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Dienstag, 10. April 2012

Über künstlerische und andere Freiheiten....

So viele reden über Freiheit …
und dabei wird der Begriff gern mißbraucht. Künstlerische Freiheit entsteht, wenn es dem Künstler gelingt, geistige Bindungen an die fortschrittlichen Kräfte in der Gesellschaft zu finden, wenn er die historische Dimension seiner Zeit begreift, wenn er Werke mit humanistischem Inhalt und menschenwürdigen Lösungen schafft. Doch auch diese Freiheit will erkämpft sein. Die finanzielle (und geistige) Abhängigkeit von möglichen Geldgebern schränkt seine Freiheit ein. Nur in der Übereinstimung mit der "organisierenden Grundidee der Geschichte" (Maxim Gorki)  und nicht außerhalb oder gegen sie kann der Künstler seine Freiheit verwirklichen. Eine illusionäre Unabhängigkeit und Bindungslosigkeit des Künstlers gegenüber den Realitäten seiner Zeit und gegenüber ihren progressiven Elementen führt zu seiner Isolierung und Vereinsamung. Was daraus entsteht, ist niemals Kunst, sondern allenfalls ein elitärer Zeitvertreib, ist niemals Kreativität, sondern lediglich weltfremde Phantastik. So hat auch der Künstler seine Verantwortung. Erinnern wir uns nur an PICASSO und seine mutige Stellungnahme gegen die Zerstörung der Stadt Guernica durch die deutschen Faschisten!

"Die Bevölkerung dieses Deutschlands liebt die Freiheit wohl nicht mehr oder weniger als die Menschen anderer Länder – und anderer Zeiten. Und auch wir Kulturschaffenden brauchen Freiräume für unsere Arbeit so dringlich, wie wir uns freie Menschen wünschen als Genießende unserer künstlerischen Werke. Wir stellen aber fest, daß es auch Freiheitsprediger gibt, mit deren Zielen wir uns nicht einverstanden erklären. Daher diese Klarstellung:

Unsere Freiheit wächst, wenn unsere Arbeitsplätze nicht aus Profitgründen vernichtet werden dürfen. Eure Freiheit bedeutet, daß unsere Freiheit vor dem Betriebstor aufhört.
Unsere Freiheit wächst, wenn Eltern gut schlafen können ohne Sorge darum, ihren Kindern aus Geldmangel keine gesunde Ernährung bieten zu können. Eure Freiheit bedeutet Bildungsgutscheine für Kinder und Leistungskürzungen für Familien.
Unsere Freiheit ist auch der Traum, daß irgendwann alle Menschen auf der Welt jeden Tag satt werden. Eure Freiheit bedeutet den Raub der Bodenschätze dieser Erde und den Hungertod von täglich 30.000 Kindern.
Unsere Freiheit wächst, wenn alle Menschen ein Recht auf einen Existenz sichernden Arbeitsplatz haben. Eure Freiheit bedeutet die Terrorisierung von Armen und Arbeitslosen durch Fallmanager und Hartz IV.
Unsere Freiheit wächst, wenn Theater, Bibliotheken, Schulen und Bäder bleiben. Eure Freiheit bedeutet, daß Ihr weiterhin die Banken und Unternehmen schmiert und ihnen auf unsere Kosten uneingeschränkt die Zockerei gestattet.
Unsere Freiheit wächst, wenn Migranten mit Menschenwürde und Respekt behandelt werden. Eure Freiheit bedeutet Abschieberegeln, Integrationsprüfungen und Diskriminierung.
Unsere Freiheit wächst mit der Erfüllung des Versprechens, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgeht. Eure Freiheit bedeutet Kriegseinsätze der Bundeswehr mit Beteiligung an der Ermordung unschuldiger Menschen.
Unsere Freiheit wächst mit der demokratischen Mitgestaltung aller gesellschaftlichen Verhältnisse. Eure Freiheit ist der Abbau von Bürgerrechten und Polizeigewalt.
Unsere Freiheit wächst, wenn das sofortige Verbot der NPD und aller neonazistischen Organisationen durchgesetzt ist. Eure Freiheit bedeutet die Bespitzelung von Demokraten und Nazigegnern.
Unsere Freiheit wächst, wenn wir keine Angst vor existentieller Unsicherheit im Alter haben müssen. Eure Freiheit bedeutet die Abschaffung der Rente und des Sozialstaats.

So viele Freiheiten … Eure wollen wir nicht." 
(Soweit ein Aufruf der Kulturinitiative)

Über 1700 Künstler und Kulturschaffende, andere Persönlichkeiten und Organisationen haben seit Sommer 2009 den bundesweiten Aufruf www.unruhestiften.de unterzeichnet. Es ist ein Aufruf gegen rechts, gegen die Abwälzung der Krisenfolgen und für die Umverteilung von oben nach unten, gegen die Kriegspolitik der Bundesregierung – und für die Förderung der kulturellen Vielfalt. 

"Nicht in der geträumten Unabhängigkeit von den Naturgesetzen liegt die Freiheit, sondern in der Erkenntnis dieser Gesetze, und in der damit gegebenen Möglichkeit, sie planmäßig zu bestimmten Zwecken wirken zu lassen." (Lenin,Werke, Bd.38, S.153)

Dienstag, 12. April 2011

Die Erinnerungen eines Clowns

Nicht selten haben Clowns etwas aufgeschrieben über ihre Erlebnisse, Erfahrungen, über ihre Sicht auf die Dinge dieser Welt. Die Erinnerungen eines Clowns sind immer von besonderem Interesse, einmal weil der Clown auf seine Weise eine bestimmte Lebensphilosophie verkörpert, zum anderen weil das Publikum gerne wissen möchte, wer hinter dieser Maske steckt: Ist er ein lebenslustiger, ist er ein trauriger Mensch? Woher nimmt er seinen Humor? Oder ist er doch eine Art  Lebenskünstler? 

Was ist der Clown für ein Mensch?

