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Dienstag, 18. Oktober 2011

Quo vadis „Clown“ ?

Ein Ausblick auf das ENDE der Clownerie.

Wie in diesem Bild zu sehen ist, befindet sich die „Clownerie“ (oder was man dafür halten mag!) in einer Phase des Niedergangs. Sie ist nicht mehr die unbeschwerte, geistreiche und dabei vergnügliche Unterhaltung wie in ihren besseren Zeiten, und erst recht nicht mehr der ironische oder gar satirische Ausdruck eines irgendwie gearteten, kritischen Zeitgeistes. Kinder haben meist ein sehr sicheres Gefühl für Gut und Böse. Hier ist es so: Der „Clown“ mutiert zum Kinderschreck und die Komödie flacht ab zum inhaltsleeren Geplänkel. Nicht einmal die Kunst vermag mehr eine Vision davon zu vermitteln, wie künftige Generationen miteinander umgehen sollten. Es herrscht Verwirrung. Nicht nur das ist unerträglich! Und es ist so, wie Abraham Lincoln schon sagte:

„Man kann alle Menschen für einige Zeit zum Narren halten und einige Menschen für alle Zeit, aber man kann niemals alle Menschen für alle Zeit zum Narren halten.“ 

Das allerdings ist keinesfalls die „Schuld“ der Narren selber, sondern vielmehr das Ergebnis einer durch und durch morbiden Gesellschaft. Was auch heißt: Nicht nur Politiker, Ökonomen, Psychologen, Moderatoren und andere selbsternannte Experten sind mit ihrem „Latein“ am Ende, sondern auch Künstler, Maler, Theatermacher und – horrible dictu! – Clowns. Wo in aller Welt gibt es noch gute Clowns? Und wo in aller Welt gibt es noch Menschen, denen man das glauben kann, was sie tun? Das Gedächtnis der Menschheit für Lösungen schwindet dahin, und ein Gefühl von Machtlosigkeit breitet sich aus. Sinnvolles Handeln setzt Erkenntnisse voraus. Und die Erkenntnis fällt eben nicht NICHT vom Himmel. Oder sagen wir es einmal anders: Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt, ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.(MARX) Es ist die erlebte Wirklichkeit, die das Denken prägt. Erst dann setzt das bewußte Handeln ein. Allein die Musiker werden wohl alle Zeiten überdauern...

Montag, 11. Juli 2011

Ein guter Clown ist ein Spiegel seiner Zeit...

Wenn man bei "facebook" oder in anderen Netzwerken nachschaut, wird man eine Unmenge eigenartiger Gestalten mit bunt geschminkten Gesichtern vorfinden, die sich als "Clowns" bezeichnen. Wir finden diesen Begriff in allen Sprachen der Welt:

Clown مهرج Payasos Клоун Pallasso Klaun Klovn دلقک Klaŭno Badut Pagliaccio ליצן Bohóc കോമാളി Palhaço Klovni Palyaço



Doch was ist das eigentlich: ein Clown?  

Die Geschichte verweist uns auf zahlreiche Beispiele künstlerischer Einmaligkeiten, auf Darbietungen und Charaktere von unwiderstehlicher Komik und Ausstrahlung, die vom Publikum belacht und schließlich sogar verehrt wurden. Unvergänglich sind Namen wie Grimaldi, Debureau, Chaplin, Karandasch, Grock, Nikulin, Marceau, Popow und Polunin. Nicht immer waren es die buntbemalten Gesichter und die vielfarbigen Kostüme, von denen die größte Wirkung ausging. Es waren vielmehr diejenigen Akteure mit einem tiefen Verständnis für die Schönheiten und die Tücken ihrer Zeit, in welcher sie lebten. Sie vermittelten den Zuschauern das Gefühl, verstanden worden zu sein, was diese sogleich mit einem vielstimmigen Lachen quittierten. Ein Clown ohne Publikum ist nicht vorstellbar, wohl aber eine Wiese ohne Blumen. In dem Buch "Clown und Zeit" schreibt N.M.Rumjanzewa:

...geniale Clowns, die einer ganzen Zuschauergenera­tion als Symbol für die Clownkunst dienen könnten, gab es immer nur wenige. Ein Clown bietet keine neuen Ideen an, entdeckt keine Wahrheiten, aber seine Worte, ja sogar seine unausgesprochenen Gedanken versteht jeder. Und jedem von uns ähnelt er... Bei ihm versteht man alles. Nur eines nicht: Worin liegt nun eigentlich das Geheimnis seines Erfolges? Worin liegt das Geheimnis seiner Figur? Denn so ein Geheimnis gibt es. Die Zuschauer machen sich darüber natürlich keine Gedanken. Sie kommen in den Zirkus, um zu lachen und zu staunen. Auch die Kunstwissenschaftler haben sich lange keine Gedanken darüber gemacht. Auf den ersten Blick mag es seltsam anmuten, daß es Aufzeichnungen über die Arbeit von Clowns erst seit etwa hundertfünfzig Jahren gibt, nachdem die stationären Zirkusse eröffnet wurden. Hat denn die Kunst der Clowns wirklich erst im vergangenen Jahrhundert ernsthaftes Interesse ausgelöst?

