Dienstag, 23. September 2014

WORLD CLOWNS CONVENTION 1991 Erinnerungen an Bognor Regis

Das erste große Internat. Clownsfestival, an dem ich teilnahm, war die "World Clown Convention" 1991 in Bognor Regis an der Südküste Englands. Ein kleines verschlafenes Nest, wohl weil es nur wenige Touristen gab. Zudem war das Wetter an der Küste recht windig, so daß den Spaziergängern die Hüte wegflogen. Auf einem freien Platz hatte man ein ziemlich großes Zirkuszelt aufgestellt. Insgesamt waren es etwa 700 Clowns aus aller Welt. Auch eine ganze Schiffsladung buntgekleideter Amerikaner, einer schöner als der andere. Ich war nicht der einzige deutsche Clown. Ein paar Kollegen aus Hamburg, an deren Namen ich mich nicht entsinne, waren auch noch eingeladen. Ich weiß nur, daß sie sich während ihrer Vorstellung gegenseitig einseiften und eine Zuschauerin gleich mit. Ein schöner Spaß auf Kosten anderer...

Vehikel falsch geparkt

 Ich war damals mit dem Auto gekommen, per Schiff über den Ärmelkanal, und hatte als ich ankam gleich am nächsten Tag einen Strafzettel unterm Scheibenwischer, wegen falschen Parkens. Das war aber nicht weiter schlimm und blieb folgenlos. Die Polizisten werden sich wohl darüber gewundert haben, daß rechts kein Lenkrad zu erkennen war.

 Wir wohnten in einem gemütlichen Bungalowdorf nicht weit von Strand. Und es war schon lustig, wenn man jeden Tag irgendwelchen Clowns begegnen konnte, die kostümiert und mit Einkaufstüten in der Hand in unser Dorf zurückkehrten. Es gab eine große Clownsparade durch die Stadt, mehrere Vorstellungen für alle Altersgruppen und am Ende eine Galashow mit einigen ausgewählten Programmen. Ich freute mich, dabei zu sein, hatte auch einen guten Auftritt. 

Hauptpreis der World Clowns Convention 1991

  Als am nächsten Tag zur Sonntagsmatiné verkündet wurde, wer den Hauptpreis erhalten hatte, rief der Ansager im Zirkuszelt: "...and the winner is... CLOWN GERRIT from Germany!" - Ich war echt überrascht. Tatsächlich hatte ich den Hauptpreis von über 700 Clowns aus aller Welt erhalten. Das stand also nun in allen Zeitungen. Ich war der Held des Festivals Und irgendwer schickte mir viel später dieses schöne Bild.

Der Pfarrer mit der roten Nase

 Das kurioseste, was ich dann erlebte, war am Nachmittag ein Clownsgottesdienst in einer sehr schönen Kathdrale. Man hatte uns gesagt, wir sollten doch alle im Kostüm erscheinen. Und ich dachte dabei immerzu: Wann geht denn nun die Vorstellung los? Aber alle blieben brav auf ihren Bänken sitzen und der Pfarrer erschien im Talar - mit einer Clownsnase und hielt eine feierliche Ansprache. So etwas hatte ich noch nicht gesehen! So war das damals vor 23 Jahren in Südengland. Heute schreiben wir das Jahr 2014.

Nachlese viel später - am 24. September 2012

  Was findet man da nicht alles noch nach so vielen Jahren für nette kleine Erinnerungen! In seinem Blog "Thought for a week" schreibt Bruce 'Charlie' Johnson: 

 "Clowns frequently evaluate each other based on their appearance. In the hobby of competitive clowning, appearance is a major factor in awarding prizes. When I open a clown magazine I often form a first impression based on photos of the article's author or subject. (I have learned that first impression is not always correct.) Some people define a clown based solely on appearance. In their opinion if an entertainer does not look a specific way they are not a clown."

 "Clowns bewerten einander oft nach ihrem Äußeren. Bei dem Hobby der miteinander konkurrierenden Clownerie ist das Äußere ein Hauptfaktor bei der Verleihung von Preisen. Wenn ich eine Clown-Zeitschrift aufschlage, beruht mein erster Eindruck häufig auf den Fotos des Autors eines Artikels oder Beitrags. (Ich habe erfahren, daß der erste Eindruck nicht immer richtig ist.) Einige Menschen definieren einen Clown allein nach seinem Äußeren. Wenn ein Unterhaltungskünstler nicht danach aussieht, dann ist er ihrer Meinung nach kein Clown."