Sicher gibt es heute eine Unmenge falscher Vorstellungen über diesen Beruf, es gibt Klischees, die niemals zutreffen, die sich aber dennoch hartnäckig halten. Und es gibt Verzerrungen und Abarten, die dem Image des Clowns alles andere als zuträglich sind. Man könnte den Clown aufgrund seiner gespielten Naivität für naiv, für einfältig halten. Doch das ist glaube ich eine Unterschätzung. Das Staunen des Clowns vermag scheinbar Selbstverständliches in Zweifel zu ziehen, es hinterfragt  und stellt einige "unumstößliche Gewißheiten" erneut auf den Prüfstand der Vernunft  Ist der Clown nun ein "Querdenker", der abweicht vom "Mainstream"? Nun der Clown wundert sich, und er provoziert damit Heiterkeit. Das so erzeugte Lachen ist gewissermaßen ein Abschied von den falschen Verhaltensweisen der Vergangenheit.  Ganz ähnlich geht es mit der Parodie. Das Schöne daran ist sie ist sehr leicht verständlich. Man lacht und nimmt nicht übel. Also muß der Clown wohl klüger sein, als er sich gibt? Zweifellos! Die Satire bietet viele Möglichkeiten der Erkenntnis. So ist der Clown ein Kritiker, einer, der sich selbst nicht so ernst nimmt, der seine Fehler korrigiert, oder auch nicht. Doch das Publikum versteht es und lacht darüber. Der Clown selbst ist eine Kunstfigur. Doch ohne den Menschen, der dahinter steckt, der seine Lebensfreude und seinen Spaß in diesen Beruf mit einbringt, wäre Clownerie nicht denkbar und wohl auch nicht machbar. 
 
Über eine Abart des Komischen

Eine etwas andere Art von Komik ist die, welche Unaufrichtigkeit und Falschheit ins Lächerliche zieht. Eine solche Rolle ist wohl eher dem Hofnarren zugedacht, der eine gewisse Freiheit besaß, seiner Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten. Nicht selten haben kluge Despoten sich Narren zum Berater auserkoren. Der Narr lacht über etwas, was eigentlich abgeschafft werden sollte, und er erntet – ob seiner Ehrlichkeit dafür mitunter sogar die Zustimmung des Hofstaats. Da wird belächelt statt verurteilt, verharmlost statt bekämpft. Und die Sache ist vergessen! Diese Art von Komik ist recht weit verbreitet, denn sie lenkt ab vom Wesentlichen, spielt Gefahren herunter und führt das Publikum in die verkehrte Richtung. Sie führt zum Spaß, anstatt zur Einsicht. So kann der Hofnarr über eigentlich verwerfliche Zustände und über unmenschliche Verhaltensweisen locker herziehen und das Publikum zum Lachen bringen. Er spielt eine etwas zwiespältige Rolle, fürwahr! Hält er jedoch die Obrigkeit zum Narren, verliert er seinen Kopf. Von nicht weniger unguter Art ist auch das Lachen über menschliche Gebrechen. Beides hat mit Clownerie nicht viel zu tun. 

Der Schatten des Clowns

Doch was wäre ein Clown ohne einen Partner. In der Nachbemerkung zum Buch von Max Embden "Im Schatten eines Clowns" schreibt Gisela Winkler:

Erinnerungen eines langjährigen Partners des großen Clowns Grock sind in doppelter Hinsicht reizvoll: Sie ver­mitteln in Anekdoten und gedanklicher Auseinandersetzung ein Bild dieses Künstlers und einen Eindruck von der Zu­sammenarbeit mit ihm. Aber ein zweiter Aspekt erwächst aus dem Vergleich mit Grocks Memoiren, die er in mehreren Fassungen veröffentlichte (1930 unter dem Titel »Grock, ich lebe gern!«, 1951 »Ein Leben als Clown« und 1956 »Nit mö-ö-ö-glich«). In diesen Memoiren geht Grock kaum einmal auf das Problem der Partnerschaft ein, er erwähnt höchstens einmal, wenn er den Partner gewechselt hat. Aus seiner Sicht ist nur die Brauchbarkeit des Mitspielers interessant, dessen eigene Entwicklung scheint für Grock unwichtig. Diese gewisse Ichbezogenheit äußert sich auch in vielen Wider­sprüchen zwischen seinen Memoiren und den Erinnerungen Max Van Embdens.¹

Mit dieser Thematik befaßt sich auch Adam Kuckoff ² in seinem im Jahre 1931 erschienenen Buch "Scherry". Und er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß eine gleichberechtigte schöpferische Zusammenarbeit der beiden Künstler nicht möglich sei. Kuckoff ging es dabei weniger um den realen Bezug zu Clown Grock, als vielmehr um die Stellung und die Schaffensproblematik des Clowns an sich unter den Bedingungen der spätbürgerlichen Gesellschaft. So gab Scherry schließlich seine Arbeit auf und zog sich von der Bühne zurück. Eine Konsequenz, die eindeutig den Arbeitsbedingungen und den gesellschaftlichen Verhältnissen geschuldet ist...

Quellenangabe:
¹ Gisela Winkler, Nachbemerkung, in: Max von Emden, 
   Im Schatten eines Clowns, Henschelverlag Berlin, S.106.
³ Gisela Winkler, a.a.O., S. 107.

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Eine hervorragende Biographie stellt das Buch von Oliver M.Meyer dar. Es heißt "Grock seltsamer als die Wahrheit" und ist im Buchhandel zum Preis von CHF 92,00 erhältlich. Aber auch bei mir.

Preis: 58,- €

Schriftliche Bestellungen unter:

Gerrit Junghans
Am Mühl 2
07381 Pößneck 
oder: clowngerrit (at) aol.com

Montag, 1. November 2010

Arnold Böswetter

Eine kleine Werbung für meinen Freund Locci:
Herr Arnold Böswetter, ein Alleskönner der alten Schule
(Jg. 1928) beschert dem Publikum 30 schöne Böswetter-Minuten. ("Fräulein Katja, Sie haben aber ein schönes Kleid an!")
Das Publikum erwarten das gesprochene und gesungene Wort, deutsches Liedgut, Interessantes zu Weinzeremonien, anschauliche körperliche Ertüchtigungen nach Turnvater Jahn, Entspannungsübungen frei nach Jacobsen, medizinisch wertvolle naturkundliche Anwendungen und Wissenswertes zum Mittelstrahl...