Gute Clowns sind doch überdurchschnittliche. Schauspieler und waren immer beliebt. Clowns und Spaßmacher werden in Berichten über wichtige historische Ereignisse unter­schiedlicher Epochen, in Chroniken und Memoiren erwähnt, und sie scheinen auch gar nicht eine so einfache Rolle gespielt zu haben, wie wir uns das heute bequemerweise vorstellen möchten, das heißt so, als hätten sie die Würdenträger und Herrscher nur unter­halten. Es sind Fälle bekannt, in denen sich Monarchen mit ihren Hofnarren berieten und auf deren Intuition, Geist und Aufrichtig­keit ohne weiteres vertrauten. Dazu zwei aufschlußreiche Anekdo­ten: Als der neunjährige französische König Ludwig XIII. den Thron bestieg, meinte Kardinal Richelieu, nun brauche der junge König noch einen neuen Hofnarren, da er sich sonst in den Staats­geschäften schlecht zurechtfinden würde. Und Ludwig IX. ver­schob den Kreuzzug nach Ägypten um mehrere Stunden, da sich sein Hofnarr verspätete. »Wenn sich mein Hofnarr verspätet, be­deutet dies, daß die Zeit zum Aufbruch noch nicht gekommen ist«, erklärte er.
 

Zufällige Fakten, Kuriositäten und Launen der Großen dieser Welt? Aber ähnliche Fakten wiederholten sich allzu oft, um nur Zufälle sein zu können. Übrigens erzählt eine weitere Legende, als Ludwig XIV., der Sonnenkönig, ausrief: »Der Staat bin ich«, hätte sein Hofnarr schallend losgelacht, sich am anderen Tage ein kleines Häuschen gezimmert, eine Papiersonne über den Kopf gehängt und habe dann das Häuschen mit Füßen getreten. Der Staat bin ich, also tue ich, was ich will so legte er die Worte des Königs aus. Ludwig verstand das, lachte und sagte: »Und mein trefflicher Hof­narr ist der Spiegel des Staates.« Damit hatte er eines fast richtig getroffen: 

Ein guter Clown ist ein komischer Spiegel seiner Zeit.

Buch: Natalia Rumjanzewa, Clown und Zeit, Henschelverlag, Berlin 1989, S.7-8.

..Настоящих клоунов ... которые могли бы служить символом искусства клоунады для целого поколения зрителей, всегда мало. Клоун не предлагает новых идей, не открывает истин, и каждое его слово, даже невысказыванная мысль совершенно понятны. И он так похож на каждого из нас... В нём всё понятно. Кроме одного: в чем всё-таки секрет его успеха? В чём тайна маски клоуна? Тайна эта есть. Об этом слишком долго не задумывались искусствоведы. И зрители об этом не задумываются. Они приходят в цирк, чтобы смеяться.

На первый взгляд кажется странным, что записи о работе клоунов, статьи в прессе, имеющие искусствобеческую ценность, появились всего лет сто пятьдесят назад, после открытия стационарных цирков. Неужели только я прошлом веке (зн. в ХIХ. веке, G.J.) искусство клоунов стало взывать серьёзный интерес? Но почему?.. Ведь хорошие клоуны это незаурядные актёры. И клоунов любили всегда. Упоминания о клоунах встречаются в рассказах о важнейших исторических событиях разных эпох, в хрониках, мемуарах. И, похоже, они играли не только для развлечения вельмож и государей. Известны случаи, когда монархи советовались со своими любимцами, вполне доверяя их интуиции, уму и искрености. Любопытный факт: при выступлении девятилетнего французского короля Людовика ХIII. на престол будущий кардинал Ришелье сказал, что надо, чтобы у молодого короля был новый шут, иначе он не будет плохо разбираться в государственных делах. А Людовик IX Святой отложил крестовых поход в Египет на несколько часов из-за опоздани шута. Он сказал, что, если опаздывается его шут, значит, ещё не время выступать.

Случайные факты, мелочи, шутки, наконец, капризы великих мира сего, не так ли? Но такие факты слишком часто повторялись, чтобы относиться к ним только как случайностям. Кстати, ещё одна легенда рассказывает, что, когда Людовик XIV, Король-Солнце, воскликнул: «Государство это я», его шут громко захохотал. На другой день смастерил маленький домик и бумажное солнце. Солнце он повесил у себя над головой, а домик стал поддавать ногами. «Государство это я» значит, что хочу, то я и делаю. Так трактовал он слово короля. Людовик понял, засмеялся и добавил: «А вот мой славный шут это зеркало государства». Клоун это комическое зеркало времени. Так точнее было бы сказать сегодня.

Н.М.Румянцева, Клоун и время, М. "Искусство" 1989, стр.1-2.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Ein richtiger Clown...

Auch Karandasch bediente sich während seiner Vorstellungen verschiedener Tricks mit "selbstgebastelten" Requisiten:

...Это чисто бытовое, «сезонное» явление побудило и меня прихватить с собой в манеж фотоаппарат. Взяв футляр от фотоаппарата, я перекиныл его через плечо и со штативом вышел в манеж, как истый фотолюбитель. До определенного момента я, как и всегда, заполнял паузы в программе, временами напоминая зрителью о своем «фотоаппарате» тем или иным способом, хотя бы перешивал его с плеча на пелчо. Наконец, в удобный момент я ставил штатив, «приспособлял» на нем «фотоаппарат», раскрывал его – и получался крошечный столик, накрытый салфеткой, на нем солидная закуска. Выпив и закусив, я складывал аппарат и уходил за кулисы. Зритель хорошо принимал эту неприязательную шутку. (На арене советского цирка, Карандаш, М., 1977, с.57)

