Wirklich kann eine Handlung nur dann zutiefst komisch sein, wenn sie mit vollem Ernst ausgeführt wird, wenn der Mensch seine eigene Komik nicht bemerkt. Das ist für die Schauspielkunst besonders wichtig. Je ernster der Schauspieler sich zu den komischen Schicksalen seines Helden verhält, je tiefer er sich in ihn hineinversetzt und sich die gesamte Logik im Verhalten der Figur zu eigen macht, desto tiefer ist die Behandlung des komischen Wesens der Rolle. Wirkliche Komik wird im Theater nicht durch die Bemühungen des Schauspielers lebendig, den Zuschauer um jeden Preis Lachen zu machen, sondern durch ernsthafte, innerlich überzeugte Befolgung der Logik in den Handlungen des gegebenen Charakters unter den gegebenen komischen Umständen.
Die Erkenntnis der Komik einer Erscheinung erfordert aktive schöpferische Arbeit des menschlichen Gedankens.
Jurij Borew, Über das Komische, Aufbau-Verlag Berlin, 1960, S.125ff. (Zeichnung: Kladderadatsch, 1848)
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Donnerstag, 19. April 2012
Montag, 24. Januar 2011
Die Kunst des plastischen Ausdrucks
Yvette Gilbert (1867-1944) war eine begnadete Sängerin des fin de siècle, der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es war dies die Zeit einer sich in der westeuropäischen Kultur offenbarenden Verfalls-stimmung, eine Zeit des Tingeltangels, eine Zeit ulkiger, sentimentaler oder nationalistischer Gesänge. Davon unterschied sich die Gilbert sehr deutlich. In ihren Chansons sprach sie aus, was ihr an dieser Zeit als „häßlich, erbärmlich, tadelnswert, unmenschlich und lasterhaft“ erschien. Und sie begeisterte ein Millionenpublikum. Die "Spielregeln" dieser bemerkenswerten Künstlerin sind nicht neu, doch wir können immer wieder von ihr lernen.
1928 erschien von ihr der Essay über "Die Kunst, ein Chanson zu singen", in dem viel Weisheit und Bühnenerfahrung steckt. Darin schrieb sie:
Übertragen auf den Charakter des Clowns bedeutet das, daß es zwischen dem Clownskostüm und dem Typ, der Gestik und Mimik eine Übereinstimmung geben muß. Man kann nicht gegen die "Maske" spielen, ohne damit zugleich auch ihre Wirkung wieder zunichte zu machen. Und über den Humor, den Sinn für das Komische schreibt sie:
Das ist es auch, wovon gerade die Clownerie lebt. Für Yvette Gilbert ist Komik weit mehr als nur Grimassen zu schneiden oder mit den Augäpfeln zu rollen. Der Sinn für Komik wird gemessen an einem äußerlichen Kriterium, das seine Intensität und Nuancen zeigt: das Lachen!
"Für das 'Komische' braucht man Geist;
für das 'Tragische' Intelligenz und Bildung."
(Yvette Gilbert)
entnommen aus: Yvette Gilbert, Die Kunst ein Chanson zu singen, Berlin 1981.
Freitag, 26. Februar 2010
Карандаш об успехе клоуна
Хотя я часто шёл в поисках комического наугад, всё же моя стрельба по смешному, то есть по отжившему или отживающему в нашей жизни, нередко приводила к удаче, попадала в цель. Эти более или менее точные попадания давали мне возможность, объязнить трудности, которые встают перед артистом, работашщим в комеддийном жанре, и побуждали глубже теоретически осмыслить вопросы комического.Частые неудачи нашего цирка в области клоунады оъязняются тем, что, создавая смешное, комики нередко оболабливают его том от жизни, забывают об окружающей действительности, исходят же из жизни, а из абстракного понимания смешного "вообще". Настоящий художник должен непременно наблюдать жизнь, подмечать смешное и достойное в самой жизни.
