unabhängig von unserem Bewußtsein, das ist eine harte, unumstößliche Tatsache, und wer sie leugnet, verliert den Boden unter den Füßen. Auch der Künstler wird sich nur dann auf festem, sicheren Boden bewegen, wenn er die reale Welt in ihrem objektiven Bestand zur Grundlage seiner Anschauung macht. ...

Die Kunst ist der Stachel des gesellschaftlichen Fortschritts, wenn sie das Gewissen der Menschen aufwühlt gegen das Alte, Morsche und Verfaulende. ... Aber vergessen wir auch nicht, daß die wirkliche Umgestaltung der Welt an eherne Gesetze gebunden ist, die unabhängig von dem subjektiven Wollen des einzelnen sind. Otto Grotewohl, Reden und Aufsätze, Bd.2, S.10f. (März 1950)

Bild: Das Magazin, Heft 9, 1984, S.40 - "Otto Grotewohl malte oder zeichnete gern. Es wäre jedoch äußerst taktlos, diesen Mitgestalter unserer Republik von bleibendem Rang, ihren ersten Ministerpräsidenten, zum bedeutenden Maler hochzustilisieren." (H.Henselmann )
ebd.S.47.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Construction of Scenes

In constructing scenes or developing a plot we are faced with some difficulties for inexperienced. I suggest these points as a guide:

1. A mime play should be short.
2. It should be composed of varied scenes of individual interest and variety.
3. There should be clearly defined (a) the opening, (b) the climax of dramatic intensity, and (c) a conclusion.
4. The interest should be very definitely
centralized: literally as far as possible in the centre of the stage.
5. It must be borne in mind that the point of view of the audience is
pictorial, and that it is impossible to take in more than one thing at a time by means of sight. Consequently, no two important events must occur simultaneously, and all by-play in crowd-scenes must lead to the central action.


In: Irene Mawer, The Art of Mime, London, 1932, p. 220f.
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Der Aufbau einer Szene
Beim Aufbau einer Szene oder der Entwicklung einer szenischen Handlung sieht sich der Unerfahrene mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert. Ich empfehle daher. die folgenden Punkte zu beachten:

1. Eine mimische Darbietung sollte kurz sein.
2. Sie sollte aus verschiedenen Szenen von individuellem und vielfältigem Interesse zusammengesetzt sein.
3. Es sollte eindeutig definiert sein: (a) die Eröffnung, (b) der dramatische Höhepunkt und (c) der Schluß.
4. Das Interesse sollte sehr klar zentralisiert sein: buchstäblich möglichst in der Mitte der Bühne.
5. Bei der Vorbereitung muß klar sein, daß das Publikums eine bildhafte Betrachtungsweise hat, und daß es unmöglich ist, mehr als eine Sache gleichzeitig im Blickfeld zu haben. Konsequenterweise können nicht zwei wichtige Vorgänge gleichzeitig geschehen, und Massenszenen müssen zu einer zentralen Aktion hinführen.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Über die Kunst

Die Kunst ist eine spezifische Art der Widerspiegelung der Wirklichkeit aus der Sicht des jeweiligen Künstlers. Sie ist der unmittelbare Ausdruck seines inneren Zustandes und seines gesellschaftlichen Bewußtseins. Im einem Kunstwerk (dem Abbild) wird meist auch deutlich, welche Position der Künstler einnimmt, für wen er Partei ergreift und in wessen Interesse und Auftrag er handelt. Die progressivsten Kunstwerke waren stets diejenigen, welche die Wirklichkeit in ihrer Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit möglichst wahrheitsgetreu darstellten. Darin zeigt sich auch, wie frei die Kunst wirklich ist...

Gute Beobachtungsgabe, ein genaues Verständnis der Gegenwart, sowie künstlerische Meisterschaft bilden dafür die geeignete Voraussetzung. Schon J.G.Herder schrieb:











"Kunst kommt von Können oder vom Kennen her (nosse aut potesse), vielleicht von beiden, wenigstens muß sie beides in gehörigem Grad verbinden. Wer kennt ohne zu können, ist ein Theorist, dem man Sachen des Könnens kaum trauet; wer kann ohne zu kennen, ist ein bloßer Praktiker oder Handwerker; der echte Künstler verbindet beides."

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"Kunst ist immer und durchaus Ausdruck der Persönlichkeit." (Erich Mühsam)
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Grafik: Klaus S t a e c k (1987)

Zitat: Johann Gottfried Herder: Kalligone, Band 2, Kapitel I, Seite 3, "Sämmtliche Werke", hrsg. v. B.Suphan, Bd. XXII, Berlin 1880, S.125.

Dienstag, 6. Oktober 2009

...antiautoritär?

In seinem Vorwort zu dem von A.S.Neill verfaßten Erziehungsschmöker über die sogenannte antiautoritäre Erziehung schreibt Erich Fromm: "Unser Wirtschaftssystem braucht Menschen, die seinen Geboten gehorchen, Menschen, die widerspruchslos mitmachen, Menschen, die immer mehr konsumieren wollen. Es muß sich Menschen schaffen, deren Geschmack genormt ist, die sich leicht beeinflussen lassen, deren Bedürfnisse im voraus berechnet werden können. Unser System braucht Menschen, die glauben, sie seien frei und unabhängig, aber alles tun, was man von ihnen erwartet, Menschen, die sich der Gesellschaftsmaschinerie reibungslos einfügen..."* Und daher bedient sich man sich eines Tricks. Man sagt: "Nicht wahr, das möchtest du doch bestimmt auch gerne tun?", was allemal netter erscheint, als dem Unterworfenen gegenüber zu offenen Zwangsmaßnahmen greifen zu müssen.