Eine reine "Saisonerscheinung" brachte mich einmal darauf, auch in die Manege einmal einen Fotoapparat mitzunehmen. Das Futteral vom Fotoapparat nahm ich ab, hängte ihn über die Schulter und mit dem Stativ lief ich in die Manege, wie ein richtiger Amateurfotograf. Bis zum bestimmten Moment füllte ich, wie auch immer, die Pausen im Programm aus, indem ich von Zeit zu Zeit begann, die Zuschauer mit meinem "Fotoapparat" in dieser oder jener Weise, selbst aufzunehmen. Endlich, an einem passenden Moment stellte ich das Stativ auf, darauf den "Fotoapparat", öffnete ihn und es kam ein winziger kleiner Tisch zum Vorschein, der von einer Serviette bedeckt war, darauf befand sich ein solider Imbiß. Ausgetrunken, und aufgegessen, legte ich den Apparat zusammen und ging in die Kulissen weg. Die Zuschauer haben diesen kleinen Scherz sehr wohl verstanden ...

Karandasch war eben ein sehr volkstümlicher Künstler!

Freitag, 26. Februar 2010

Карандаш об успехе клоуна

Хотя я часто шёл в поисках комического наугад, всё же моя стрельба по смешному, то есть по отжившему или отживающему в нашей жизни, нередко приводила к удаче, попадала в цель. Эти более или менее точные попадания давали мне возможность, объязнить трудности, которые встают перед артистом, работашщим в комеддийном жанре, и побуждали глубже теоретически осмыслить вопросы комического.

Частые неудачи нашего цирка в области клоунады оъязняются тем, что, создавая смешное, комики нередко оболабливают его том от жизни, забывают об окружающей действительности, исходят же из жизни, а из абстракного понимания смешного "вообще". Настоящий художник должен непременно наблюдать жизнь, подмечать смешное и достойное в самой жизни.

Изучение жизни и теоретическое осмысление проблемы комического - только на этом пути можно добиться подлинных успехов.

Карандаш - На арене советского цирка, Москва, Издательство "исскуство", 1997 г., стр. 119-120
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Obwohl ich bei der Suche nach dem Komischen häufig auf gut Glück das Treffendste fand, brachte mich nicht selten das Überlebte und Überlebende in unserem Alltag zum Ziel und führte mich zum Erfolg. Diese mehr oder minder genauen Treffer gaben mir dann die Möglichkeit, einmal die Schwierigkeiten zu erklären, die vor dem Künstler stehen, der im komischen Genre arbeitet, und sie regten mich an, die Frage des Komischen tiefer theoretisch zu durchdenken.

Die häufigsten Mißerfolge in unserem Zirkus auf dem Gebiet der Clownerie erklären sich daraus, daß die Komiker sich nicht selten vom Leben absondern, die umgebende Wirklichkeit vergessen, und anstatt von Leben selbst, von einem abstrakten Verständnis des Komischen "an sich" ausgehen. Ein wirklicher Künstler soll das Leben unbedingt beobachten, er soll das Komische und das Würdige im Leben bemerken.

Das Studium des Lebens und das theoretische Verständnis des Komischen - nur auf diesem Weg kann man zu echtem Erfolg gelangen.

Clown Karandasch - In der Arena des sowjetischen Zirkus, Moskau, 1977, S. 119f. ( russ.)

Dienstag, 9. Februar 2010

Das künstlerische Ideal

Das Elementare und Einfache kann leicht, allzuleicht in die Primitivität abgleiten. Das würde eine Aufhebung des künstlerisch-ästhetischen Ideals und damit eine Aufhebung der künstlerischen Gestaltung überhaupt bedeuten.

Nehmen wir den komödiantisch außerordentlich begabten Clown Tandarica (ein rumänischer Clown im Staatszirkus Bukarest, der in den 60er Jahren u.a. auch in Madrid zweifelhafte Erfolge feierte, G.J.) ... Er serviert als Kellner einem Gast Spaghetti. Aber da er betrunken ist, rutschen ihm diese vom Teller. Sie bleiben an seinen Schuhen kleben. Mit einem Besen kehrt er sie wieder auf den Teller zurück und serviert sie dem Gast.

An diesem Punkt hört trotz aller Begabung dieses Clowns die Kunst auf. Das künstlerische Ideal Tandaricas ist gleich Null. Trotzdem - und hier besteht die große Gefahr einer solchen verantwortungslosen Gestaltung - tobt das Publikum vor Lachen. Es gelingt Tandarica, das Publikum auf das primitivste Niveau hinabzuziehen. Auf ein solches Phänomen weist bereits Hegel hin: "Überhaupt läßt sich nichts Entgegengesetzteres finden als Dinge, worüber die Menschen lachen. Das Platteste und Abgeschmackteste kann sie dazu bewegen..."*

Quelle: Mario T u r r a , Das Lachen des Clowns, Berlin 1972, S.108
*Zitat: G.W.Hegel, Ästethetik, Bd.I, Aufbau-Verlag, 1965, S.552.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Why do I call myself a fool?

I think of the role of the fool in ancient times. The fool was the entertainer in th court, and kingdom. But another role was to tell the king or queen if they were about to make a big mistake. It was a risky business and might cost the fool his head, nut many others in the royal court were too afraid to even try.

So I hope I am a good entertainer and performer, but I also try to bring laughter to all I meet - waiters, cashiers in the grocery stores, at the post office, or people I meet and work with daily, or even strangers. By building a relationship, if only for a minute, it lets us both know we are humans and have Life in common.