Изучение жизни и теоретическое осмысление проблемы комического - только на этом пути можно добиться подлинных успехов.
Карандаш - На арене советского цирка, Москва, Издательство "исскуство", 1997 г., стр. 119-120
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Obwohl ich bei der Suche nach dem
Komischen häufig auf gut Glück das Treffendste fand, brachte mich nicht selten das Überlebte und Überlebende in unserem Alltag zum Ziel und führte mich zum Erfolg. Diese mehr oder minder genauen Treffer gaben mir dann die Möglichkeit, einmal die Schwierigkeiten zu erklären, die vor dem Künstler stehen, der im komischen Genre arbeitet, und sie regten mich an, die Frage des Komischen tiefer theoretisch zu durchdenken.
Die häufigsten Mißerfolge in unserem Zirkus auf dem Gebiet der Clownerie erklären sich daraus, daß die Komiker sich nicht selten vom Leben absondern, die umgebende Wirklichkeit vergessen, und anstatt von Leben selbst, von einem abstrakten Verständnis des Komischen "an sich" ausgehen. Ein wirklicher Künstler soll das Leben unbedingt beobachten, er soll das Komische und das Würdige im Leben bemerken.
Das Studium des Lebens und das theoretische Verständnis des Komischen - nur auf diesem Weg kann man zu echtem Erfolg gelangen.
Clown Karandasch - In der Arena des sowjetischen Zirkus, Moskau, 1977, S. 119f. ( russ.)
Изучение жизни и теоретическое осмысление проблемы комического - только на этом пути можно добиться подлинных успехов.
Карандаш - На арене советского цирка, Москва, Издательство "исскуство", 1997 г., стр. 119-120
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Obwohl ich bei der Suche nach dem
Komischen häufig auf gut Glück das Treffendste fand, brachte mich nicht selten das Überlebte und Überlebende in unserem Alltag zum Ziel und führte mich zum Erfolg. Diese mehr oder minder genauen Treffer gaben mir dann die Möglichkeit, einmal die Schwierigkeiten zu erklären, die vor dem Künstler stehen, der im komischen Genre arbeitet, und sie regten mich an, die Frage des Komischen tiefer theoretisch zu durchdenken.Die häufigsten Mißerfolge in unserem Zirkus auf dem Gebiet der Clownerie erklären sich daraus, daß die Komiker sich nicht selten vom Leben absondern, die umgebende Wirklichkeit vergessen, und anstatt von Leben selbst, von einem abstrakten Verständnis des Komischen "an sich" ausgehen. Ein wirklicher Künstler soll das Leben unbedingt beobachten, er soll das Komische und das Würdige im Leben bemerken.
Das Studium des Lebens und das theoretische Verständnis des Komischen - nur auf diesem Weg kann man zu echtem Erfolg gelangen.
Clown Karandasch - In der Arena des sowjetischen Zirkus, Moskau, 1977, S. 119f. ( russ.)
Dienstag, 9. Februar 2010
Das künstlerische Ideal
Das Elementare und Einfache kann leicht, allzuleicht in die Primitivität abgleiten. Das würde eine Aufhebung des künstlerisch-ästhetischen Ideals und damit eine Aufhebung der künstlerischen Gestaltung überhaupt bedeuten.
Nehmen wir den komödiantisch außerordentlich begabten Clown Tandarica (ein rumänischer Clown im Staatszirkus Bukarest, der in den 60er Jahren u.a. auch in Madrid zweifelhafte Erfolge feierte, G.J.) ... Er serviert als Kellner einem Gast Spaghetti. Aber da er betrunken ist, rutschen ihm diese vom Teller. Sie bleiben an seinen Schuhen kleben. Mit einem Besen kehrt er sie wieder auf den Teller zurück und serviert sie dem Gast.