  Und dann schreibt Bruce über mich:
 
 "Ich lernte, mich nicht zu sehr auf das Äußere zu verlassen, als ich 1991 an der World Clown Convention in Bognor Regis, England teilnahm. Es war das erste Mal, daß ich an einer Clown-Bildungsveranstaltung außerhalb der Vereinigten Staaten teilnahm. Ich sah die Vorstellung von Clown Gerrit aus Deutschland. Er hatte nicht irgendein übertriebenes Make-up, aber er agierte sicher als Clown. Viele Menschen, mit denen ich sprach, meinten, er sei der beste Unterhaltungskünstler der Internationalen Europäischen Galashow." 

http://archive.constantcontact.com/fs028/1102365168822/archive/1111129380108.html


Nachbemerkung: Gleich am ersten Tag war aufgefallen, daß vor allem die US-Amerikaner mit ihren knallbunten Kostümen großen Wert auf Äußerlichkeiten legten. Ich halte nichts von derlei oberflächlichem Gehabe, noch viel weniger davon, auf Kosten anderer Leute sein Scherz zu treiben. 




Sonntag, 5. Januar 2014

...das Einzelne und das Allgemeine



Für das, was aus dem Menschen schließlich wird, 
bedeutet alles einzelne zunächst einmal nichts, 
und doch kann er von dem Augenblicke an, 
wo die Seele in ihm erwacht, keinen Schritt tun, 
der ihm nicht unnachsichtig angerechnet wird. 

                                                                                     (Adam Kuckhoff)

Dienstag, 17. Dezember 2013

Eine kleine Clownsmusik 2.0

Tja, lange ist er her, seit Clown Gerrit mit dem Degenhardt-Quartett auf Tour war zum Clownsfestival in Gera, zum Festival der Träume in Innsbruck, in Süddeutschland und dann natürlich in Greiz. Nun endlich ergab sich die Gelegenheit, erneut in Greiz aufzutreten. Das Hochwasser im Juni 2013 hatte fast die ganze Stadt überflutet. Besonders betroffen waren davon auch die kleinen Geschäfte in der Brückenstraße, wie hier die Buchhandlung Jäkel. So haben wir, der Geigenvirtuose Winfried Arenhövel und ich, uns kurzfristig entschlossen zu helfen. Eine kleine improvisierte Arena wurde aufgebaut, einige Stühle aufgestellt und fertig war der kleinste Zirkus Europas. Winfried führte einige Zauberkunststücke vor und las aus seinem neuesten Roman "Abenteuer mit Beno" und ich zeigte einige pantomimische Szenen und spielte ein bißchen auf meinem neuen Akkorrdeon. Natürlich kann ich nicht richtig spielen, nur eine kleine Melodie ... aber für eine Clownsnummer war das gerade richtig. Das Publikum amüsierte sich über unser kleines Programm, und am Ende konnten wir der Buchhandlung Jäkel sogar eine kleine Spende übergeben.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

DAK-Städtewettkampf 2013

Die fitteste Familie in Thüringen

Daß Clowns ab und zu auch mal um die Wette radeln müssen, zeigt die folgende kleine Geschichte:
 

Ministerin Heike Taubert zum Siegerfoto mit Familie Junghans. Absoluter Sieger im Radelwettbewerb der DAK war natürlich der Kleinste: "Ich habe die Sache für Euch gerissen!" - war sein  Kommentar...

Montag, 14. Oktober 2013

Смех советской клоунады


Тысячелетия существует клоунада у всех народов мира. Её знали и древний Китай, и Рим, и Египет, и Греция. Шутки и трюки, занимательные для публики, насчитывают сотни лет существования. Но только в Советском Союзе, после того как декрет В.И. Ленина объявился зрелищные предприятия РСФСР  достоянием госдарства, постепенно для комиков стали создавать письменный идейно направленный репертуар. Мне приходило говорить с артистами Америки, Франции; они откровенно завидуют такому положению дел. И по сей день циркачи в буржуазных странах предоставлены самим себе. Мудрено ли, что советский цирк с помощью государства занял первое место в мире по размаху, по богатсву спектаклей, по оснащенности всем необходимым и по продуманности всей системы организации дел а в десятках государственных цирков?

Im Vorwort zu der interessanten Sammlung weltbekannter Clownsreprisen schreibt der Herausgeber Wiktor Ardow: "Es ist nicht leicht, etwas derartiges zusammenzustellen und über viele Jahre hinweg alle möglichen Clownsnummern zusammenzutragen. Dafür müssen wir dankbar sein."