Daß dieser "Kunstgriff" auf einem Betrug beruht, gibt Fromm sogar zu: "Der Mensch unserer Zeit muß also, wenn er sich anpassen will, die Illusion nähren, alles geschehe mit seiner Einwilligung, obwohl diese in Wirklichkeit durch geschickte Manipulation erzwungen wird. Man erhält seine Einwilligung sozusagen hinter seinem Rücken oder hinter seinem Bewußtsein."*

Was dann allerdings von diesem "Pädagogen" Neill bis Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts angeboten und praktiziert wurde, war alles andere als Erziehung - wie hätte es das auch sein können? -, es war eine unsinnige, verlogene und scheinanarchistische Modeerscheinung, das Ergebnis einer jahrzehntelangen Werbekampagne dieses "glänzenden Publizisten" (wie A.Kühn ihn nennt) - es war die Irreführung ganzer Generationen junger Menschen im Sinne seiner "Reformpädagogik" zum Zwecke ihrer Unterordnung unter die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Neill hat seine "Erfahrungen" aus seiner "Musterschule" in Summerhill, die von Kindern zahlungskräftiger Eltern besucht wurde, in zahlreichen Publikationen und auf Vortragsreisen propagiert. Er besaß sogar noch die Frechheit, darüber zu schreiben: "Wir hatten mehrere Jungen und Mädchen, die mit 14 noch nicht lesen konnten. Ich weiß nicht, was daran schuld war" (Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. Reinbek bei Hamburg, 1971, S.56). Die Nachwirkungen dieser Theorie sind heute noch spürbar.

Untersucht man indessen die ökonomischen und die sozialen Strukturen unserer Gesellschaft, so finden wir immer wieder die Tendenz zu gemeinsamen Aktionen oft auch sehr unterschiedlicher Menschen (die allerdings aus deren gemeinsamem Interesse entspringt). Eine solche Organisation ohne Autorität ist schlechterdings unmöglich.
(G.J.)

* beide Zitate: A.S.Neill, Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung, Reinbek bei Hamburg, 1969, Vorwort, S.11.

Montag, 5. Oktober 2009

Gedanken über das Lachen

Sehr oft gibt es in der heutigen Unterhaltungsindustrie sogenannte "Comedy"-Szenen, bei denen die Zuschauer lachen. Mitunter wird sogar im Hintergrund eines Films oder einer Aufzeichnung Gelächter eingeblendet, um so den Anschein zu erwecken, daß diese Szene komisch sei. Doch nichts liegt ferner als das. Es wird hier eine Einmütigkeit suggeriert, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Mit Komik und Humor hat das alles nicht viel zu tun. Diese Art von Unterhaltung ist im Grunde wertlos, auch wenn das Publikum sich amüsiert. Darüber mokierte sich schon Hegel, als er schrieb: "...einem solchen Volke ist nicht zu helfen; es löst sich in seiner Torheit auf."

Ein dummes Lachen
Wenn über Unsinniges und Albernes gelacht wird, so ist das meist ein recht einfältiges Lachen. Allein der Widerspruch zur Realität ist ja noch nicht komisch. Selbst dummes, falsches oder unmoralisches Verhalten ist für sich genommen noch nichts Komisches. Oft wird auch Lächerliches und Komisches miteinander verwechselt. Und leicht gleitet das Einfache und elementar Komische in die Banalität ab. Hier zitieren wir wiederum Hegel: "Überhaupt läßt sich nichts Entgegengesetzteres auffinden, als die Dinge, worüber die Menschen lachen. Das Plattste und Abgeschmackteste kann sie dazu bewegen..."*

Worauf es beim Lachen ankommt
Wie läßt sich das nun erklären?
Ist es nicht gleich, worüber wir lachen? Ist dem verehrten Publikum das Lachen nicht zu gönnen? Muß denn der Spaß erst ein bestimmtes Niveau haben, um wirklich komisch zu sein? Ja, so ist es. Hämisches, zynisches oder abfälliges Lachen, ja sogar "Schadenfreude", ist eine üble Auslassung über Andere, über selbst Unbeteiligte, die oft sogar einen feindlichen Charakter trägt. Echte Heiterkeit hingegen resultiert aus der Lebensfreude. Sie setzt Gelassenheit (also Humor) voraus und erfordert das Vorhandensein eines gesellschaftlichen Ideals (nämlich der Zuversicht), und das nicht nur beim Betrachter. Nimmt man das Elementarkomische einmal heraus, welches - wie wir gesehen hatten - freilich auch Lachen hervorbringt, so ist die Reaktion auf ein Ereignis, und folglich auch das Lachen, sozial bedingt durch das Verhalten der Menschen zueinander. Es widerspiegelt die gesellschaftlichen Verhältnisse, welche die Menschen untereinander eingehen. Sind sie feindlich, so ist das Lachen boshaft, sind sie hingegen freundlich, so ist auch das Lachen voller Humor. Die Ansichten des Publikums über einen Vorgang sind also unmittelbar verbunden mit dem Urteil über den betreffenden Gegenstand und die jeweilige Situation. Und das Lachen hängt jeweils davon ab, in welcher Position der Zuschauer sich befindet, welches Erkenntnisniveau er besitzt, worauf er emotional reagiert und nicht zuletzt, wie er in der Lage ist, die damit verbundenen Informationen zu verarbeiten. Schließlich gilt: Je freier der Mensch in Bezug auf seine eigenen Verhältnisse, um so ungezwungener klingt auch sein Lachen.