An diesem Punkt hört trotz aller Begabung dieses Clowns die Kunst auf. Das künstlerische Ideal Tandaricas ist gleich Null. Trotzdem - und hier besteht die große Gefahr einer solchen verantwortungslosen Gestaltung - tobt das Publikum vor Lachen. Es gelingt Tandarica, das Publikum auf das primitivste Niveau hinabzuziehen. Auf ein solches Phänomen weist bereits Hegel hin: "Überhaupt läßt sich nichts Entgegengesetzteres finden als Dinge, worüber die Menschen lachen. Das Platteste und Abgeschmackteste kann sie dazu bewegen..."*
Quelle: Mario T u r r a , Das Lachen des Clowns, Berlin 1972, S.108
*Zitat: G.W.Hegel, Ästethetik, Bd.I, Aufbau-Verlag, 1965, S.552.
Nehmen wir den komödiantisch außerordentlich begabten Clown Tandarica (ein rumänischer Clown im Staatszirkus Bukarest, der in den 60er Jahren u.a. auch in Madrid zweifelhafte Erfolge feierte, G.J.) ... Er serviert als Kellner einem Gast Spaghetti. Aber da er betrunken ist, rutschen ihm diese vom Teller. Sie bleiben an seinen Schuhen kleben. Mit einem Besen kehrt er sie wieder auf den Teller zurück und serviert sie dem Gast.An diesem Punkt hört trotz aller Begabung dieses Clowns die Kunst auf. Das künstlerische Ideal Tandaricas ist gleich Null. Trotzdem - und hier besteht die große Gefahr einer solchen verantwortungslosen Gestaltung - tobt das Publikum vor Lachen. Es gelingt Tandarica, das Publikum auf das primitivste Niveau hinabzuziehen. Auf ein solches Phänomen weist bereits Hegel hin: "Überhaupt läßt sich nichts Entgegengesetzteres finden als Dinge, worüber die Menschen lachen. Das Platteste und Abgeschmackteste kann sie dazu bewegen..."*
Quelle: Mario T u r r a , Das Lachen des Clowns, Berlin 1972, S.108
*Zitat: G.W.Hegel, Ästethetik, Bd.I, Aufbau-Verlag, 1965, S.552.
Montag, 5. Oktober 2009
Gedanken über das Lachen
Sehr oft gibt es in der heutigen Unterhaltungsindustrie sogenannte "Comedy"-Szenen, bei denen die Zuschauer lachen. Mitunter wird sogar im Hintergrund eines Films oder einer Aufzeichnung Gelächter eingeblendet, um so den Anschein zu erwecken, daß diese Szene komisch sei. Doch nichts liegt ferner als das. Es wird hier eine Einmütigkeit suggeriert, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Mit Komik und Humor hat das alles nicht viel zu tun. Diese Art von Unterhaltung ist im Grunde wertlos, auch wenn das Publikum sich amüsiert. Darüber mokierte sich schon Hegel, als er schrieb: "...einem solchen Volke ist nicht zu helfen; es löst sich in seiner Torheit auf."Ein dummes Lachen
Wenn über Unsinniges und Albernes gelacht wird, so ist das meist ein recht einfältiges Lachen. Allein der Widerspruch zur Realität ist ja noch nicht komisch. Selbst dummes, falsches oder unmoralisches Verhalten ist für sich genommen noch nichts Komisches. Oft wird auch Lächerliches und Komisches miteinander verwechselt. Und leicht gleitet das Einfache und elementar Komische in die Banalität ab. Hier zitieren wir wiederum Hegel: "Überhaupt läßt sich nichts Entgegengesetzteres auffinden, als die Dinge, worüber die Menschen lachen. Das Plattste und Abgeschmackteste kann sie dazu bewegen..."*
Worauf es beim Lachen ankommt