www.locci.de

Freitag, 23. April 2010

B r e c h t - Manifest

Die große Wahrheit unseres Zeitalters (mit deren Erkenntnis noch nicht gedient ist, ohne deren Erkenntnis aber keine andere Wahrheit von Belang gefunden werden kann) ist es, daß unser Erdteil in Barbarei versinkt, weil die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln mit Gewalt festgehalten werden. [...] wir können die Wahrheit über barbarische Zustände nicht erforschen, ohne an die zu denken, welche darunter leiden, und [...] ihnen die Wahrheit so zu reichen, daß sie eine Waffe in ihren Händen sein kann. (GA 22.1, 88f)

Riesige Krisen, in zyklischer Wiederkehr, gleichend enormen
Sichtlos tappenden Händen, greifen und drosseln den Handel,
Schüttelnd in schweigender Wut Produktionsstätte, Märkte und Heime.
Hunger von alters plagte die Welt, wenn die Kornkammer leer war,
Jetzt aber, keiner versteht es, hungern wir, wenn sie zu voll ist.
Nichts in der Speise mehr finden die Mütter, die Mäulchen zu füllen,

Und hinter Mauern, in turmhohen Speichern gehäuft, fault das Korn weg.
Irgendwo türmt sich in Ballen das Tuch, aber frierend durchzieht die
Lumpenverhüllte Familie die Wohnviertel ohne Bewohner.
Ach, der so rastlos gearbeitet, fluchend der Ausbeutung, findet
Heute schon keinen mehr, der ihn noch ausbeutet; rastlos durchquert er
Suchend nach Arbeit die Stadt. Der gigantische Bau der Gesellschaft
Teuer, mit so vieler Mühe errichtet, von vielen Geschlechtern,
Sinkt in barbarische Vorzeit zurück. Und es ist nicht der Mangel,
Der da die Schuld trägt, Überfluß ist’s, das Zuviel macht ihn wanken.

Nicht zum Wohnen bestimmt ist das Haus, das Tuch nicht zum Kleiden,
Noch ist das Brot nur zum Essen bestimmt; Gewinn soll es tragen.
Wenn das Erzeugnis jedoch nur gebraucht und nicht auch gekauft wird
Weil das Verdienst des Erzeugers zu klein ist – und macht man ihn größer
Lohnt es sich nicht mehr, das Zeug zu erzeugen – wozu dann noch Hände
Mieten? [...] nur: wo dann hin mit der Ware? Und also [...]
Alles ins Feuer geopfert, den Gott des Profits zu erweichen! [...]

Freilich ihr Gott des Profits ist mit Blindheit geschlagen. Die Opfer
Kann er nicht sehn. Er ist unwissend. Beratend die Gläubigen, murmelt
Unverständliches er. Das Gesetz der Wirtschaft enthüllt sich
Wie der Schwerkraft Gesetz, wenn über den Köpfen das Haus uns
Krachend zusammenfällt. In Panik zerhackt unsre Bourgeoisie so
Unübersehbare Haufen von Gütern und rast mit den Resten verzweifelt
Über die Erdkugel hin nach neuen, gewaltigern Märkten,
Gleichend dem Mann, der, die Pest fliehend, diese nur mitnimmt und so den
Zufluchtsort auch noch verpestet: in neuen gewaltigern Krisen
Kommt sie entgeistert zu sich. Den Millionen der Arbeiter aber,
Die sie befehligt als riesige Heere und planlos herumtreibt,
Jetzt in Schwitzbuden verpackt und dann aus den Schwitzbuden wieder
Barsch auf die eisigen Straßen wirft, dämmert die Wahrheit, sie raunen
Staunend sich’s zu, daß der Bourgeoiswelt Tage gezählt sind.
(GA 5, Das Manifest, 126-28)

Holzschnitt von Frans Masereel "Die Passion eines Menschen"

Sonntag, 3. Januar 2010

Береги книгу !






















Achte das Buch - es ist ein wahrer Freund
auf deinem Weg und bei friedlicher Arbeit.


Берегите книги !

Samstag, 2. Januar 2010

Whatever you dream...

I have learned a deep respect for one of Goethe's couplets ~ Whatever you can do, or dream you can, begin it. Boldness has genius, power and magic in it ~
2010 is the year for bold action that will lead to great change for there is no change without action ~ and action always involves risk.

Whatever you dream you can do ~ begin it now !

Sonntag, 29. November 2009

Ist der Clown ein produktiver Arbeiter?


„Ein Schauspieler z. B., selbst ein Clown, ist hiernach ein produktiver Arbeiter, wenn er im Dienst eines Kapitalisten arbeitet, dem er mehr Arbeit zurückgibt, als er in der Form des Lohns von ihm erhält, während ein Flickschneider, der zu dem Kapitalisten ins Haus kommt und ihm seine Hosen flickt, ... ein unproduktiver Arbeiter ist. Die Arbeit des ersteren tauscht sich gegen Kapital aus, die des zweiten gegen Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum). Die erstere schafft Mehrwert; in der zweiten verzehrt sich eine Revenue.“

K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, S.127.

Samstag, 28. November 2009

Die Kunst der Kommunikation

"Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist." *
(Johann Wolfgang Goethe)

Recht hat er - der alte Goethe. Doch wenn es bei Kommunikation nur um "Wahrheit oder Irrtum" ginge, wäre das nicht weiter schlimm. Denn der Irrtum läßt sich im Laufe der Zeit, mit fortschreitender Erkenntnis korrigieren, wobei die Wahrheit allmählich zutage tritt. Irrtümer sind allenfalls auf Sinnestäuschungen oder auf Denkfehler zurückzuführen; ihre Korrektur erfolgt durch die Praxis und auf der Basis gesicherter Erkenntnisse. Schlimmer ist es dagegen mit der Lüge. Daß mit Lüge und Betrug heute recht einträgliche Geschäfte zu machen sind, lag wohl auch außerhalb der Vorstellung des Herrn Geheimrats.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation muß man den Irrtum sehr deutlich von der Lüge unterscheiden. Eine Lüge besteht darin, daß jemand eine Aussage als "wahr" behauptet, von der er aber überzeugt ist, daß diese Aussage falsch ist. Da aber der Lügner
unter allen Umständen vermeiden will, daß die Wahrheit ans Licht kommt, wird es mit zunehmender Weiterverbreitung der Information immer schwieriger, Wahres von Falschem zu unterscheiden. Zumal sich die Lüge nicht als solche zu erkennen gibt. Darin liegt auch das Dilemma der Kommunikation.