Wem das Lachen vergeht
So wie es das dümmliche Lachen gibt, dem jede Albernheit gelegen kommt, so gibt es natürlich auch Dinge, die schon nicht mehr komisch sind, obwohl sie dem Publikum als "komische Darbietung" verkauft werden.
Ein Sarkasmus hat manchmal die Eigenschaft, daß einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Man findet solche "Späße" bald nicht mehr lustig. Ähnlich geht es dem Publikum auch bei einem Bajazzo. Dieser handelt im Grunde gegen sein eigenes inneres Empfinden. Sein Lachen ist maskenhaft und unnatürlich. Eine andere, höchst verwerfliche Darstellung finden wir auch bei den heute in minderwertigen Kriminalfilmen verwendeten Clownsmasken. Diese Zweckentfremdung einer ansonsten komischen Figur ist ein übelster, kulturfeindlicher Zynismus.

Der wahre Clown
hingegen ist das Enfant terrible der dramatischen Kunst. Er muß ein Gespür für die Komik haben. Denn er sagt, was er denkt. Und er muß das Wesentliche einer Sache erkennen. Oft wirkt der Clown dabei ein bißchen umständlich und vielleicht sogar unfreiwillig komisch. Der Clown ist humorvoll und heiter. Und oft sind es harmlose, doch ehrliche Späße, mit denen er sein Publikum zum Lachen bringt. Höchste Kunst ist es indessen, wenn es ihm gelingt, die Wirklichkeit satirisch zu entlarven. Hier beginnt der eigentliche künstlerische Schaffensprozeß: Er zeigt, was "die Welt im Innersten zusammenhält", und er zeigt, was es Komisches in der Realität gibt, um es auf seine Art zu reflektieren. So sollte ein Clown, selbst wenn er lediglich mit elementarkomischen Mitteln und Situationen arbeitet, seine künstlerischen und ästhetischen Maßstäbe sehr hoch ansetzen. Denn oft erschließt sich die Komik erst aus der konkreten Situation. Schließlich ist der Humor keine absolute Größe. Man kann ihn beim Publikum nicht immer voraussetzen, und man kann ihn auch nicht einfordern. Er hat seine historischen Wurzeln, er setzt Interessengleichheit voraus, und er verlangt zudem eine gewisse Intelligenz.

P.S. Fast hätte ich's vergessen: ein Kinderlachen ist das unschuldigste von allen. Es ist von Sorgen frei und ohne Arglist... und es ist - so wie R. Schernikau schreibt - die gelungene Erkenntnis, daß etwas nicht stimmt - die Wirklichkeit. (G.J.)


* Georg Wilhelm Hegel, Ästhetik, Bd. I, Aufbau-Verlag, Berlin - Weimar 1965, S. 552

Donnerstag, 24. September 2009

Der Herbst









Es gibt nichts schöneres, als dieses Gedicht, zumal Peter Hacks ein nicht nur poetischer, sonder auch kluger und den Zeitgeist wohl erfassender Kopf war. Dieses Lied lernten wir in der Schule. Es sei hier genannt, weil gerade seine Unbeschwertheit und Fröhlichkeit dem Wesen eines Clowns entsprechen. Und so bin ich:

Der Herbst steht auf der Leiter

von Peter H a ck s

Der Herbst steht auf der Leiter
Und malt die Blätter an,
Ein lustiger Waldarbeiter,
Ein froher Malersmann.

Er kleckst und pinselt fleißig
Auf jedes Blattgewächs,
Und kommt ein ein frecher Zeisig,
Schwupp, kriegt der auch ´nen Klecks.

Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
Die anderen Bäume färbste,
Was färbste nicht mal mich?

Die Blätter flattern munter
Und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.

Die Natur ist eben (fast) immer schön!!!

Mittwoch, 23. September 2009

Mein Credo

Meine Lebenswahrheit heißt Wirkung; Wirkung auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Hegel sagt: "Glücklich ist derjenige, der sein Dasein seinem besonderen Charakter, Wollen und Willkür angemessen hat und so in seinem Dasein sich selber genießt." Das bezeichnet der Philister als Egoismus. Aber Feuerbach sagt: "Ich verstehe unter Egoismus die Liebe des Menschen zu sich selbst, d.h. die Liebe zum menschlichen Wesen, die Liebe, welche der Anstoß zur Befriedigung und Ausbildung aller Triebe und Anlagen ist, ohne deren Befriedigung und Ausbildung er kein wahrer, vollendeter Mensch ist und sein kann."

Denn Kunst ist meinem Offenbarungsdrang Natur, durch meine subjektive Betrachtungsweise gefiltert. Man muß, das bestätigen die Kollegen, auf den Proben dabeigewesen sein, um dieses Credo zu verstehen. ...

Der Regisseur

hat seine Vision als Kontur, aber die Farben bringt ihm der Schauspieler. Das ist ein gemeinsames Abenteuer in jeder Probe, in der der "Realisateur" alle inneren Kräfte der Darsteller mobilisiert und herausholt, was in ihnen ist, um mit dem Ergebnis "einem größeren Geist in Ehrfurcht und Bescheidenheit zu dienen".

Diese "Malerwerkstatt" wird Seufzer hören, harte, vielleicht auch laute Worte, aber unproduktive Auseinandersetzungen wird es nicht geben. Das Fundament aller künstlerischen Arbeit ist Disziplin. Oft muß der Regisseur viele Persönlichkeiten auf einen Nenner bringen. Stanislawski sagt ganz klar dazu: "Ohne militärische Strenge ist hier kaum Ordnung zu halten." Und "Stellen Sie sich vor, was geschehen würde, wenn es dem Regisseur nicht gelingen sollte, die Zügel in die Hand zu bekommen ... Ordnung und Aufmerksamkeit des ganzen Kollektivs zu verlangen." Stilprägendes Schaffen ist nur so erfolgversprechend. Dixi!