Wie läßt sich das nun erklären? Ist es nicht gleich, worüber wir lachen? Ist dem verehrten Publikum das Lachen nicht zu gönnen? Muß denn der Spaß erst ein bestimmtes Niveau haben, um wirklich komisch zu sein? Ja, so ist es. Hämisches, zynisches oder abfälliges Lachen, ja sogar "Schadenfreude", ist eine üble Auslassung über Andere, über selbst Unbeteiligte, die oft sogar einen feindlichen Charakter trägt. Echte Heiterkeit hingegen resultiert aus der Lebensfreude. Sie setzt Gelassenheit (also Humor) voraus und erfordert das Vorhandensein eines gesellschaftlichen Ideals (nämlich der Zuversicht), und das nicht nur beim Betrachter. Nimmt man das Elementarkomische einmal heraus, welches - wie wir gesehen hatten - freilich auch Lachen hervorbringt, so ist die Reaktion auf ein Ereignis, und folglich auch das Lachen, sozial bedingt durch das Verhalten der Menschen zueinander. Es widerspiegelt die gesellschaftlichen Verhältnisse, welche die Menschen untereinander eingehen. Sind sie feindlich, so ist das Lachen boshaft, sind sie hingegen freundlich, so ist auch das Lachen voller Humor. Die Ansichten des Publikums über einen Vorgang sind also unmittelbar verbunden mit dem Urteil über den betreffenden Gegenstand und die jeweilige Situation. Und das Lachen hängt jeweils davon ab, in welcher Position der Zuschauer sich befindet, welches Erkenntnisniveau er besitzt, worauf er emotional reagiert und nicht zuletzt, wie er in der Lage ist, die damit verbundenen Informationen zu verarbeiten. Schließlich gilt: Je freier der Mensch in Bezug auf seine eigenen Verhältnisse, um so ungezwungener klingt auch sein Lachen.
Wem das Lachen vergeht
So wie es das dümmliche Lachen gibt, dem jede Albernheit gelegen kommt, so gibt es natürlich auch Dinge, die schon nicht mehr komisch sind, obwohl sie dem Publikum als "komische Darbietung" verkauft werden. Ein Sarkasmus hat manchmal die Eigenschaft, daß einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Man findet solche "Späße" bald nicht mehr lustig. Ähnlich geht es dem Publikum auch bei einem Bajazzo. Dieser handelt im Grunde gegen sein eigenes inneres Empfinden. Sein Lachen ist maskenhaft und unnatürlich. Eine andere, höchst verwerfliche Darstellung finden wir auch bei den heute in minderwertigen Kriminalfilmen verwendeten Clownsmasken. Diese Zweckentfremdung einer ansonsten komischen Figur ist ein übelster, kulturfeindlicher Zynismus.
Der wahre Clown
hingegen ist das Enfant terrible der dramatischen Kunst. Er muß ein Gespür für die Komik haben. Denn er sagt, was er denkt. Und er muß das Wesentliche einer Sache erkennen. Oft wirkt der Clown dabei ein bißchen umständlich und vielleicht sogar unfreiwillig komisch. Der Clown ist humorvoll und heiter. Und oft sind es harmlose, doch ehrliche Späße, mit denen er sein Publikum zum Lachen bringt. Höchste Kunst ist es indessen, wenn es ihm gelingt, die Wirklichkeit satirisch zu entlarven. Hier beginnt der eigentliche künstlerische Schaffensprozeß: Er zeigt, was "die Welt im Innersten zusammenhält", und er zeigt, was es Komisches in der Realität gibt, um es auf seine Art zu reflektieren. So sollte ein Clown, selbst wenn er lediglich mit elementarkomischen Mitteln und Situationen arbeitet, seine künstlerischen und ästhetischen Maßstäbe sehr hoch ansetzen. Denn oft erschließt sich die Komik erst aus der konkreten Situation. Schließlich ist der Humor keine absolute Größe. Man kann ihn beim Publikum nicht immer voraussetzen, und man kann ihn auch nicht einfordern. Er hat seine historischen Wurzeln, er setzt Interessengleichheit voraus, und er verlangt zudem eine gewisse Intelligenz.