I serve on several boards and commitees and I try to make the meeting more enjoyable and productive by the use of humor. I also am not afraid to ask a "foolish" question or make an observation I think will get the group to re-evaluate a decision they made or are about to make. Often just asking, "Why are we doing this?" can be enough to shift the focus of the conversation? Often the most important question is the one you did not ask! Would history be different? I think in our world today we need more "fools". People willing to do the foolish thing of saying" "Why are we doing this?" "We need to change what we are doing", or "We all have so much more in common with each other than we have differences."

Clem, The Fool.
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Ich denke an die Rolle des Narren in alten Zeiten. Der Narr war ein Unterhaltungskünstler am Hofe, im Königreich. Aber er hatte auch eine andere Aufgabe: er sollte den König oder die Königin darauf hinweisen, wenn sie im Begriff waren, einen großen Fehler zu machen. Es war eine riskante Angelegenheit, die den Narren seinen Kopf kosten konnte, und wovor viele andere am königlichen Hofe große Angst hatten, weshalb sie nicht wagten, es auch nur zu versuchen.

So hoffe ich, ein guter Unterhaltungskünstler und Darsteller zu sein. Aber ich versuche auch, all jene zum Lachen zu bringen, die ich gerade treffe - den Kellner, die Kassiererin im Lebensmittelgeschäft, in der Post, oder einfach Leute bei ihrer täglichen Arbeit, ja auch Fremde. Ich baue eine Beziehung auf. Und wenn es nur eine Minute ist, die uns beide wissen läßt, daß wir Menschen sind und gemeinsam ein Leben haben.

Ich agiere bei verschiedenen Ausschüssen und Komitees, und ich versuche, die Sitzung durch Humor angenehmer und produktiver zu machen. Ich habe auch keine Angst, eine "dumme" Frage zu stellen oder eine Beobachtung zu machen, von der ich denke, daß sie die Gruppe dazu bringt, eine Entscheidung neu zu überdenken, die sie getroffen hat oder im Begriff ist zu treffen. Oft frage ich auch nur: "Warum tun wir das?" das kann ausreichen, um den Focus des Gespräches zu ändern. Häufig ist die wichtigste Frage gerade die, welche nicht gestellt wurde! Wäre die Geschichte anders verlaufen? Ich denke, wir brauchen heute in unserer Welt mehr "Narren". Das sind Leute, die bereit sind, die dumme Frage zu stellen: "Warum tun wir das?" "Wir müssen das ändern, was wir tun", oder "Wir haben alle viel mehr Gemeinsamkeiten, als wir Unterschiede haben".

Clem, der Narr.

Quelle: Hospital Clown Newsletter, Vol. 12 No. 1, p.3
Foto:
www.albertalter.com
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Kann ein Lachen schon die Welt verändern? Nein das kann es nicht. Durch Humor läßt sich die Welt nicht verändern, sondern nur durch bewußtes, engagiertes und gemeinsames Handeln. Man kann sie mit Humor vielleicht ein wenig angenehmer gestalten - mehr aber auch nicht. Narren haben wir genug, aber es werden zu wenig Fragen gestellt. Und seinen Kopf wird auch Clem vermutlich nicht riskieren...

Montag, 11. Januar 2010

Как я стал клоуном

Наверное, чтобы идти в клоуны, нужно обладать особым складом характера, особыми взглядами на жизнь. Не каждый человек согласится бы на то, чтобы публично смеялись над ним и чтобы каждый вечер его били, пусть не очень больно, но били, обливали водой, посыпали голову мукой, ставили подножки. И он, клоун, должен падать, или, как говорим мы в цирке, делать каскады... И всё ради того, чтобы вызвать смех.
Чем лучше работает клоун, тем больше смеха.
В детстве, в школе, а потом уже в армии мне нередко приходилось, так сказать, придуриваться: делать вид, будто что-то не понимаю, задавать заведомо глупые вопросы, заранее зная, что они вызовут смех у окружающих.
Почему люди смеялись? Думаю, прежде всего потому, что я давал им возможность почувствовать свое превосходство надо мной. Поэтому мои неожиданные вопросы, ответы, действия и выглядели и смешными. Окружающие понимали, что сами они на подобное никогда не пошли бы. Рассказывая анекдоты, разыгрывая знакомых, я, как правило, сохранял невозмутимый вид, отчего юмор становился острее, лучше доходил.
(Юрий Никулин, Почти серьёзно, М.2004, стр.186)
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Wahrscheinlich muß man, um als Clown arbeiten zu können, über eine besondere Anlage des Charakters, über besondere Lebensauffassungen verfügen. Nicht jeder Mensch würde damit einverstanden sein, daß öffentlich über ihn gelacht wird, und daß man ihn jeden den Abend, wenn auch nicht heftig, so doch ein wenig verprügelte, mit Wasser bespritzte, den Kopf mit Mehl bestreute oder ihm ein Bein stellte. Und er als Clown fallen sollte, oder - wie wir im Zirkus sagen - eine Kaskade macht... Und das alles nur, um die Leute zum Lachen zu bringen. Je besser der Clown arbeitet, desto mehr Gelächter gibt es.
In der Kindheit, in der Schule, und auch später in der Armeen gelang es mir nicht selten, etwas so zu sagen, daß man den Anschein haben konnte, als ob ich etwas nicht verstünde. Ich stellte wissentlich dumme Fragen, wobei mir klar war, daß ich die Umstehenden zum Lachen bringen würde.
Warum lachten die Leute? Ich denke, vor allem deshalb, weil ich ihnen die Möglichkeit bot, ihre Überlegenheit zu zeigen. Deshalb sahen meine unerwarteten Fragen, Antworten und Handlungen eben auch komisch aus. Die Umgebung verstand, daß sie selbst niemals auf ähnliche Gedanken gekommen wäre. Indem ich auf gelassene Art Anekdoten zum Besten gab, Bekannte parodierte, wurde der Humor umso schärfer und kam beim Publikum umso besser an.