Ständig empfängt der Mensch
neue Informationen. Er ist somit bei der Fülle seiner Wahrnehmungen ständig gezwungen, diejenigen auszuwählen, die seinen Bedürfnissen und Interessen am ehesten entsprechen und die er auch imstande ist, zu verarbeiten. So hat man beispielsweise festgestellt, daß eine Wochentagsausgabe der New York Times mehr Informationen enthält, als einem gewöhnlichen Engländer des 17. Jahrhundert in seinem ganzen Leben zur Verfügung standen. Doch was davon ist nun wichtig und was ist unwichtig? - und schließlich: Was ist wahr, und was ist falsch? Um auf diese Fragen eine einigermaßen klare Antwort geben zu können, ist es erforderlich, die theoretischen Grundlagen zu betrachten.

Was ist eigentlich Kommunikation?

Zunächst ist Kommunikation - allgemein gesagt - der durch den Austausch von Informationen vermittelte Zusammenhang zwischen dynamischen Systemen. Dieser Austausch funktioniert nur dann, wenn es einen gemeinsamen Zeichenvorrat gibt, über den sich der Sender (S1) und der Empfänger (S2) miteinander verständigen.

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist eine spezifische Form dieses Informationsaustauschs, die sich notwendigerweise daraus ergibt, daß die Menschen viele Dinge nicht allein bewerkstelligen können, d.h. sie ergibt sich zwangsläufig aus der gemeinsamen Produktion, aus dem Zusammenwirken der Menschen. Die Kommunikation hat also einen ganz praktischen Grund.

Im Verlaufe des Informationsprozesses gewinnt nun der Empfänger der Information (S2) eine Erkenntnis, die er in der Praxis auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen kann, und welche ihn zu einer bestimmten Reaktion, zu einem bestimmten Verhalten veranlaßt. Dabei gilt es festzustellen, ob und inwieweit die gesammelten, gespeicherten und verallgemeinerten Informationen mit den tatsächlichen Verhältnissen übereinstimmen oder nicht. Denn natürlich schließt das durch viele einzelne Informationen beim Empfänger entstandene Abbild der Wirklichkeit stets auch Irrtümer und falsche Denkweisen mit ein. Doch nur die richtige, eine adäquate Widerspiegelung der objektiven Realität, und erst die Kenntnis der Gesetze der Natur und der Gesellschaft ermöglichen dem Menschen ein sinnvolles, zielgerichtetes und erfolgreiches Handeln. Hat der Mensch seine Lage einmal erkannt, wie soll er aufzuhalten sein...

Worin besteht nun die Kunst der zwischenmenschlichen Kommunikation?

Die Kunst der Kommunikation besteht genau darin, die richtigen Informationen auszuwählen und sie so zu vermitteln, daß auf der Grundlage einer gemeinsamen Sprache (eines "gemeinsamen Zeichenvorrates") eine Informations-übertragung, und beim Empfänger (S2) ein Erkenntnisgewinn möglich sind. Das setzt freilich auch eine gewisse Lernbereitschaft und die aktive Mitwirkung des Empfängers voraus. Die entscheidende Rolle spielt dabei jedoch die Persönlichkeit des Senders (S1). Nicht nur seine Überzeugungskraft, sein rhetorisches Talent und seine Begeisterung sind hier von besonderem Gewicht, sondern auch seine Integrität, seine Aufrichtigkeit und seine moralische Grundüberzeugung. Nicht immer ist das leicht zu erkennen, denn es geht dabei nicht nur um die Vermittlung von Bildung und Wissen, sondern vor allem um den Einfluß auf Entscheidungen und somit auf das Handeln der Informationsempfänger. Wozu läßt sich das Publikum bewegen - sind es eigene Wünsche, Träume oder Ziele, die geweckt werden, oder ist es gar die Angst von drohenden Nachteilen? Auch der Einfluß von Kunst und Literatur, sowie die Einwirkung der Massenmedien ist nicht zu unterschätzen! Sie beeinflussen die Gefühlswelt, und sie können sich motivierend und mobilisierend auf das Bewußtsein auswirken. Je besser es gelingt, Gemeinsamkeiten von Sender und Empfänger zu entdecken, zu thematisieren, zu erweitern, und sie bestenfalls um einige neue Erkenntnisse zu bereichern, desto größer ist der Grad der Beeinflußung. Wer Informationen übermittelt, hat freilich auch die Möglichkeit, Meinungen zu manipulieren. Das darf man nicht vergessen! So setzt der Mensch sich erfolgreich mit seiner Umwelt auseinander, indem er die Voraussetzungen, seine eigenen Möglichkeiten, den voraussichtlichen Ablauf und die Konsequenzen seines Tuns überprüft, durchdenkt und schließlich danach handelt. Gedankenloses oder nicht genügend durchdachtes Handeln bringt Mißerfolge mit sich. Dabei lernt er schließlich, Wahres von Falschem zu unterscheiden: In der Praxis zeigt sich, was am Ende richtig war.

Und wie ist das mit der Wahrheit?

Wie schon Goethe richtig feststellte, muß man "das Wahre immer wiederholen". Hier hat die Wiederholung einen erzieherischen Zweck: Auch wenn die Tatsachen noch so verfälscht werden, wenn Manipulationen und Täuschungen mitunter nahezu erdrückende Ausmaße anzunehmen scheinen, wird sich die Wahrheit im Laufe der Zeit allmählich durchsetzen. Und es ist - nebenbei bemerkt - schon eine etwas seltsame Moralvorstellung, wenn beispielsweise die Verbreitung von Falschaussagen zum Zwecke des Machterhalts oder die Fälschung von Werbeaussagen zum Zwecke der Umsatzsteigerung in der bürgerlichen Öffentlichkeit als Kavalierdelikt behandelt werden, um recht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten, so daß ein Unrechtsbewußtsein über die wissentliche Irreführung gar nicht erst aufkommt. Von einer potentiellen Übereinstimmung der objektiven Realitäten mit der proklamierten öffentlichen Meinung kann also vorerst keineswegs die Rede sein. Die jeweiligen Meinungen sind allenfalls eine billige Massenware - eben gebraucht und schon verschlissen.

