Samstag, 25. Februar 2017

Woher kommt das Lachen?

Man sollte meinen, daß alles was schlecht und niedrig ist, ins Lächerliche gezogen werden kann. Doch dem ist bei weitem nicht so. Erst wenn der Mensch einen gewissen Abstand zu den Ereignissen hat, ist er imstande, sich darüber zu amüsieren. Lächerlich ist es erst, wenn man nicht davon betroffen ist. Gesellschaftliche Widersprüche machen dem gründlichen Betrachter zunächst die Tragik der Situation bewußt. Tragisches wird also ernst genommen. Komisches hingegen dient bestenfalls der Belustigung. Man kann nur hoffen, daß es auch der Belehrung dienlich ist. Jurij Borew schreibt:

Komik der Situationen

Dort, wo ein gesellschaftlicher Widerspruch vorhanden ist, gibt es immer zwei miteinander im Kampf liegende Seiten. Eine der Seiten des Widerspruchs ist immer konservativ, schlecht und niedrig. Sie ist auch diejenige, die die objektive Grundlage für die Kritik und insbesondere auch für die Anwendung der Waffe des Lachens, für die besondere emotionale Kritik in sich enthält. 

Das Komische in der Wirklichkeit wird durch die gesellschaftlichen Widersprüche hervorgebracht. Das Komische in der Kunst ist das Resultat ihrer Erfassung der Darstellung: Ein gesellschaftlicher Widerspruch, wenn er nur irgendwie wesentlich ist, muß notwendigerweise wenigstens unentwickelte Elemente des Komischen enthalten. ...

Die Komik der Darstellung

Wirklich kann eine Handlung nur dann zutiefst komisch sein, wenn sie „mit vollem Ernst“ ausgeführt wird, wenn der Mensch seine eigene Komik nicht bemerkt. Das ist für die Schauspielkunst besonders wichtig.  Je ernster der Schauspieler sich zu den komischen Schicksalen seines Helden verhält, je tiefer er sich in ihn hinein versetzt und sich die gesamte Logik im Verhalten der Figur zu eigen macht, desto tiefer ist die Behandlung des komischen Wesens der Rolle.

Quelle: Jurij Borew, Über das Komische. Aufbau Verlag Berlin (DDR) 1960, S.103/ 125.

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