Martin Hellberg, Im Wirbel der Wahrheit, Berlin 1978, S. 355f.

Der politisch engagierte Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Martin Hellberg (*31.1.1905 in Dresden + 31.10.1999 in Bad Berka) wurde in der DDR insbesondere durch den Film "Lotte in Weimar" bekannt, in dem er neben Lilli Palmer die Rolle des Geheimrats von Goethe spielte. An der Seite von Klaus Maria Brandauer spielte er in dem Film "Mephisto" die Rolle des Max Reinhardt.

Albert E i n s t e i n - Menschheit wohin?

Der Mensch kann seinem Leben, kurz und bedroht wie es ist, nur dadurch Sinn geben, daß er sich der Gesellschaft widmet.

Die ökonomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels. Wir sehen vor uns eine riesige Gemeinschaft von Erzeugern, deren Mitglieder unaufhörlich bestrebt sind, einander die Früchte ihrer kollektiven Arbeit zu entziehen - nicht mit Gewalt, sondern alles in allem in getreuer Einhaltung der gesetzlich etablierten Regeln. In dieser Hinsicht ist es wichtig, zu realisieren, daß die Produktionsmittel - d. h. die ganze produktive Kapazität, die für das Produzieren von Verbrauchsgütern wie auch zusätzlichen Investitionsgütern erforderlich ist - juristisch gesehen Privateigentum von Einzelnen sein können und das größtenteils auch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß es nur einen Weg gibt, dieses Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem einzuführen, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert.


Man can find meaning in life, short and perilous as it is, only through devoting himself to society.

The economic anarchy of capitalist society as it exists today is, in my opinion, the real source of the evil. We see before us a huge community of producers the members of which are unceasingly striving to deprive each other of the fruits of their collective labor not by force, but on the whole in faithful compliance with legally established rules. In this respect, it is important to realize that the means of production - that is to say, the entire productive capacity that is needed for producing consumer goods as well as additional capital goods - may legally be, and for the most part are, the private property of individuals.

I am convinced there is only one way to eliminate these grave evils, namely through the establishment of a socialist economy, accompanied by an educational system which would be oriented toward social goals.

Albert E i n s t e i n - Why socialism? (1949)

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/science/einsteinjahr2.html

Wie Präsident Obama gestern gesagt hat: Wir brauchen eine Wirtschaft im Dienst des Menschen. Genau, Obama, und das heißt Sozialismus. Obama, komm zum Sozialismus, wir laden dich ein auf die »Achse des Bösen«.
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez vor der UN-Vollversammlung in New York. Hahaha!

Montag, 14. September 2009

Lachen hilft NICHT !

Viel ist schon geschrieben worden über das Lachen. Doch nur weniges davon macht uns die Sache wirklich klarer. So fordert ein Schweizer "Lachclub" die Politiker, die Behörden und die Unternehmer beispielsweise dazu auf, uns wieder vermehrt Anlaß zu Freude und Heiterkeit zu geben, da die negativen Schlagzeilen "große Verunsicherung und Ängste in der Bevölkerung" auslösten, denen man mit Lachen entgegenwirken müsse. Dieser Vorwurf greift zu kurz. Das ist ungefähr so, als wollte man Unkraut mit Musik bekämpfen. Allein die Politiker sind nicht schuld, wenn es - sagen wir mal - in der Schweiz keinen Grund zur Freude gibt. Die Ursachen dafür liegen tiefer. Sie liegen in der Ökonomie, d.h. sie liegen ganz allgemein in den gesellschaftlichen Verhältnissen. Für das Lachen gibt es eben KEIN Rezept, und auch ein Yogakurs hilft da nicht weiter. Richtig ist freilich, wie es im Text heißt, daß "das Lachen auf Kosten anderer, wie es leider in vielen Comedyshows verbreitet ist, nach unserer Meinung nicht gefördert werden soll."

Nun kann man über das "Lachen an sich" denken wie man will. So hat jedes Lachen seine eigene, ganz konkrete Bedeutung. Es bezieht sich immer auf eine konkrete Situation. Es hängt ab von den jeweils beteiligten Personen, und es hat immer einen bestimmten Grund. Unmotiviertes Lachen hat mit Humor nichts zu tun. Es ist sinnlos. Man könnte ebenso den ganzen Tag lang "eeeeh" sagen, die Mundwinkel nach oben ziehen, und auch hier wird Serotonin produziert, was leicht verwechselt wird mit einem Zustand der Heiterkeit. Doch dafür fehlt jegliche Veranlassung. Lachen ohne Grund ist nur Grimasse. Richtiges, echtes, aufrichtiges Lachen hingegen ist ein Ausdruck von Lebensfreude. Und die kann man auch mit einem aufgesetzten Lachen nicht wieder zurückbringen, wenn die Umstände nicht danach sind.

Andererseits gibt es aber auch ein Lachen, welches bei allen ehrlichen Menschen Abscheu und Verachtung hervorruft, weil es von finsteren Motiven durchdrungen ist. Es ist ein böses, ein menschenverachtendes Lachen!

Wie ist das gemeint? Dieser hier - der lachende Mann - war ein (deutscher) Söldner, ein Massenmörder. Er wurde dafür nie verurteilt. Solange er und seinesgleichen, seine Hintermänner und Auftraggeber noch zu lachen haben, gibt es in der Welt keine Gerechtigkeit. Und ohne diese Veränderung ist das Lachen der anderen nicht frei. (G.J.)

...some red plastic noses


Yes, I have some red plastic noses too. What shall I do with them?