Schließlich ist es eine philosophische Frage, ob es in den menschlichen Vorstellungen einen Inhalt geben kann, der vom Subjekt unabhängig ist, der also weder vom Menschen noch von der Menschheit abhängt, und wenn ja, ob es in der menschlichen Vorstellung möglich ist, diese objektive Wahrheit auf einmal, vollständig, unbedingt, absolut, oder eben nur annähernd, relativ auszudrücken.** Letzteres führt uns zu der Relativität jeglicher Erkenntnis - damit muß man rechnen. Wer jedoch die Objektivität des Erkenntnisprozesses bezweifelt, der gesellt sich ganz unbestritten auf die Seite jener Traumtänzer, denen eine Veränderung der Welt allein durch eine Änderung ihrer Gedanken möglich erscheint. Es ist klar, daß auch eine solche Denkweise ihre sozialen Wurzeln hat, und nur denen recht sein kann, die an einer Veränderung der bestehenden Verhältnisse im Grunde genommen nicht interessiert sind, da sie keinesfalls bereit sind, ihre eigene Behaglichkeit dafür aufzugeben...

(G.J.)

* J.P.Eckermann, Gespräche mit Goethe, Max Hesse's Verlag Leipzig, o.D. (1902), S.240.
** vgl. W.I.Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Berlin 1973, Werke Bd.14, S.116.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Selber Denken!

Immanuel Kant - jeden z największych filozofów wszech czasów. Przez większość swojego życia był tylko drugorzędnym nauczycielem akademickim wykładającym filozofię w ujęciu niemieckiego racjonalizmu stworzonego przez Leibniza, Wolffa i Baumgartena.

Racjonaliści twierdzili, że czysty rozum, nieskażony przesądami czy emocjami, jest ostatecznym źródłem poznania. Kant wykładał ich poglądy, coraz bardziej się z nimi nie zgadzając. W końcu w wieku 57 lat opublikował Krytykę czystego rozumu - dzieło, które dokonało w filozofii przełomu porównywalnego z kopernikowskim.

Postulował w nim nowy rodzaj filozofii - filozofię krytyczną, w której centralnym pytaniem nie będzie już: jak znaleźć idealne źródło poznania?, lecz: jak wobec oczywistej niedoskonałości wszystkich dostępnych człowiekowi źródeł poznania mimo wszystko móc filozofować?

Wystarczy zasada, którą Kant nazwał imperatywem kategorycznym: Postępuj tylko według takiej zasady, jaką chciałbyś widzieć jako prawo powszechne, ale uzupełniona o zasadę człowieczeństwa: każdy człowiek z osobna musi stanowić cel, a nigdy środek.

"Oświecenie to wyjście człowieka z zawinionej przez niego niedojrzałości. Niedojrzałość jest nieumiejętnością w posługiwaniu się własnym rozumem bez przewodnictwa innych. Niedojrzałość ta jest zawiniona przez człowieka, jeśli jej powód tkwi nie w braku rozumu, ale zdecydowania i odwagi, by swym rozumem posługiwać się bez zwierzchnictwa innych. Sapere aude! — Odważ posługiwać się własnym rozumem! - stanowi maksymę przewodnią oświecenia.

Lenistwo i tchórzostwo to przyczyny, dla których tak wielka cz
ęść łudzi, mimo wyzwołenia ich przez naturę z obcego kierownictwa (naturaliter maiorennes), pozostaje chętnie niedojrzałymi przez całe swoje życie. Te same przyczyny sprawiają, że inni mogą tak łatwo narzucić się im jako opiekunowie. To bardzo wygodnie być niedojrzałym."

I. Kant, Odpowiedź na pytanie: czym jest Oświecenie? Rozprawy z filozofii historii, przeł. T. Kupś, Kęty 2005, s. 44. (własnie przeł., G.J.)
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Einer der größten Philosophen aller Zeiten war Immanuel Kant. In seiner Schrift "Was ist Aufklärung?" schrieb er:

AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. S. 481-494

...Recht hat er, der alte Kant: Es ist so bequem, unmündig
zu sein!
d.h. fremdgesteuert und manipuliert -
Also selber denken!
Und danach handeln!

Samstag, 17. Oktober 2009

Wahrhaftigkeit in der Kunst

Diese Lebensäußerung eines Politikers mag unerwartet sein, sie ist aber eben auch eine zutiefst menschliche. Gerade aus diesem Grund wird sie hier wiedergegeben, denn Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind auch Eigenschaften, die ein Clown sich zu eigen machen muß, will er denn über den eigentlichen Zeitgeist hinaus bedeutsam bleiben...

J
e tiefer der Künstler selbst in die wunderbaren Geheimnisse der Realität in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit eindringt, je leidenschaftlicher er um ihre Erkenntnis ringt, je einfacher, deutlicher, klarer und ungekünstelter er sie zum Ausdruck bringt, um so strahlender wird das Licht sein, das er für das geistige Auge seiner Nation über die Gefilde ihre Zukunft breitet. Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind daher erster und letzter Prüfstein echten künstlerischen Wertes. "Was nicht wahr ist, das baut nicht!"

Allem zersetzenden Nihilismus gegenüber, der uns, weil er in Wirklichkeit an keine Wahrheit glaubt, einreden möchte, daß es ebenso viele Wahrheiten wie Menschen gäbe, wollen wir deutlich und vernehmlich unsere Meinung aussprechen: Die Wahrheit ist unteilbar. Es gibt nur eine Realität, und so kann es auch nur eine Wahrheit geben. Mannigfaltig sind die Wege, auf denen wir alle uns ihr nähern, anders der Weg des Künstlers, anders der Weg des Wissenschaftlers oder des Politikers und wieder anders der des Menschen im praktischen Leben. Auf welchem Weg immer auch der einzelne zu ihr gelangen mag, eines steht unverrückbar fest: Die Welt, das ist kein Schein, das ist eine objektive Realität, unabhängig von unserem Bewußtsein, das ist eine harte, unumstößliche Tatsache, und wer sie leugnet, verliert den Boden unter den Füßen. Auch der Künstler wird sich nur dann auf festem, sicheren Boden bewegen, wenn er die reale Welt in ihrem objektiven Bestand zur Grundlage seiner Anschauung macht. ...