Sonntag, 29. November 2009

Ist der Clown ein produktiver Arbeiter?


„Ein Schauspieler z. B., selbst ein Clown, ist hiernach ein produktiver Arbeiter, wenn er im Dienst eines Kapitalisten arbeitet, dem er mehr Arbeit zurückgibt, als er in der Form des Lohns von ihm erhält, während ein Flickschneider, der zu dem Kapitalisten ins Haus kommt und ihm seine Hosen flickt, ... ein unproduktiver Arbeiter ist. Die Arbeit des ersteren tauscht sich gegen Kapital aus, die des zweiten gegen Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum). Die erstere schafft Mehrwert; in der zweiten verzehrt sich eine Revenue.“

K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, S.127.

Donnerstag, 6. August 2009

Tristan R é m y - Clowns Entrées

Vergeblich wird man eine Sammlung von Clowns-Entrées suchen. Niemand hat sich der Mühe unterzogen, die Personen, die Antworten, die szenischen Spiele und die Lazzi zu notieren, die einer Form des Theaters angehören, die vielleicht einmal verschwinden wird - wie auch der Zirkus selbst, ohne dessen Rahmen sie ihre Daseinsberechtigung verlieren würde.

Mit dem Aussterben der "großen Familien", die von Generation zu Generation Akrobaten, Clowns und Kunstreiter hervorbrachten und die das Können aller ihrer Mitglieder verwendeten und so das Entstehen ganzer Schauspiele sicherten, steht zu befürchten, daß das Clowns-Repertoire allmählich in Vergessenheit gerät. Menschen zum lachen zu bringen ist ein Handwerk mit verschiedenen Techniken. Die Artistenkinder, die seit ihrer frühesten Jugend in Kontakt mit der Familienmannschaft stehen, werden ganz natürlich die bewährtesten Techniken wieder aufnehmen. Sie wissen, "was zieht" und "was die Leute kalt läßt". Viele Clowns, die heute als Amateure in den Zirkus gekommen sind, haben ihr Handwerk vom Zufall und ohne den Geist der Tradition gelernt. Wie sollen sie auch so ohne weiteres die beruflichen Qualitäten ihrer Vorgänger haben können, die von einem Meister ausgebildet waren, der mit dem Instinkt des Stammes die Unterschiede von Gesten, von Posen und Situationen spürte und der es verstand, die Klippen zu vermeiden, die seine Väter schon zu umgehen wußten?

Tristan R é m y (Septmber 1962)

Quelle: Tristan R é m y, Clownnummern, Henschelverlag Berlin 1989, S.64.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Der Denkzettel

von Maxim Gorki

An einem Sonntagabend stand er, die Brust fest an das hölzerne Geländer gepreßt, auf der Galerie des Zirkus und sah bleich vor angespannter Aufmerksamkeit mit verzückten Blicken in die Arena, wo ein grellgekleideter Clown, der Liebling des Publikums, Purzelbäume schlug.
Der schlangenartig gelenkige Körper des Clowns, der in üppige Falten von rosa und gelbem Atlas gehüllt war, flimmerte in den verschiedensten Stellungen auf dem dunklen Hintergrund der Arena; seine Bewegungen waren bald leicht und anmutig, bald häßlich oder komisch; er hüpfte wie ein Ball in die Luft, schoß gewandt einen Purzelbaum, fiel auf den Sand nieder und rollte schnell dahin. Dann sprang der Clown wieder auf die Füße, stand kühn und selbstbewußt da, sah munter ins Publikum und erwartete seinen Beifall.

"Das ist er ... der Clown!" sagte der Mann mit dem Bart und fügte mit breitem Lächeln hinzu: "Ganz genau erkenne ich ihn ... obgleich er jetzt richtig angezogen ist..."
Der Knabe hörte diese Worte und sah den Mann mit der Zigarre, der inmitten der Arena stand und den Leuten in den roten Livreen, die dort beschäftigt waren, Anweisungen gab, scharf an. Das sollte der glänzende, gewandte Clown sein? Enttäuscht schüttelte der Junge den Kopf. Es mißfiel ihm, daß ein so wunderbarer Mensch sich wie ein gewöhnlicher Modeherr kleidete. Wenn er, Mischka, ein Clown wäre, würde er in dem grellen weiten Atlaskostüm mit Goldbesatz und mit der hohen weißen Mütze auf die Straße gehen. Und entschieden unzufrieden mit dieser unliebsamen Verwandlung des Artisten in einen ganz gewöhnlichen Menschen verließ Mischka den Zirkus.

Maxim Gorki, Die Kinder aus Parma, Berlin - DDR 1976, S. 31 ff.