P.S. Fast hätte ich's vergessen: ein Kinderlachen ist das unschuldigste von allen. Es ist von Sorgen frei und ohne Arglist... und es ist - so wie R. Schernikau schreibt - die gelungene Erkenntnis, daß etwas nicht stimmt - die Wirklichkeit. (G.J.)
* Georg Wilhelm Hegel, Ästhetik, Bd. I, Aufbau-Verlag, Berlin - Weimar 1965, S. 552
Samstag, 18. Juli 2009
Эксцентрики - Exzentriker
Трюк - сильное выразительное средство, но он всегда должен органически вытекать из действия, обостряя его и помогая созданию комедийного образа.Мимы, добиваясь яркости красок, смелости и оригинальности приёмов, прибегают иногда к эсцентрической форме построения пантомимы.
В.И Ленин, живая в Англии, любил, по свидетельству Горького, смотреть выступления эксцентриков. Алексей Максимович приводит высказывание Ленина об эксцентрике:
"Тут есть какое-то сатирическое или скептическое отношение к общепринятному, есть стремление вывернуть его наизнанку, немножко исказить, показать алогизм обычного. Замысловато, а интересно!"
Эксцентрики используют способность зрителей к образному восприятию.
Р.Славский - Искыссвто пантомимы, М. 1962, стр.124
Der Trick ist ein ausdrucksstarkes Mittel, aber er sollte sich immer organisch aus der Handlung ergeben, sie verschärfen, und in komischer Weise unterstützen.
Мimen, welche nach Vielfarbigkeit, Ausdrucksstärke und Originalität ihrer Bilder streben, greifen manchmal zu exzentrischen Formen und Spielmitteln der Pantomime.
Lenin liebte es - nach Aussage Gorkis -, während er in England lebte, sich die Vorstellungen von Exzentrikern anzusehen. Alexej Maximowitsch zitiert einen Ausspruch Lenins über die Exzentriker:
"Hier gibt es so eine satirische oder skeptische Beziehung zum Allgemeingültigen. Es ist das Streben, es auf Unbekanntes hinzuführen, ein bißchen zu verzerren und die vorhandene Unlogik aufzuzeigen. Das ist kompliziert, aber es ist interessant!"
Die Exzentriker verwenden die Fähigkeit der Zuschauer zur bildlichen Wahrnehmung.
R.Slawski - Die Kunst der Pantomime, Moskau, S. 124, russ.
Donnerstag, 23. April 2009
Eine gewisse mathematische Logik
Ein bekannter Ausspruch lautet: "Würden geometrische Axiome an menschliche Interessen rühren, so würde man sicherlich versuchen, sie zu widerlegen." Die Bewertung der Sätze der euklidischen Geometrie, von welchem Standpunkt auch immer betrachtet, ist logischerweise ohne erkennbaren Sinn. Wenn eine Person x behauptet, es gelte "p", ohne zu wissen, daß "nicht-p" gilt, so ist das lediglich ein Irrtum. Würde x aber wissen, daß "nicht-p" gilt, und dennoch "p" behaupten, so würde x lügen. Natürlich ist es nicht immer einfach, der Person x letzteres nachzuweisen. Da es hier aber nur um einen Zusammenhang zwischen einem Sachverhalt und einer Aussage geht, dürfte es relativ einfach sein, festzustellen, ob die Aussage "p" nun wahr oder falsch ist. Der mathematische Beweis ist leicht erbracht.