Die Kunst ist der Stachel des gesellschaftlichen Fortschritts, wenn sie das Gewissen der Menschen aufwühlt gegen das Alte, Morsche und Verfaulende. ... Aber vergessen wir auch nicht, daß die wirkliche Umgestaltung der Welt an eherne Gesetze gebunden ist, die unabhängig von dem subjektiven Wollen des einzelnen sind. Otto Grotewohl, Reden und Aufsätze, Bd.2, S.10f. (März 1950)

Bild: Das Magazin, Heft 9, 1984, S.40 - "Otto Grotewohl malte oder zeichnete gern. Es wäre jedoch äußerst taktlos, diesen Mitgestalter unserer Republik von bleibendem Rang, ihren ersten Ministerpräsidenten, zum bedeutenden Maler hochzustilisieren." (H.Henselmann )
ebd.S.47.

Mittwoch, 23. September 2009

Mein Credo

Meine Lebenswahrheit heißt Wirkung; Wirkung auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Hegel sagt: "Glücklich ist derjenige, der sein Dasein seinem besonderen Charakter, Wollen und Willkür angemessen hat und so in seinem Dasein sich selber genießt." Das bezeichnet der Philister als Egoismus. Aber Feuerbach sagt: "Ich verstehe unter Egoismus die Liebe des Menschen zu sich selbst, d.h. die Liebe zum menschlichen Wesen, die Liebe, welche der Anstoß zur Befriedigung und Ausbildung aller Triebe und Anlagen ist, ohne deren Befriedigung und Ausbildung er kein wahrer, vollendeter Mensch ist und sein kann."

Denn Kunst ist meinem Offenbarungsdrang Natur, durch meine subjektive Betrachtungsweise gefiltert. Man muß, das bestätigen die Kollegen, auf den Proben dabeigewesen sein, um dieses Credo zu verstehen. ...

Der Regisseur

hat seine Vision als Kontur, aber die Farben bringt ihm der Schauspieler. Das ist ein gemeinsames Abenteuer in jeder Probe, in der der "Realisateur" alle inneren Kräfte der Darsteller mobilisiert und herausholt, was in ihnen ist, um mit dem Ergebnis "einem größeren Geist in Ehrfurcht und Bescheidenheit zu dienen".

Diese "Malerwerkstatt" wird Seufzer hören, harte, vielleicht auch laute Worte, aber unproduktive Auseinandersetzungen wird es nicht geben. Das Fundament aller künstlerischen Arbeit ist Disziplin. Oft muß der Regisseur viele Persönlichkeiten auf einen Nenner bringen. Stanislawski sagt ganz klar dazu: "Ohne militärische Strenge ist hier kaum Ordnung zu halten." Und "Stellen Sie sich vor, was geschehen würde, wenn es dem Regisseur nicht gelingen sollte, die Zügel in die Hand zu bekommen ... Ordnung und Aufmerksamkeit des ganzen Kollektivs zu verlangen." Stilprägendes Schaffen ist nur so erfolgversprechend. Dixi!

Martin Hellberg, Im Wirbel der Wahrheit, Berlin 1978, S. 355f.

Der politisch engagierte Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Martin Hellberg (*31.1.1905 in Dresden + 31.10.1999 in Bad Berka) wurde in der DDR insbesondere durch den Film "Lotte in Weimar" bekannt, in dem er neben Lilli Palmer die Rolle des Geheimrats von Goethe spielte. An der Seite von Klaus Maria Brandauer spielte er in dem Film "Mephisto" die Rolle des Max Reinhardt.

Albert E i n s t e i n - Menschheit wohin?

Der Mensch kann seinem Leben, kurz und bedroht wie es ist, nur dadurch Sinn geben, daß er sich der Gesellschaft widmet.

Die ökonomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels. Wir sehen vor uns eine riesige Gemeinschaft von Erzeugern, deren Mitglieder unaufhörlich bestrebt sind, einander die Früchte ihrer kollektiven Arbeit zu entziehen - nicht mit Gewalt, sondern alles in allem in getreuer Einhaltung der gesetzlich etablierten Regeln. In dieser Hinsicht ist es wichtig, zu realisieren, daß die Produktionsmittel - d. h. die ganze produktive Kapazität, die für das Produzieren von Verbrauchsgütern wie auch zusätzlichen Investitionsgütern erforderlich ist - juristisch gesehen Privateigentum von Einzelnen sein können und das größtenteils auch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß es nur einen Weg gibt, dieses Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem einzuführen, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert.


Man can find meaning in life, short and perilous as it is, only through devoting himself to society.

The economic anarchy of capitalist society as it exists today is, in my opinion, the real source of the evil. We see before us a huge community of producers the members of which are unceasingly striving to deprive each other of the fruits of their collective labor not by force, but on the whole in faithful compliance with legally established rules. In this respect, it is important to realize that the means of production - that is to say, the entire productive capacity that is needed for producing consumer goods as well as additional capital goods - may legally be, and for the most part are, the private property of individuals.

I am convinced there is only one way to eliminate these grave evils, namely through the establishment of a socialist economy, accompanied by an educational system which would be oriented toward social goals.

Albert E i n s t e i n - Why socialism? (1949)

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/science/einsteinjahr2.html

Wie Präsident Obama gestern gesagt hat: Wir brauchen eine Wirtschaft im Dienst des Menschen. Genau, Obama, und das heißt Sozialismus. Obama, komm zum Sozialismus, wir laden dich ein auf die »Achse des Bösen«.
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez vor der UN-Vollversammlung in New York. Hahaha!

Sonntag, 30. August 2009

Ich wäre gern weise









Правда, я ещё могу заработать себе на хлеб,
Но верьте мне: это случайность. Ничто
Из того, что я делаю, не даёт мне права
Есть досыта.
Я уцелел случайно. (Если заметят мою удачу — я погиб.)