Freitag, 26. Juni 2009

Gedanken eines Clowns

...Für das, was aus dem Menschen schließlich wird, bedeutet alles einzelne zunächst einmal nichts, und doch kann er von dem Augenblick an, wo die Seele in ihm erwacht, keinen Schritt tun, der ihm nicht unnachsichtig angerechnet würde. Für das, was wir an Unrechtem tun, büßen wir durch die furchtbarste Buße, die es gibt: durch das, was wir werden oder geworden sind. Aber - man mag sich das erklären, wie man will - es gibt für jeden von uns eine besondere Zeit der Entscheidung, wo wir entweder gerechtfertigt oder verworfen werden, und für jeden liegt sie an einem anderen Punkte des Lebens...

Was war denn meine ganze Nummer? Ich! Allerdings kein gewöhnliches Ich, wie ich glaubte annehmen zu dürfen, sondern eines, das den Anspruch erhob, für unzählige Gleichgeartete stellvertretend zu sein. Damit es dies aber könne, galt es, so viele andere Ich als nur möglich in sich hineinzuraffen, 'nichts Menschliches sich fremd zu fühlen', und das hieß: erleben, erleben, erleben!

Adam Kuckoff, Scherry, Leipzig, 1972, S. 122ff.

(Der Widerspruch zwischen Kunst und Wirklichkeit veranlaßt den Clown Scherry, die Bühne zu verlassen. - In seiner Erzählung beschreibt der Schauspieler, Regisseur und Dramaturg Adam Kuckoff den ernsten Hintergrund einer komischen Person in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929/30. Zusammen mit Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen, John Sieg und anderen gehörte er zu den führenden Mitgliedern der Widerstandsorganisation "Rote Kapelle". Am 5. August 1943 wurde Adam Kuckoff von den Nazis in Plötzensee ermordet.)

Samstag, 23. Mai 2009

Clownerie und der Ernst des Lebens

Ob einer den Humor berufsmäßig ausübt oder ob er einfach mit ihm lebt, es bleibt immer derselbe Humor, es wirkt immer dieselbe Quelle...

Die Aufgabe der Clownerie hingegen ist es, das Komische zu zeigen, damit zu erheitern und Freude zu geben. Da ich als Clown ein Komiker bin, zeige ich die komischen Seiten des Menschen, decke seine Mängel und Fehler auf, weise auf die komischen Situationen hin, in welchen der Mensch sich zuweilen befindet und deren er sich nicht immer bewußt ist...


Als Clown relativiere ich aber auch den bitteren Ernst des Lebens. Ich kann Situationen in ein positives Licht rücken. Werde ich mir dieser Fähigkeit jedoch zu fest bewußt und mache mir dies zur alleinigen Aufgabe, riskiere ich, mein Komisch-Sein zu verlieren. Wollte ich als Clown dauernd und mit Absicht friedensstiftend oder harmonisierend wirken, könnte ich nicht mehr Clown sein. Diese Verantwortung würde mir meine Naivität und Unschuld nehmen...


Dimitri - Humor, Dornach (CH), 1997, S.25 f. - Foto: G.J. (1986)

Montag, 20. April 2009

Gedanken des Clowns Nikulin

Юрий Никулин - клоун - писал о своей работе:

Помня своё разочарование в детстве, я стараюсь поддерживать репутацию клоунов и не остаюсь в долгу. Подмигнув или пощекотав живот какому-нибудь малышу, я продолжаю быть клоуном: пусть дети думают, что я всегда смешной. "Весело ли вам бывает, когда вы выступаете в цирке?" Снова и снова я вспоминаю этот вопрос по пути домой. Действительно, а что я испытываю во время спектакля? Пожалуй, больше всего - волнение, озабоченность, удовлетворение, если чувствую, что точно сработал трюк, ощущаю, как хорошо принимают сегодня репризу. Это я испытываю, но веселье. Иногда радуешсья после представления предстоящему отдыху. В цирке нагрузка доходит до сорока представлений в месяц, а в дни школьных каникул и до шестидесяти. В такие дни не до творчества, не до взлетов актёрского мастерства. Напряженная работа, работа на износ, и каждый вечер мы считаем, сколько осталось дней до конца каникул. Ты чувствуешь себя заведённой машиной. До веселя ли тут? "А вам не надоедает делать каждый вечер одно и то же?" Этот вопрос тоже вертелся в голове, пока я шёл домой. Да это тяжело. Иногда даже возникает непреодолимое (и всё-таки я его преодолеваю) желание не идти на работу. Как хорошо, например, пойти в кино или просто почитать, а тут надо в тысячный раз выходить на манеж, бросать под купол бумеранг и произнозить во время фокуса с яблоком ты самую фразу, которая так не понравилась человеку, моему "доброжелателю": Снимаем обыкновенную шляпу с обыкновенной головы".

Любопытно, нежелание работать проходит, как только окажешься в своей гардеробной и окунешься в привычный ритм цирковой жизни. Гримируешься, отдеваешься, готовишь реквизит, а тобой уже овладевает знакомое волнение. Я бы сравнил это с чувством, которое испытывает спортсмен перед прыжком в воду.

Я люблю свою профессию. У меня никогда не возникало сомнения: искусство ли цирк или не искусство?