Etwas anderes ist es, wenn eine Aussage bestimmte Interessen oder Zwecke berührt. Da die Analyse objektiver Tatsachen bekanntlich in engem Zusammenhang mit dem praktischen Handeln der Menschen steht, ist es durchaus möglich, daß die Wahrheit hierbei Schaden nimmt. Genau dann nämlich, wenn die Person x glaubt, "p" sei wahr, weil es im Interesse der von x vertretenen Personengruppe liegt, "p" für wahr auszugeben. Obwohl genau das Gegenteil zutrifft, daß nämlich "nicht-p" den Tatsachen entspricht. Der Glaube ist also das Fürwahrhalten von Aussagen. Er ist immer an irgendeine Form des Vertrauens gebunden, welches - wie man sieht - auch leicht zu mißbrauchen ist. Das hat die Geschichte gezeigt. Eine gewisse Weitschweifigkeit der Erklärungen vermag zwar die Überzeugungskraft einer Aussage zu erhöhen, das ändert jedoch nichts an deren Wahrheitswert. Skepsis ist also stets angebracht, wo es darum geht, die historische Wahrheit zu ergründen. Denn sie rührt eben an bestimmte menschliche Interessen.
Die Professoren arbeiten derweil ihr Staatsgehalt noch ab, und wo bisher die Dummheit und die Unbildung fröhliche Urständ feierten, hat bereits die Komik ihr weites Betätigungsfeld. Oder wie der Kabarettist Jürgen Hart schon sagte: "Wer aber lacht, befaßt sich heiter, also gelöst, mit der Lösbarkeit des Widerspruchs." Und schließlich geht unweigerlich die Wahrheit aus ihrer "Vernichtung" durch die offiziellen Protagonisten geläutert, und zunehmend lebenskräftiger hervor.
"Durch die Nacht zum Licht - auch wenn es noch ein langer Weg und Zeitraum ist!"
(G.J.)
Etwas anderes ist es, wenn eine Aussage bestimmte Interessen oder Zwecke berührt. Da die Analyse objektiver Tatsachen bekanntlich in engem Zusammenhang mit dem praktischen Handeln der Menschen steht, ist es durchaus möglich, daß die Wahrheit hierbei Schaden nimmt. Genau dann nämlich, wenn die Person x glaubt, "p" sei wahr, weil es im Interesse der von x vertretenen Personengruppe liegt, "p" für wahr auszugeben. Obwohl genau das Gegenteil zutrifft, daß nämlich "nicht-p" den Tatsachen entspricht. Der Glaube ist also das Fürwahrhalten von Aussagen. Er ist immer an irgendeine Form des Vertrauens gebunden, welches - wie man sieht - auch leicht zu mißbrauchen ist. Das hat die Geschichte gezeigt. Eine gewisse Weitschweifigkeit der Erklärungen vermag zwar die Überzeugungskraft einer Aussage zu erhöhen, das ändert jedoch nichts an deren Wahrheitswert. Skepsis ist also stets angebracht, wo es darum geht, die historische Wahrheit zu ergründen. Denn sie rührt eben an bestimmte menschliche Interessen.Die Professoren arbeiten derweil ihr Staatsgehalt noch ab, und wo bisher die Dummheit und die Unbildung fröhliche Urständ feierten, hat bereits die Komik ihr weites Betätigungsfeld. Oder wie der Kabarettist Jürgen Hart schon sagte: "Wer aber lacht, befaßt sich heiter, also gelöst, mit der Lösbarkeit des Widerspruchs." Und schließlich geht unweigerlich die Wahrheit aus ihrer "Vernichtung" durch die offiziellen Protagonisten geläutert, und zunehmend lebenskräftiger hervor.
"Durch die Nacht zum Licht - auch wenn es noch ein langer Weg und Zeitraum ist!"
(G.J.)
Freitag, 10. April 2009
Freitag, 6. Februar 2009
Humor und Satire
"Satire verzeiht nicht und darf auch nicht immer verstehen. Der Kabarettist muß sich auch dummstellen können, zum Beispiel, wenn er scheinbar Gesichertes in Frage stellt. Er spielt den dummen August und rückt mit der ernsthaftesten Selbstverständlichkeit das Klavier an den Hocker heran.Ernst übrigens ist Grundvoraussetzung für Komik. Übertriebene Tragik wirkt leicht komisch. Übertriebene Komik wirkt lächerlich. Der Kabarettist hat lächerlich zu machen, darf aber um den Preis der Glaubwürdigkeit nicht lächerlich sein.