Мне говорят: — Ешь и пей! Радуйся, что у тебя есть пища!
Но как я могу есть и пить, если
Я отнимаю у голодающего то, что съедаю, если
Стакан воды, выпитый мною, нужен жаждущему?
И всё же я ем и пью.


Я бы хотел быть мудрецом.
В древних книгах написано, что такое мудрость.
Отстраняться от мирских битв и провести свой краткий век,
Не зная страха.
Обойтись без насилья.
За зло платить добром.
Не воплотить желанья свои, но о них позабыть.
Вот что считается мудрым.
На всё это я не способен.
Право, я живу в мрачные времена.

(Бертольт Брехт)








Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt,
bin ich verloren.)

Man sagt mir: Iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.


Ich wäre gern auch weise.

In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
WIRKLICH, ICH LEBE IN FINSTEREN ZEITEN!


(Ber tolt B r e c h t)

Mittwoch, 15. Juli 2009

Горкий - Человек (1904)

Но если Человек отравлен ядом Лжи неизлечимо и грустно верит, что на земле нет счастья выше полноты желудка и души, нет наслаждений выше сытости, покоя и мелких жизненных удобств, тогда в плену ликующего чувства печально опускает крылья Мысль и - дремлет, оставляя Человека во власти его сердца.

И, облаку заразному подобна, гнилая Пошлость, подлой Скуки дочь, со всех сторон ползет на Человека, окутывая едкой серой пылью и мозг его, и сердце, и глаза.

Максим Горкий - Человек (1904)

Doch wenn der Mensch, unheilbar mit dem Gift der Lüge vergiftet ist, und traurig glaubt, daß es auf Erden kein höheres Glück gibt, als die Fülle des Magens und der Seele, und keine höheren Genüsse, als die Sattheit der Ruhe und der kleinen lebenswichtigen Bequemlichkeiten, dann senkt er in Gefangenschaft seines jubelnden Gefühls, traurig die Flügel seiner Gedanken und - schlummert, den Menschen in der Macht seines Herzens zurücklassend.

Und, wie eine ansteckende Wolke kriecht eine verfaulte Banalität, die Tochter der schuftigen Langeweile, von allen Seiten auf den Menschen, mit ätzendem grauen Staub sowohl sein Gehirn, als auch das Herz und das Auge einhüllend.


Maxim Gorki - Der Mensch (1904)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Ein wirklicher Lehrer...

Ich glaube, zum wirklichen Lehrer muß man nicht nur ausgebildet, sondern auch geboren sein. Die Arbeit des Lehrers ist sehr schwierig und seine Verantwortung ist groß. Der Unterricht in dem entsprechenden Fach ist natürlich die Hauptarbeit, aber wir dürfen darüber nicht vergessen, daß sich die Schüler mit dem Lehrer identifizieren. Das ist der Grund, warum die Weltanschauung des Lehrers, sein Verhalten, sein Leben, die Art und Weise, wie er an jede Erscheinung herangeht, alle Schüler in jedem Falle beeinflussen. Das wird häufig gar nicht wahrgenommen. Aber damit nicht genug. Man kann ohne weiteres sagen, daß ein Lehrer mit großer Autorität bei manchen Menschen für das ganze Leben Spuren seines Wirkens hinterläßt.

Deshalb ist es so wichtig, daß der Lehrer sich selbst beobachtet, daß er sich bewußt ist, daß sein Verhalten und sein Tun ständig geprüft werden. In einem solchen Maße, wie das bei keinem anderen Menschen der Fall ist. Dutzende von Kinderaugen blicken auf ihn, und wahrlich, es gibt nichts Aufmerksameres, Wachsameres, Empfänglicheres als Kinderaugen; niemand achtet so sehr auf die verschiedenen Nuancen der menschlichen Psyche, niemand nimmt alle Feinheiten in einem solchen Maße wahr. Das darf man nicht vergessen. (Michail Kalinin, 1938)

Foto: Die Lehrerin Olga A. mit ihren Schülerinnen

Dienstag, 30. Juni 2009

Fenster der Hoffnung

Warum, sagen Sie selber, sollte man einem Dichter seine Hoffnungen nicht glauben, wenn sie nicht sein Leben, sondern das Leben der Menschheit betreffen? Weil ein einzelner Mensch die Hoffnung der ganzen Menschheit nicht fassen kann? Oder etwa, weil ein einzelner Dichter gar nicht wissen kann, was diese Menschheit seit Anbeginn hofft? Aber ein Philosoph oder ein Politiker könnte das, ja? Unsinn! Es ist ja nur von Hoffnungen die Rede. Was sind denn Hoffnungen? Hoffnungen gibt es nur auf Kommendes, niemals auf etwas, das schon war. Jeder hofft auf Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und damit auf ein schönes langes Leben. Wenigstens für sich. Das ist von der Natur aus so, sobald man zu leben anfängt. Also trägt jeder Mensch die Hoffnungen der ganzen Menschheit in sich, rein genetisch. Unser Lebenswille ist das, denn wir sind Wesen der Natur. Gemeinschaftswesen, die einzeln und außerhalb ihrer Art nicht existieren können. Deshalb hoffen die meisten Menschen nicht nur für sich, sondern für viele ...

Heinz Kahlau - in: Majakowski - Ich will meinen Stern, Majestät, Berlin, 1987. - Foto (Ausschn.): A.+A.Thorndike, Das russische Wunder, S.192.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Kunst und Kreativität

Die bildende Kunst ist eine spezifische Art und Weise der Widerspiegelung unserer Wirklichkeit. Sie vermittelt ein sehr subjektives Abbild dessen, was dem Künstler für wichtig und bemerkenswert erscheint. Seien es nun Personen oder Gegenstände, seien es Vorgänge oder Zustände, die im jeweiligen Kunstwerk abgebildet sind - die Wirklichkeit ist vielfältig. Und sie ist widersprüchlich genug - das fordert Kreativität geradezu heraus.

Wer nun aber erwartet, daß Kunst im weitesten Sinne dazu beiträgt, unsere verworrenen Lebensverhältnisse aufzuhellen, der sieht sich getäuscht. Denn das gelingt in weitaus geringerem Maße, als es vielmehr von ebenjener Wirklichkeit ablenkt. Und so rätselt der neugierige Betrachter nun vergeblich darüber, was der Künstler ihm mit seinem Werk sagen wollte.
Die Antwort darauf werden ihm beide wohl für immer schuldig bleiben.