Публика любит посмеяться. Я твердо верю в то, что смех укрепляет здоровье и продлевает жизнь. Минута смеха - на день больше живёт человек. (Ю.Никулин, Почти серьёзно, М. 2004, Стр.564)


Der sowjetische Clown, Schauspieler und Zirkusdirektor Juri Nikulin schrieb über seine Arbeit:
Wenn ich mal an die Enttäuschungen in meiner Kindheit denke, so will ich versuchen, die Reputation der Clowns hochzuhalten und ihr nichts schuldig zu bleiben. Ich habe mein Innerstes nach allerlei Kleinigkeiten durchsucht und bin wieder Clown - auch wenn Kinder denken, daß man dabei immer nur komisch ist.
"Kommt es Ihnen denn lustig vor, wenn Sie im Zirkus auftreten?" Immer wieder denke ich auf dem Heimweg über diese Frage nach. Was mache ich denn eigentlich während der Vorstellung? Freilich gibt es vieles, was ich empfinde: Aufregung, Besorgnis, aber auch Befriedigung, wenn ich merke, daß ein Trick, den ich genau erarbeitet habe, in der Vorstellung gut gelang. Und das strebe ich auch an - aber nicht: Spaß zu machen. Manchmal freue ich mich nach der Vorstellung auch auf die bevorstehende Erholung.
Bis zu vierzig Zirkusvorstellungen im Monat, und in den Schulferien bis zu sechzig - das ist schon eine Belastung . An solchen Tage kommt man oft nicht zu außergewohnlicher Kreativität, zu Höhenflügen der schauspielerischen Meisterschaft. Es ist eine angespannte Arbeit, Arbeit auf Verschleiß. Und jeden Abend rechnen wir nach, wieviele Tage noch bis zum Ende der Ferien übrigbleiben. Man fühlt sich oft wie eine ferngesteuerte Maschine. Ist das etwa lustig? - "Ist es Ihnen nicht langweilig, jeden den Abend ein und dasselbe zu machen?" Diese Frage ging mir auch oft im Kopf oft herum, während ich nach Hause ging. Ja, es ist schwer! Manchmal entsteht sogar der fast unüberwindliche Wunsch (und trotzdem überwinde ich ihn),
nicht zur Arbeit zu gehen. Wie schön wäre es zum Beispiel, wenn man jetzt einfach ins Kino gehen könnte oder etwas lesen, anstatt zu tausendsten Mal in die Manege hinauszugehen und genau den gleichen Trick vorzuführen.
Diese Unlust zu arbeiten vergeht, sobald man sich in der Garderobe befindet und zum gewohnheitsmäßigen Rhythmus des Zirkuslebens übergeht. Du schneidest ein paar Grimassen, ziehst dich um, bereitest die Requisiten vor, und schon packt dich das bekannte Lampenfieber. Ich vergleiche es oft mit dem Gefühl, das ein Sportler hat, bevor er ins Wasser springt.
... Ich liebe meinen Beruf. Ich hatte noch nie Zweifel daran: Ist der Zirkus nun eine Kunst oder nicht? Das Publikum lacht gerne. Und ich bin fest davon überzeugt, daß Lachen gesund ist und das Leben verlängert. Hat er eine Minute gelacht, so verlängert der Mensch sein Leben um einen Tag! (Juri Nikulin, Beinahe ernsthaft, Moskau 2004, S. 564f., ru.)

Sonntag, 29. März 2009

Gardi Hutter in Berlin

"Die Berliner sind ein sehr feinfühliges Publikum."

Vor ausverkauftem Haus zeigte Gardi Hutter am 2.August 1987 im Palast der Republik ihr Programm "Jeanne d'Arppo - die tapfere Hanna". Sie nennt sich selbst eine Clownerin. Für mich war es eine unvergeßliche Aufführung! Gardi eröffnete damals die Veranstaltungsreihe "August um August" in unserem Palast der Republik (Foto).

Fühlen Sie sich als August, und als dummer noch dazu?
Ja, ich bin ein August - im Gegensatz zum steiferen Weißclown. Jeder Clown ist auch ein Harlekin, ein Narr, ein Tolpatsch, der mit
den Tücken des Lebens auf seine Weise kämpft, und dabei Menschliches, allzu Menschliches, sichtbar werden läßt. Insofern ist er aber kein dummer August, wie man landläufig meint.

Wollen Sie
Ihrem Publikum den Spiegel vorhalten?
Ich will nicht belehren. Mir geht's nur darum, Unterhaltung im besten Sinne zu bieten. Ich möchte das Lachen meiner Mitmenschen in allen Tönen herausfordern; sie sollen mit mir und über mich lachen, und vielleicht kann dabei auch einmal das Lachen im Halse steckenbleiben. Der Clown ist nun einmal ein Jongleur zwischen Komik und Tragik.

Was hat Ihnen am besten gefallen?
Hier treffe ich auf ein unerhört aufgeschlossenes, sehr feinfühliges Publikum, das nicht nur den derben Ton versteht, sondern auch die feinen Nuancen genießt und mit Beifall bedenkt. Da macht es Spaß, ein Clown zu sein.
(Interview: Hans Uslar)

Ein Clownstück von Gardi Hutter und Ferruccio Cainero. Es erzählt die Geschichte der Wäscherin Hanna, die mehr im Kopf hat als die schmutzige Wäsche...

Berlin (Hauptstadt der DDR) - im August 1987.