No mundo são consumidos anualmente 500 biliões de sacos de plástico, os quais levam em média 500 anos a degradarem-se. “Em Portugal, levamos, anualmente, para casa mais de duas mil toneladas de sacos distribuídos ou vendidos nos super e hipermercados, bem como no pequeno comércio", refere em comunicado o Ministério do Ambiente. Em cada loja é nos oferecido mais um saquinho de plástico, que constitui um meio barato de publicidade para quem o distribui, mas com um enorme peso ambiental que não podemos ignorar.

Podemos até reutilizar e reciclar os sacos de plástico mas apenas uma percentagem muito ínfima chega à reciclagem. E o facto de usarmos os sacos de plástico para colocar o nosso lixo, faz com que estes acabem o seu ciclo de vida em aterros, quando não voam e se encontram espalhados por todo o lado. Muitos vão parar ao mar colocando em risco as espécies marinhas.

In the world annually there are consumed 500 billions of plasticbags, which have an expiry time of more than 500 years. "In Portugal, we annually take home more than two thousand tons of plasticbags distributed or been sold by super- and hypermarkets, as well as in the small commerce", it was communicated by the Ministry of the Environment. In each shop is offered one more small sac of plastic, which constitutes a cheap way of publicity for the one who distributes, but with an enormous environmental weight that we cannot ignore.

We should re-use and recycle these bags of plastic, but only a very lowest percentage reaches the recycling. And instead of using these bags of plastic and put them into our garbage, they finish their cycle of life in landscape, if they don't fly away and spread in the see. People must stop putting them where ever thea want, because of the risk of animals in the sea.

from http://www.caminhodecabras.com/content/blogsection/5/31/

Dienstag, 8. September 2009

Der Wert des Sports

Kleindenkendorf (ko). Nach einem peinlichen Auftritt im Olympia-Stadion hat die Kleindenkendorfer Elf Charakter gezeigt und mit einem energischen Spiel den zweiten Saisonsieg eingefahren. Das 8:0 gegen den Kreis-Kontrahenten aus Meisterfelde war dabei der erhoffte Befreiungsschlag. Schon in den vergangenen Partien wurde deutlich, dass die Talente des BFV zwar offensiv gut aufgestellt sind, aber einfach zu viele Tore kassieren. Das Hauptaugenmerk galt daher zunächst der Abwehrorganisation, denn man wollte gegen die bisher wenig durchschlagskräftigen Gäste nicht wieder einem Rückstand hinterherlaufen. Mit den entsprechenden Anreizen sei alles möglich, so der Coach der Sieger-Elf. Hier zeigt sich wieder, dass der Sport eine sinnvolle Alternative zu Schule und Studium ist. Das beweisen auch die Vergleichszahlen anderer befreundeter Länder wie der USA (s.Tabelle), wo der Fottbol schon immer die ihm gebührende Anerkenung erfährt.

Sonntag, 30. August 2009

Ich wäre gern weise









Правда, я ещё могу заработать себе на хлеб,
Но верьте мне: это случайность. Ничто
Из того, что я делаю, не даёт мне права
Есть досыта.
Я уцелел случайно. (Если заметят мою удачу — я погиб.)

Мне говорят: — Ешь и пей! Радуйся, что у тебя есть пища!
Но как я могу есть и пить, если
Я отнимаю у голодающего то, что съедаю, если
Стакан воды, выпитый мною, нужен жаждущему?
И всё же я ем и пью.


Я бы хотел быть мудрецом.
В древних книгах написано, что такое мудрость.
Отстраняться от мирских битв и провести свой краткий век,
Не зная страха.
Обойтись без насилья.
За зло платить добром.
Не воплотить желанья свои, но о них позабыть.
Вот что считается мудрым.
На всё это я не способен.
Право, я живу в мрачные времена.

(Бертольт Брехт)








Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt,
bin ich verloren.)

Man sagt mir: Iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.


Ich wäre gern auch weise.

In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
WIRKLICH, ICH LEBE IN FINSTEREN ZEITEN!


(Ber tolt B r e c h t)

Donnerstag, 27. August 2009

Für mich....

...ist Glück ein Zustand höchster Zufriedenheit mit den Dingen, mit Situationen, Beziehungen usw., der sich mit der Freude darüber mischt, das im Leben Ersehnte, Erstrebte oder Erkämpfte erreicht zu haben. Und darin widerspiegelt sich natürlich auch meine Vorstellung, die ich mir vom Sinn des Daseins mache. Dieser Sinn ist weder käuflich, noch fällt er einem in den Schoß. Gebunden ist ein sinnerfülltes Leben allerdings an produktive Arbeit und die daraus resultierende Anerkennung meiner Leistungen.

Schließlich ist das Glück des einzelnen auch аbhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen, unter denen er lebt. Seine gesellschaftliche Stellung und von die daraus erwachsenden Möglichkeiten, seine persönlichen Interessen zu verwirklichen, haben entscheidenden Anteil an einem glücklichen und sinnerfüllten Leben. (G.J.)

Для меня счастье - это состояние наивысшего удовлетворения с вещями, ситуациями, отношениями и т.д., которое вмешивается с радостью по поводу того, чтобы я достигал ожидаемые, стремившие или добитые дела в моей жизни. И там, конечно, отражается также мое представление, которое я берусь от смысла существования. Этот смысл ни продается, ни получаешь в подарок. Однако, связкам наполненная смыслами жизнь является в производительную работу и следующее из этого признание моих услуг.

Счастье отдельного зависит от общественных отношений, при которых он живёт. Его общественное положение, его классовая принадлежность, и вытекающие из этого возможности, чтобы он может осуществлять свои личные интересы, имеют решающее значение для счастливой и смыслы-наполненной жизни. (G.J.)