Eine Binsenweisheit für Komiker lautet: Bleibe ernst, wenn du die Leute zum Lachen bringen willst. Spiele die komische Situation nicht komisch oder lustig, sie könnte albern werden und sich so selbst aufheben. Natürlich lachen die Zuschauer auch über Albernheiten. Aber das Lachen im Kabarett sollte ja nicht Selbstzweck sein. Das ist vielleicht der wesentlichste Unterschied zwischen einem Komiker und einem Kabarettisten, einem Satiriker und einem Humoristen - dieser bringt die Leute zum Lachen, damit sie fröhlich sind, jener, damit sie nachdenklich werden..."
(Peter Ensikat, in: Kabarett heute, Berlin 1987, S.101)
Foto: Der Komiker Hape Kerkeling
Donnerstag, 25. September 2008
Die Entdeckung des Humors...
Unmittelbar vor dem Thron spielt man zur Kurzweil der Zarin auf Guslis, Bal
aikas, tanzt Volkstänze, reißt Possen, macht allerlei Späße und Scherze, singt lustige Lieder und spielt lustige Rätselspiele; alle tun, was sie können: Gaukler, Tänzer, Guslisspieler und Erzähler. Das ganze Reich ist von Gelächter erfüllt; nur seine Herrin lacht nicht, weil zum Lachen das Komische in der Wirklichkeit nicht ausreicht, weil auch noch die Fähigkeit zu seiner Wahrnehmung notwendig ist - der Humor, der Sinn für das Komische.
Im Leben gibt es nicht weniger Komisches als Schönes, Erhabenes und Tragisches. Aber der Mensch ist nicht immer fähig, es wahrzunehmen. Dafür muß man den Puls des Lebens fühlen und die Wirklichkeit mit dem ganzen Reichtum ihrer Farben betrachten und sehen können. Sogar bei dem großartigsten Humoristen, dem der Sinn für Humor von Natur gegeben ist, stützt sich der Humor auf die objektive Grundlage - die komischen Erscheinungen der Wirklichkeit selbst.
Den Menschen des Lachens zu berauben scheint eine harmlose Spielerei zu sein, ist aber tatsächlich ein boshafter Zauber, denn die Gestalt jener Märchenheldin, die das Lachen verlernt hat, ist wahrhaft tragisch. Und vielleicht ist sogar kein Zauber böser und kein Unglück bitterer als das, die "lachlose" Herrscherin eines des Komischen vollen Märchenreiches zu sein.
Nach der Vorstellung der Volkspoesie wird man tief unglücklich, wenn man das Lachen vergißt. Dies Vergessen bedeutet, in einer umgebenden Wirklichkeit wie auch in sich selbst etwas unendlich Teures zu verlieren. Es bedeutet, bestimmte teure und wichtige Eigenschaften seiner Seele zu verlieren.
Sich über das Volk erheben, sich von ihm losreißen, seine Stimme zu hören verlernen - das bedeutet gleichzeitig und in jedem Fall, die Fähigkeit der Freude am Leben zu verlieren, die Freude einzubüßen und der Kraft und ihres leiblichen Bruders - des Lachens - verlustig zu gehen. (J.Borew, Über das Komische, Berlin 1960, S.160f.)
aikas, tanzt Volkstänze, reißt Possen, macht allerlei Späße und Scherze, singt lustige Lieder und spielt lustige Rätselspiele; alle tun, was sie können: Gaukler, Tänzer, Guslisspieler und Erzähler. Das ganze Reich ist von Gelächter erfüllt; nur seine Herrin lacht nicht, weil zum Lachen das Komische in der Wirklichkeit nicht ausreicht, weil auch noch die Fähigkeit zu seiner Wahrnehmung notwendig ist - der Humor, der Sinn für das Komische.Im Leben gibt es nicht weniger Komisches als Schönes, Erhabenes und Tragisches. Aber der Mensch ist nicht immer fähig, es wahrzunehmen. Dafür muß man den Puls des Lebens fühlen und die Wirklichkeit mit dem ganzen Reichtum ihrer Farben betrachten und sehen können. Sogar bei dem großartigsten Humoristen, dem der Sinn für Humor von Natur gegeben ist, stützt sich der Humor auf die objektive Grundlage - die komischen Erscheinungen der Wirklichkeit selbst.