Die etablierte Kunstrezeption beruht im Grunde genommen auf einer einzigen Heuchelei. Sie wird letztlich bestimmt durch die Interessen der einflußreichsten und finanzkräftigen Kreise in unserer Gesellschaft, die da bestrebt sind, ihre ehrgeizigen (und egoistischen) Ziele durchzusetzen. Sie führen ihren Kampf um die Beeinflussung der Gedanken, Gefühle und Gewohnheiten der Menschen. Und das geschieht über unzählige Kanäle und nimmt manchmal kaum wahrnehmbare Formen an. Schule, Kirche, Kunst und Medien, Theater, Kino und die verschiedensten Organisationen wirken darauf hin, die vorherrschende Weltanschauung, Moral und Lebensweise im Bewußtsein der Menschen ein für allemal festzunageln.

Nie gab es soviel Kunst für so wenig Geld! Es herrscht Überproduktion in allen Bereichen. Ein wenig bekannter Regisseur äußerte einmal über gewisse amerikanische Filme: Sie stellen eine Art Rauschgift für die Leute dar, die dermaßen ermüdet sind, daß sie nichts weiter wünschen, als in einem weichen Sessel zu sitzen und mit einem Löffel gefüttert zu werden. - Ich meine, damit ist auch das Wesen unserer heutigen Kunst hinreichend charakterisiert. (G.J.)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Zielstrebigkeit

Geh deinen Weg und laß die Leute reden!

Gegenüber den Vorurteilen der sog. öffentlichen Meinung, der ich nie Konzessionen gemacht habe, gilt mir nach wie vor der Wahlspruch des großen Florentiners:

Segui il tuo corso, e lascia dir le genti!

(Karl Marx, MEW, 1983, Bd.23, S.17)


Und im Original:

Da sprach Virgil: "Was zieht dich also an,
Daß du den Gang zum Gipfel aufgeschoben?
Und jenes Flüstern, was hat dir's gethan?

Was man auch spreche, folge mir nach oben!
Steh' wie ein fester Thurm des stolzes Haupt
Nie wankend ragt, wenn auch die Winde toben

Das Ziel entweicht, dem man sich nah geglaubt,
wenn sich Gedanken und Gedanken jagen
Und einer stets die Kraft dem andern raubt."

(Dante, Göttliche Komödie, Fegefeuer, 5. Gesang, 10-18, Lpz. 1876, S.224)

« Vien dietro a me, e lascia dir le genti. »
« Viens derrière moi, et laisse dire les gens. »

Dante, Purgatoire, chant V, 13.
Dimanche de Pâques, 10 avril 1300.

« Segui il tuo corso, e lascia dir le genti ! »
« Poursuis ton chemin, et laisse dire les gens ! »

Karl Marx, Préface de la première édition du Capital,
25 juillet 1867.

Freitag, 29. Mai 2009

Menschheitsperspektiven...

Nicht nur die Zukunft erscheint uns oft als ein Buch mit sieben Siegeln, sondern mitunter sogar die Gegenwart. Wie gelingt es nun, die wahren Ursachen und Zusammenhänge in der Gesellschaft zu erkennen, hinter die Beweggründe der Menschen zu kommen und schließlich die Gesetzmäßigkeiten ihres Handelns zu verstehen?

Wer im Leben etwas verändern will, der muß erkennen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Das wußte schon der alte Goethe. Demnach sind Veränderungen davon abhängig, inwieweit der Mensch imstande ist, die ihn umgebende objektive Realität, d.h. die ihn umgebenden Dinge, die Vorgänge und Zusammen-
hänge r i c h t i g widerzuspiegeln. Das heißt, erst wenn dieses Abbild der Wirklichkeit im Bewußtsein des Menschen mit der Realität übereinstimmt, ist er langfristig in der Lage seine Ziele und Absichten mit Erfolg zu verwirklichen. Das richtige Denken hat einen entscheidenden Anteil daran. Umso mehr, als die Menschen stets bestrebt sind, ihre jeweiligen Interessen durchzusetzen. Insofern unterscheidet sich der Mensch vom Tier.

Demnach sind alle Versuche, sich im Zuge der Krisenbewältigung am Volk der Ameisen ein Beispiel zu nehmen, purer Unsinn und zum Scheitern verurteilt. Schon Friedrich Engels stellte klar: "Der wesentliche Unterschied der menschlichen von der tierischen Gesellschaft ist der, daß die Tiere höchstens sammeln, während die Menschen produzieren. Dieser einzige, aber kapitale Unterschied allein macht es unmöglich, Gesetze der tierischen Gesellschaft ohne weiteres auf menschliche zu übertragen."
(MEW Bd.34, S. 170)

Wenn zudem anstelle der Erkenntnis gesellschaftlicher Zusammenhänge nur Vermutungen treten, wenn Erscheinungen der Gesellschaft nicht ihren sozialökonomischen Ursachen zugeordnet werden, wenn Verwirrung herrscht über die tatsächlichen Umstände, dann geraten alle Versuche, den sozialen Problemen der Menschheit zu Leibe zu rücken, zur puren Stümperei. Es herrscht - wie stets in solcher Lage - Willkür und Anarchie.

Indessen richten sich die Hoffnungen himmelwärts, und man wendet sich neuen Propheten zu, die mit immer dubioseren Heilslehren den "gordischen Knoten" der Erkenntnis zu lösen versprechen. Und weil man die Menschen damit nicht mehr zu überzeugen vermag, versucht man wenigstens, sie zu verwirren - schließlich werden die Methoden der Manipulation des Denkens immer ausgefeilter. Doch auf Dauer läßt die Wahrheit sich nicht verleugnen. Die Praxis ist am Ende immer das Kriterium der Theorie. Daran zeigt sich, wer recht behält. Und es kommt ans Licht, was die Welt zur Lösung ihrer Probleme braucht: eine historisch-materialistische, d.h. eine wissenschaftliche Sichtweise. Nur das kann eine Anleitung zum Handeln sein, nur das führt letztlich zum Erfolg. (G.J.)