Dienstag, 25. August 2009

Vom Glück

Wir hatten sehr wenig zum Leben, fast nichts - aber empört hätten wir von uns gewiesen, daß wir "arme Leute" seien. Wir waren keine "armen Leute". Wir brauchten weder Mitleid noch Wohltätigkeit. Das hätte uns angewidert, denn wir waren glücklich. Glück haben, das kann heißen, daß man Erfolg hat, daß alles Unternommene gut ausgeht, daß glückliche Umstände das Leben leicht machen, daß man verschont wird. Aber solcherart war unser Glück nicht. Wir wurden nicht verschont, und leicht wurde es uns nicht gemacht , auch Erfolg mit der daraus strömenden Geldfülle hatten wir nicht im geringsten. Gewiß hätten wir viele Wünsche haben können, aber wir verschwendeten an unerfüllbare Wünsche keine Kraft. Wir halfen uns, so gut wir konnten, und aus der Erkenntnis der großen allgemeinen Situation nahmen wir die unsere hin. Wir waren glücklich, denn wir lebten so, wie wir es für richtig fanden. Alles was wir taten, taten wir mit ganzem Herzen und mit aller Kraft, aus unserem eigenen freien Willen.

Wie wir dachten, so handelten wir. Und wie wir dachten und handelten, so wollten wir auch malen und zeichnen. Unser Leben sollte ganz klar und eindeutig und eins sein. So lebten wir, und deshalb waren wir glücklich, und das "Haben" spielte bei uns keine Rolle. Wir haben niemals den geringsten Neid empfunden, wie wir Luxus und Eleganz sahen. Unser Leben war von uns geformt und gewollt. Wie viele Menschen können das von ihrem Leben sagen?

Lea Grundig, Gesichte und Geschichte, Dietz Verlag Berlin, 1958, S. 137f. Bild: Hans Grundig - Bildnis Lea Grundig, Öl, 1928.


Lea Grundig (1906-1977) war eine bedeutende Malerin und Graphikerin. Sie kämpfte an der Seite ihres Mannes Hans gegen den Faschismus. Mit knapper Not entkam sie den faschistischen Henkern.
siehe auch: Ossietzky 19/2009

Mittwoch, 19. August 2009

Der Philosoph

Eines Tages gesellte sich ein Philosoph zu uns. Er kam aus dem Hechtviertel, und war ein armer Teufel. Mit übermäßig großem Kopf, weichlich und rund von Gliederbau, erschien er uns wissend und weise. Immer trug er Bücher in der Tasche, uns unbekannten Inhalts. Seine Rede war dunkel und verworren, obwohl er sich in jedem zweiten Wort auf Logik stützte. Wir hörten ihm gern zu, seine weiche, leise Stimme umhüllte uns und führte uns in unbekannte weltweite Fernen. Er wollte uns zu seinen Jüngern machen, zu "All-All"-Menschen, den Weisen und besonderen des Menschengeschlechts. In langen nächtlichen Spaziergängen über die Loschwitzer Höhen hinaus sprach er herrliche Gedichte Hölderlins und Rilkes. Sie berauschten uns, und träumend schritten wir durch die nächtliche Landschaft. (...)

Allmählich gingen unsere Wege auseinander. Viel später sah ich ihn als dickhintrigen SA-Mann herumlaufen. Das also war seine real gewordene "All-All-Vorstellung" vom besonderen Menschen. Später habe ich noch viele Spielarten von "Idealisten", Anarchisten und sonstigen Weltverbesserern kennengelernt. Viele von ihnen gingen einen ähnlichen Weg und wurden zu Faschisten in der Zeit, da es in Deutschland am finstersten war.

Hans Grundig, Zwischen Karneval und Aschermittwoch - Erinnerungen eines Malers, Dietz Verlag Berlin 1986, S.63 f.

Dienstag, 11. August 2009

Dramaturgie der Pantomime

Как создается сценарий, предложим, начинающим драматургом?
Выписав основу (событийно-действенный ряд), драматург немедленно устремляется в погоню за максимально точным описанием атмосферы будущего зрелища. Ведь атмосфера - это принципиально важно! И вот уже мучительно ищутся слова для выражения того, что потом - в спектакле - не потребует ни единого слова. Драматург пытается найти образы, которые помогли бы читателю хоть немного сделается зрителем уже сейчас, немедленно, в процессе чтения. Он трепетно и скрупулезно описывает словами, как характер его героя выявляется через характер пластики, как в кульминационный момент герой вытягивается, устремляясь вверх, замирает и делает глубокий и медленный вход, подобно могучей птице перед полетом. И уже начинает рождатья, зреть та трепетная атмосфера, которую он, драматург, ясно видит, чувствует, ощущает...

(Илья Рутберг, Пантомима - движение и образ, М. 1981, стр.41)

Wie entsteht ein Drehbuch? Wаs schlagen wir dem künftigen Dramaturgen vor?
Nachdem wir die Grundlagen aufgeschrieben haben, d.h. den Handlungsablauf, beginnt der Dramaturg sofort mit einer möglichst genauen Beschreibung der Atmosphäre des künftigen Schauspiels. Die Atmosphäre ist von außerordentlicher Bedeutung! Es werden in mühevoller Kleinarbeit die passenden Worte für jenen Ausdruck gesucht, der später - in der Vorstellung - unter völligem Verzicht auf Worte dargestellt werden soll. Der Dramaturg versucht, Bilder dafür zu finden, die einem Leser geholfen hätten, sich schon beim Lesen ein wenig wie ein Zuschauer in der Vorstellung zu fühlen. Minutiös beschreibt er mit Worten, wie sich der Charakter seines Helden im Bild darstellt, wie sich der Held zum Höhepunkt der Handlung hin streckt, wie er sich nach oben wendet, innehält und tief und langsam einatmet, ähnlich dem mächtigen Vogel vor dem Flug. Und es beginnt schon, jene scheue Atmosphäre heranzureifen, die er, der Dramaturg, klar sieht, fühlt und empfindet...