Clown Gerrit vor dem Zirkus in Tjumen


Sonntag, 13. Oktober 2013

Richard Wagner: Über die Freiheit in der Kunst


Richard Wagner (1813-1883) war einer der größten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Sein Werk weist trotz aller in ihm ungelösten Widersprüche weit über die Begrenzung seiner Epoche hinaus. Darüberhinaus befaßte er sich auch mit philosphischen Fragen. In seinem Traktat über "Kunst und Revolution" geißelt er mit scharfen Worten das "Elend des Handwerkertums" und die "Tagelöhnerei" in der Kunst. Die Bemühungen um eine realistische Aneignung seines Schaffens dauern noch immer an.
Mihail Eminescu (1850-1889): Richard Wagner
Klara Zetkin macht uns auf diese zeitgenössische Abhandlung Richard Wagners aufmerksam. Sie schreibt:
Nur wenn sich die Arbeit vom Joche des Kapitalismus befreit, nur wenn damit die Klassengegensätze in der Gesellschaft aufgehoben werden, nimmt die Freiheit der Kunst Leben und Gestalt an, kann der künstlerische Genius frei die höchsten Flüge wagen. Vor der Sozialdemokratie hat das ein Berufener im Reiche der Kunst erkannt und verkündet. Richard Wagner. Seine Abhandlung "Kunst und Revolution", bleibt ein klassisches Zeugnis dieser Auffassung. Dort heißt es: "Laßt uns aufsteigen von dem Elend des Handwerkertums mit seiner bleichen Geldseele zu dem freien künstlerischen Menschentum mit seiner strahlenden Weltseele; aus mühselig beladenen Tagelöhnern der Industrie wollen wir alle zu schönen, starken Menschen werden, denen die Welt gehört, als ein ewig unversiegbarer Quell des höchsten Genusses." 

Klar zeigte Wagner auf die Wurzel hin, aus der "das Elend des Handwerkertums"  emporwächst, die "Tagelöhnerei der Industrie". Hören wir ihn: "Solange in einem Volke alle Menschen nicht gleich frei und glücklich sein können, müssen alle Menschen gleich Sklaven und gleich elend sein." Wagner antwortet auch unzweideutig auf dei Frage, wie die gleiche Sklaverei für alle überwunden, wie ein freies, künstlerische Menschentum für alle erblühen könne. Er sagt: "Der Zweck der geschichtlichen Entwicklung ist der starke Mensch, ist der schöne Mensch: die Revolution gebe ihm die Stärke, die Kunst die Schönheit."

Aus dieser Äußerung geht – nebenbei bemerkt – hervor, daß der schöne und starke Mensch, den Wagner ersehnte, nicht die vielberufene "Persönlichkeit" des Individualismus ist, nicht die blonde Bestie des Übermenschen, sondern die harmonisch entfaltete Persönlichkeit, die sich mit dem Ganzen untrennbar verbunden, die sich als eins mit ihm fühlt. Die Revolution ist die Tat der Massen, und die höchste Kunst wird immer Ausdruck geistigen Massenlebens sein. 

Wir wissen, daß die soziale Revolution, welche mit der Arbeit auch die Kunst befreit, das Werk des kämpfenden Proletariats sein muß. Aber das kämpfende Proletariat reicht der Kunst mehr als diese Zukunftsverheißung. Sein Ringen, das Bresche auf Bresche in die bürgerliche Ordnung legt, bahnt neuen künstlerischen Entwicklungsmöglichkeiten die Wege und verjüngt die Kunst durch einen neuen Gedankeninhalt, der über das geistige Leben der bürgerlichen Ordnung hinausreicht und künftiges Menschheitsleben ist. 

Soweit Klara Zetkin in ihrem Vortrag über "Kunst und Proletariat", gehalten am ersten Künstlerabend des Bildungsausschusses der Stuttgarter Arbeiterschaft. Stuttgart 1921. Und nicht nur Klara Zetkin wußte, daß dies durchaus keine Utopie ist...

Sonntag, 28. Juli 2013

J.M.Swerdlow: Ein Künstler kann das DENKEN der Menschen aufrütteln.

Am 16. März 1919 starb, nur 33 Jahre alt, Jakow Michailowitsch Swerdlow. Vierzehnmal wurde er verhaftet, und allein sechs Jahre verbrachte er in den schlimmsten, entlegensten Gegenden Sibiriens in zaristischer Verbannung. Trotz alledem verstand er es, in den seltenen Stunden der Erholung, alle durch seine unbändige Lebensfreude mitzureißen und zu ermutigen. Als liebevoller Vater bemühte er sich, Frau und Kindern das schwere Leben in der sibirischen Verbannung erträglich zu gestalten. Swerdlow war ein außergewöhnlich geradliniger und standhafter Mensch. Wiederholt beschäftigte er sich auch mit Fragen der Kunst. Am 15. Februar 1915 schrieb er einem jungen angehenden Bildhauer:

Die allgemeinen Fragen des menschlichen Zusammenlebens müssen bei einem modernen intelligenten Menschen, wenn er auch nur etwas Fingerspitzengefühl besitzt, in den Vordergrund treten. Etwas anderes ist die Lösung dieser Fragen. Hier wird die Sache äußerst kompliziert ... Man kann die Kunst, was ihre Aussage, ihre Idee betrifft, verständlich und zugänglich machen, dadurch wird sie jedoch noch nicht erreichbar. Erst dann werden sich die Massen wirklich mit der Kunst bekannt machen, wenn sie genügend freie Zeit haben und ihre materielle Lage sich wesentlich gebessert hat, wenn sie nicht durch die Not niedergedrückt werden und ihre Gedanken sich nicht ausschließlich um das Stück Brot bewegen. Heißt das, daß die Kunst vorläufig für die Verbesserung des menschlichen Lebens nutzlos ist? Nein, das heißt es keineswegs. Ein Künstler, der ein, feines Gefühl für die Erscheinungen des Lebens hat, den ein anderes, leuchtendes, lichtes und frohes Leben für alle vorausahnt, vermag vieles. Unter den Neugestaltern des Lebens können die Künstler einen Ehrenplatz einnehmen. Unter welchen Bedingungen? Sie können das Denken weiter Kreise aufrütteln, sie können das Streben nach einem besseren Leben wachrufen. Und zwar auf zweifache Weise. Indem sie 'das Leben in all seiner Nacktheit' zeigen, werden sie Unzufriedenheit mit diesem Leben hervorrufen und das Streben, es zu verändern. Das gleiche kann der Künstler erreichen, wenn er dem antagonistischen Leben von heute ein harmonisches Leben gegenüberstellt. Für einen feinsinnigen Künstler gibt es viele Wege. Wichtig ist nur, daß sein Schaffen ein bewußes Schaffen ist. Alle Gespräche über eine Kunst für die Kunst sind unsinnig. Jede Kunst als ein Erzeugnis von Menschen ist ein Spiegelbild dieser oder jener menschlichen Umwelt. Das muß man gut verstehen.“ 

J.M.Swerdlow, Erinnerungen. Berlin 1965, S.267f. 

Dienstag, 19. Februar 2013

Lachen ist gesund…

„Hat man irgendeinen Nutzen erwirkt und irgend etwas Gutes getan, dann ist das ein Anlaß zu aufrichtiger Freude. Zurückblickend werden wir erkennen, daß sich unser Leben nur insoweit mit Sinn erfüllte, als wir etwas getan haben, das für andere direkt oder indirekt nützlich war.“ 

Mittwoch, 14. November 2012

In memoriam Reg Bolton, Clown (Australia)


















Reg Bolton - CLOWN   (1945-2006)

Say what you like about clowns – the opposite is also true.

"Agile enough to be clumsy, 
Quiet enough to be loud, 
Old enough to be childish, 
Humble enough to be proud... " 

 I wish I could tell you that my life was turned around by seeing a clown. I think I saw Coco, I know I saw Popov, I sat through Dimitri, I’ve seen Grock on film. I've smiled at Chaplin, and as for Joey Grimaldi and his oysters – I guess you had to be there!

I’ve enjoyed watching hundreds of clowns, but I have only ever experienced "deep clowning" from the inside – as a clown myself. I've been moved by the crowd. Nothing compares with the moment when the whole audience rejects common sense, and joins in the clown's folly, or when a child, totally involved in the act, Stands up and loudly explains to the clown how to solve his self-inflicted dilemma. On days like that, my heart soars, and I could clown forever.

But I have also experienced the terror and anxiety of clowning. Will they laugh? Will I get the trick exactly right? Did I go too far? What am I doing here? So, as I said, the opposites are both true. To be a clown is a fearsome curse - and an immeasurable blessing. Here are observations from clowns, philosophers, poets, artists and others. I hope they touch a chord with you. Please send me any of your favourites that I’ve missed. Perhaps there will be a Volume Two

 Reg Bolton Perth, Australia © 2003 www.circusshop.net

Kurz vor seinem Tod traf ich Reg bei einer Veranstaltung in Großbritannien. Dort entstand auch das Foto.
Weston-super-Mare, September 2003.

Donnerstag, 1. November 2012

Vorsicht, Schnappschuß!







Was ist das eigentlich?


Zufällig fand ich auf einer russischen Fotoseite diesen bemerkenswerten Schnappschuß von mir aus dem Jahre 2006 in Tjumen. Ein Kommentar dazu von GhostFish lautet:

название с юмором
особенно если знать, что этот клоун по имени Геррит - немец! :))) у меня есть его закулисный портрет... очень приятный человек, положительная энергия прямо исходит от него.

"Eine Überschrift mit Humor, besonders wenn man weiß, daß dieser Clown namens 'Gerrit' ein Deutscher ist :))) Ich habe sein Backstage-Porträt... er ist ein sehr angenehmer Mensch, gerade von ihm geht positive Energie aus."

Quelle: PhotoRegion
 http://www.photoregion.ru/details.php?image_id=19010