Den Menschen des Lachens zu berauben scheint eine harmlose Spielerei zu sein, ist aber tatsächlich ein boshafter Zauber, denn die Gestalt jener Märchenheldin, die das Lachen verlernt hat, ist wahrhaft tragisch. Und vielleicht ist sogar kein Zauber böser und kein Unglück bitterer als das, die "lachlose" Herrscherin eines des Komischen vollen Märchenreiches zu sein.
Nach der Vorstellung der Volkspoesie wird man tief unglücklich, wenn man das Lachen vergißt. Dies Vergessen bedeutet, in einer umgebenden Wirklichkeit wie auch in sich selbst etwas unendlich Teures zu verlieren. Es bedeutet, bestimmte teure und wichtige Eigenschaften seiner Seele zu verlieren.
Sich über das Volk erheben, sich von ihm losreißen, seine Stimme zu hören verlernen - das bedeutet gleichzeitig und in jedem Fall, die Fähigkeit der Freude am Leben zu verlieren, die Freude einzubüßen und der Kraft und ihres leiblichen Bruders - des Lachens - verlustig zu gehen. (J.Borew, Über das Komische, Berlin 1960, S.160f.)
Sonntag, 14. September 2008
Der Sinn fürs Komische
"Jeder Mensch besitzt ein gewisses Maß an Feingefühl. Selbst ein mittelmäßiger Künstler muß daher in
der Lage sein, einigermaßen gut ein tragisches Chanson vorzutragen oder ein tragisch-dramatisches Geschehen überzeugend zu gestalten. Heiterkeit allerdings sowie der Sinn fürs Komische sind eine natürliche Gabe. Eine Naturgabe läßt sich nicht erlernen. Man würde nur wertvolle Zeit damit vertun. Man ist begabt, oder man ist es nicht. Der Sinne fürs Komische ist meist mit einer weiteren Gabe verknüpft - mit Gesundheit. Man wird selten nur einen Kranken finden, der einen Sinn fürs Komische besitzt. Die Natur verleiht diese Gabe nicht nur einem gesunden Körper, sondern auch einem gesunden Geist. Man kann feststellen, daß Menschen mit ausgeglichenem Charakter oft jenes heitere Gemüt besitzen, das nervösen, zänkischen oder launischen Personen versagt bleibt..." (Yvette Guilbert, Die Kunst ein Chanson zu singen, Berlin, 1981, S.90)
der Lage sein, einigermaßen gut ein tragisches Chanson vorzutragen oder ein tragisch-dramatisches Geschehen überzeugend zu gestalten. Heiterkeit allerdings sowie der Sinn fürs Komische sind eine natürliche Gabe. Eine Naturgabe läßt sich nicht erlernen. Man würde nur wertvolle Zeit damit vertun. Man ist begabt, oder man ist es nicht. Der Sinne fürs Komische ist meist mit einer weiteren Gabe verknüpft - mit Gesundheit. Man wird selten nur einen Kranken finden, der einen Sinn fürs Komische besitzt. Die Natur verleiht diese Gabe nicht nur einem gesunden Körper, sondern auch einem gesunden Geist. Man kann feststellen, daß Menschen mit ausgeglichenem Charakter oft jenes heitere Gemüt besitzen, das nervösen, zänkischen oder launischen Personen versagt bleibt..." (Yvette Guilbert, Die Kunst ein Chanson zu singen, Berlin, 1981, S.90)
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