(Ilja Rutberg, Pantomime - Bewegung und Darstellung, Moskau, 1981, S.41 russ.)

Sonntag, 9. August 2009

...........Wohin zieht ihr?

Wenn ihr erkennen würdet, wohin ihr geht
Würdet ihr haltmachen.
Wenn Ihr wissen würdet
Was mit Euch geplant ist
Würdet Ihr euch umschauen.

Wißt, daß ihr eure Lage verbessern könnt!

(Brecht)

Donnerstag, 6. August 2009

Том Беллинг - Tom Belling

В цирке Ренца служил артист, американец Том Беллинг. Слу­жил он на амплуа клишника («человек без костей»). Так как но­мер его был очень короткий, то его почти не ставили на про­грамму, и Том исполнял только обязанности униформиста. Был он хорошим товарищем и еще лучшим собутыльником. Так слу­жил он в цирке, не выступая самостоятельно на манеже не­сколько лет. Однажды Ренц обратил на него внимание и поинтересовался его специальностью. Беллинг сказал, что он клишник. Ренц рассмеялся, так как при почти ежедневной выпивке Том приобрел порядочный животик. — Хорошо, — проговорил Ренц, — скажите режиссеру, что­бы поставил вас на программу. Я хочу видеть, как вы будете гнуться. Беллинг растерялся. Пошел в уборную, попытался сделать номер, — ничего не вышло. Дома после спектакля стал трениро­ваться и так натер себе нос, что он стал походить на помидор. Утром во время конной репетиции Ренц заметил его красный нос, решил, что он пьян, позвал режиссера и приказал ему по­ставить Тома Беллинга на следующий день на программу. Беллинг, узнав это, впал в уныние. Днем во время обедя в столовой артисты из сочувствия к нему наперерыв угощали его вином и пивом. Он так наугощался, что уснул тут же в столо­вой. Проснулся перед самым представлением, бросился в цирк. Шел уже первый номер программы. Том побежал в костюмер­ную. В коридоре его увидел Ренц, взял его за шиворот, посмо­трел на него и сказал: «Я иду в места для публики, если через две минуты я не увижу вас в униформе, то завтра вам не придется гнуться; так как я прикажу выбросить вас вон из цирка как щенка». Ренц дал ему подзатыльник, и Беллинг бросился к костю­меру за униформой. Костюмер увидел его красный нос, почув­ствовал, что от него разит, как от винной бочки, и сказал: «Бел­линг, вы же знаете, что по распоряжению дирекции пьяным уни­форма не выдается. Я не хочу из-за вас лишиться места», — и захлопнул окно костюмерной; Беллинг побежал в уборную. Там в глаза ему бросилась чья-то униформа. Он быстро надел ее и побежал вниз. В это время на манеж выносили ковер. Ковер начали уже расстилать. Том хотел помочь товарищам, но так как хмель еще не прошел, то он споткнулся и упал. Он встал растерянно и начал в смущении стряхивать с себя опилки и тут только заметил, что рукава у него болтаются на пол-аршина. Оказалось, что он с перепугу надел на себя специально сшитую униформу артиста геркулеса Папи Бруно. Падение Тома Беллинга, костюм не по росту, взъерошенные волосы, красный нос вызвали комерический хохот публики. Том растерянный уходил за кулисы, а цирк кричал: «Браво, Август!.. Браво?..» Публика решила, что все это проделано нарочно и отнес­лась к Беллингу, как к Иванушке-дурачку. («Август» по-немец­ки соответствует нашему «Иванушке».) ... Судьба Тома Беллинга была решена.(Альперов, На арене старого цирка, 1936, Глава IV, с.89)

Tom Belling jun.
(1873 - 1934)

Im Zirkus Renz war der amerikanische Artist Tom Belling beschäftigt. Er war als Kontorsionist angestellt, als «Mensch ohne Knochen». Da seine Darbietung sehr kurz war, hatte man ihn nicht mit ins Programm genommen und ihm nur die Aufgabe eines Uniformisten übertragen. Doch Belling war ein guter Kollege und ein noch besserer Zechbruder. So blieb er einige Jahre im Zirkus, ohne selbst in der Manege auftreten zu können. Eines Tages jedoch interessierte sich Direktor Renz für ihn und fragte ihn nach seiner Spezialisierung. Belling erwiderte, daß er Kontorsionist sei. Renz lachte, da Belling vom beinahe täglichen Alkoholgenuß ein ansehnliches Bäuchlein bekommen hatte. "Gut," sagte Renz, "sagen Sie dem Regisseur, daß er Sie morgen ins Programm nehmen soll. Ich will sehen, wie Sie sich verbiegen." Das brachte Belling in ziemliche Verlegenheit. Er ging in die Garderobe und versuchte seine Darbietung einzuüben, doch nichts gelang ihm. Zu Hause nach der Vorstellung begann er, zu trainieren und er rieb sich dabei so sehr die Nase, daß sie rot wie eine Tomate wurde. Als Renz am nächsten Morgen während der Reiterprobe Tom Bellings rote Nase sah, nahm er an, daß dieser betrunken sei, und er wies den Regisseur an, Belling wieder aus dem Programm zu nehmen und erst am folgenden Tag einzusetzen. Belling war darüber sehr verunsichert. Doch aus Anteilnahme bewirteten ihn seine Kollegen zum Mittag mit Wein und Bier. Davon war Belling so erschöpft, daß er noch am Tisch einschlief. Erst kurz vor der Vorstellung wachte er auf und eilte zum Zirkus. Die erste Nummer des Programms hatte schon begonnen. Belling rannte in die Garderobe, als Renz ihn erblickte und am Kragen packte: "Ich gehe jetzt auf meinen Platz ins Publikum, und wenn ich Sie nicht in zwei Minuten in Uniform sehe, dann brauchen Sie sich morgen nicht mehr zu verbiegen. Ich werde Sie wie einen Hund aus meinem Zirkus werfen."