Samstag, 28. Februar 2009

Pantomime und Clown

Eine Ausnahme unter den Artisten macht der Clown. Er ist der einzige im Zirkusprogramm, der - meistens ohne viele Worte - eine Geschichte erzählt. Entscheidend für seine Nummer ist nicht nur die artistische Leistung, sondern vor allem der szenische Inhalt, den er spielt. Da seine Arbeitsbedingungen - die Manege und der riesige Zuschauerkreis -, optisch gut und akustisch weniger gut sind, muß der Clown in erster Linie Pantomime sein. Das ist nicht so zu verstehen, daß der Clown unbedingt mit den Illusionstechniken arbeitet (auch das kommt vor, zum Beispiel in der traditionellen Reprise mit dem Gewicht, das zunächst furchtbar schwer, dann aber doch nur aus Pappe ist), sondern in dem Sinne, daß er seine Gemütsbewegungen körperlich auszudrücken weiß. Die Kunst der Haltung ist auch das Handwerkszeug des Clowns. Der Clown steht dem Pantomimen insofern am nächsten, als auch er bis zum Grotesken überhöht.

Anke Gerber, Anatomie der Pantomime, Hamburg-Zürich 1985, S.191.

Montag, 26. Januar 2009

Eine gewichtige Frage...

Warum haben die Clownerie und das komödiantische Theater in der öffentlichen Wahrnehmung nicht denselben hohen Stellenwert wie das Drama oder die Oper? Zwar sind die Zeiten vorbei, wo man die Clowns und Artisten als zwielichtige Vaganten und Zigeunerpack betrachtete, die man zwar gerne belachte und bewunderte, aber im übrigen am liebsten zum Teufel schickte. Wenn ich heute im Ausland auf Tournee bin, laden mich die Botschafter unseres Landes ein, bei ihnen zu logieren, und selbst in höchsten Kreisen gibt man sich die Ehre, einen Clown oder Komödianten zum Essen einzuladen. Aber es reicht nicht, einen Clown an der Party vorzuzeigen. Was ich anstrebe, ist die Anerkennung, daß komödiantisches Theater und Clownerie ebenso tiefgründig, künstlerisch ebenso anspruchsvoll und in der Auseinandersetzung mit unserem Menschendasein ebenso wichtig sein kann, wie ein gutes Schauspiel oder eine Oper, auch wenn die humoristischen und artistischen Elemente alles leicht und locker erscheinen lassen. Voraussetzung ist natürlich, daß mit Leib und Seele daran gearbeitet wird und daß alle Beteiligten ihr Bestes geben und ständig versuchen, sich zu übertreffen. Aber das ist genauso Voraussetzung für jede künstlerischen Produktion von Qualität und Niveau.
(DIMITRI)


Hanspeter Gschwend, Dimitri - der Clown in mir, Bern, 2005, S. 226.

Montag, 5. Januar 2009

Clown zu sein heißt...

...Partei zu nehmen für das Gute und kämpfen gegen das Böse. Optimistische Heiterkeit verbreiten und den Pessimsimus verlachen. Belehrend sein, ohne zu belehren. Einfach sein, aber frei von Primitivität. Dem Spaß die Zügel schießen zu lassen, um sich selbst und andere mit diesem Spaß zu erfreuen. Verbunden mit dem Volke, dem Volke Volksweisheiten vermitteln. (Mario Turra)
Und hier nun die andere Seite: "Beruf ist Beruf; Geschäft ist Geschäft. Der Chef-Clown einer Truppe verkauft die 'Nummer', deren Preis er bestrebt ist ständig hinaufzuschrauben, an die Varieté-Direktion wie ein anderer einen Posten Stoff. In einer Varieté-Agentur wird ebenso gehandelt wie an der Börse. Artistisches Können, neue ulkige Tricks, gute eingeführte Namen sind ebenso auskalkuliert und bestimmen den Preis einer Nummer, wie dies bei der Qualität einer Ware der Fall ist." (Heino Seitler)

Foto: Clown Galetti

Mittwoch, 18. Juni 2008

Wie ich Clown geworden bin...

Dieses kleine Plakat ließ Clown NUK anläßlich seines Auftritts
im Deutschen Theater drucken:























Foto: Archiv Gisela Spillner

Комический конфликт - Komik.

Лучшие номера музыкальной эксцентрики всегда построены на комическом конфликте. "Музыкальные инструменты являются моими партнёрами и в то же время противниками. Они считают меня глупцом, а я стараюсь их перехитрить", - рассказывает о своём творческом принципе популярный на Западе немецкий эксцентрик Нук. (страница 70, Искусство КЛОУНАДЫ, издательство Искусство, Москва 1969г.)

Sinngemäß übersetzt heißt das: Die besten Nummern eines Musikal-Clowns sind immer auf einem komischen Konflikt aufgebaut. "Die Musikinstrumente sind meine Partner und manchmal auch meine Wiedersacher. Sie halten mich zum Narren und ich versuche sie zu überlisten", erzählt der im Westen bekannte deutsche Exzentrikclown Nuk über sein Schaffensprinzip. (Die Kunst der Clownerie, Verlag der Kunst, Moskau, 1969, S.70 russ.)

Clown zu sein lernt man nicht...

Das folgende stimmt ganz gut mit meiner Auffassung überein:

"In der Literatur, der Oper und Operette gibt es das Klischee, der Clown sei im Privatleben in Wahrheit ein ständig schwermütiger Mensch, der auf der Bühne und nach außen dennoch immer den Spaßmacher spielen müsse. Wie die meisten Vorurteile und Standardmuster hören sie sich zwar gut an, doch haben sie mit der Wirklichkeit des einzelnen selten etwas zu tun - und mit mir überhaupt nichts."


"Clown zu sein lernt man nicht, man ist einer und wird - wenn man daran arbeitet und es gut geht - ein immer besserer."

(Georg Spillner, Clown NUK - die Maske hat mich frei gemacht, S.31)