Er gab ihm einen Stoß, und daraufhin rannte Belling zum Gewandmeister, um sich eine Uniform zu holen. Dieser sah seine rote Nase und bemerkte, daß er voll wie ein Weinfaß war. Er sagte nur: "Belling, Sie wissen, daß an Betrunkene keine Kostüme ausgegeben werden. Ich will Ihretwegen nicht entlassen werden." Belling rannte daraufhin in die Garderobe. Dort zog er sich irgend jemandes Uniform an und eilte in die Manege, wo man schon begonnen hatte, den Teppich auszurollen. Belling wollte seinen Kollegen noch helfen, doch er stolperte und fiel hin. Verwirrt stand er wieder auf, versuchte sich zu schütteln, wobei er bemerkte, daß die Ärmel halb abgerissen waren. Es war die speziell genähte Uniform des Kraftakrobaten Papa Bruno. Das Hinfallen Bellings, sein viel zu großes Kostüm, die strubbeligen Haare und seine rote Nase riefen beim Publikum ein homerisches Gelächter hervor. Belling ging verwirrt in die Kulissen ab, doch der ganze Zirkus schrie: "Bravo August! Bravo!" - (...) Damit war das Schicksal Tom Bellings entschieden.

(Alperow, In der Arena des alten Zirkus, M. 1936, Kap. IV, S.89 russ.)

Tristan R é m y - Clowns Entrées

Vergeblich wird man eine Sammlung von Clowns-Entrées suchen. Niemand hat sich der Mühe unterzogen, die Personen, die Antworten, die szenischen Spiele und die Lazzi zu notieren, die einer Form des Theaters angehören, die vielleicht einmal verschwinden wird - wie auch der Zirkus selbst, ohne dessen Rahmen sie ihre Daseinsberechtigung verlieren würde.

Mit dem Aussterben der "großen Familien", die von Generation zu Generation Akrobaten, Clowns und Kunstreiter hervorbrachten und die das Können aller ihrer Mitglieder verwendeten und so das Entstehen ganzer Schauspiele sicherten, steht zu befürchten, daß das Clowns-Repertoire allmählich in Vergessenheit gerät. Menschen zum lachen zu bringen ist ein Handwerk mit verschiedenen Techniken. Die Artistenkinder, die seit ihrer frühesten Jugend in Kontakt mit der Familienmannschaft stehen, werden ganz natürlich die bewährtesten Techniken wieder aufnehmen. Sie wissen, "was zieht" und "was die Leute kalt läßt". Viele Clowns, die heute als Amateure in den Zirkus gekommen sind, haben ihr Handwerk vom Zufall und ohne den Geist der Tradition gelernt. Wie sollen sie auch so ohne weiteres die beruflichen Qualitäten ihrer Vorgänger haben können, die von einem Meister ausgebildet waren, der mit dem Instinkt des Stammes die Unterschiede von Gesten, von Posen und Situationen spürte und der es verstand, die Klippen zu vermeiden, die seine Väter schon zu umgehen wußten?

Tristan R é m y (Septmber 1962)

Quelle: Tristan R é m y, Clownnummern, Henschelverlag Berlin 1989, S.64.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Der Denkzettel

von Maxim Gorki

An einem Sonntagabend stand er, die Brust fest an das hölzerne Geländer gepreßt, auf der Galerie des Zirkus und sah bleich vor angespannter Aufmerksamkeit mit verzückten Blicken in die Arena, wo ein grellgekleideter Clown, der Liebling des Publikums, Purzelbäume schlug.
Der schlangenartig gelenkige Körper des Clowns, der in üppige Falten von rosa und gelbem Atlas gehüllt war, flimmerte in den verschiedensten Stellungen auf dem dunklen Hintergrund der Arena; seine Bewegungen waren bald leicht und anmutig, bald häßlich oder komisch; er hüpfte wie ein Ball in die Luft, schoß gewandt einen Purzelbaum, fiel auf den Sand nieder und rollte schnell dahin. Dann sprang der Clown wieder auf die Füße, stand kühn und selbstbewußt da, sah munter ins Publikum und erwartete seinen Beifall.

"Das ist er ... der Clown!" sagte der Mann mit dem Bart und fügte mit breitem Lächeln hinzu: "Ganz genau erkenne ich ihn ... obgleich er jetzt richtig angezogen ist..."
Der Knabe hörte diese Worte und sah den Mann mit der Zigarre, der inmitten der Arena stand und den Leuten in den roten Livreen, die dort beschäftigt waren, Anweisungen gab, scharf an. Das sollte der glänzende, gewandte Clown sein? Enttäuscht schüttelte der Junge den Kopf. Es mißfiel ihm, daß ein so wunderbarer Mensch sich wie ein gewöhnlicher Modeherr kleidete. Wenn er, Mischka, ein Clown wäre, würde er in dem grellen weiten Atlaskostüm mit Goldbesatz und mit der hohen weißen Mütze auf die Straße gehen. Und entschieden unzufrieden mit dieser unliebsamen Verwandlung des Artisten in einen ganz gewöhnlichen Menschen verließ Mischka den Zirkus.

Maxim Gorki, Die Kinder aus Parma, Berlin - DDR 1976, S. 31 ff.